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Bergen Stadt Gedenkstättenleiter wird im Internet bedroht
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Gedenkstättenleiter wird im Internet bedroht
11:46 31.01.2020
Von Simon Ziegler
Jens-Christian Wagner: "Man braucht ein dickes Fell." Quelle: Holger Hollemann
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Lohheide

Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, wird offenbar im Internet beleidigt und bedroht. "Ich habe mich öfter in Interviews über eine Veränderung des geschichtspolitischen Klimas geäußert, das unter anderem durch die AfD bedingt ist", sagte Wagner gestern auf CZ-Anfrage. Der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten will sich davon nicht einschüchtern lassen und zeigt Bedrohungen bei der Polizei an. "In der vorletzten Woche waren es drei Anzeigen. Das war bisher der Höhepunkt", sagt Wagner.

Hetze auf AfD-Seite

So habe es auf der Facebook-Seite des AfD-Landesverbandes Niedersachsen Kommentare gegeben, er solle "sehr, sehr vorsichtig sein mit seinen Äußerungen". Nachdem die Gedenkstätte interveniert habe, sei der Kommentar gelöscht worden. Dazu gebe es beleidigende Kommentare, etwa mit dem Inhalt, er sei "krank im Hirn". Hass-Kommentare seien auch auf der Homepage der rechtsextremistischen Kleinstpartei "Der dritte Weg" aufgefallen. Zudem werde er auch in Briefen angegriffen, berichtet der 54-Jährige. Anfang des Jahres hatte er bereits davon gesprochen, dass die Arbeit in den Gedenkstätten schwieriger geworden sei.

Immer mehr Provokateure in Gedenkstätte

Der Gedenkstättenleiter sieht einen Zusammenhang der Drohungen im Internet zu seinen jüngsten Äußerungen. Wagner hatte berichtet, dass immer mehr Besucher seine Mitarbeiter provozieren wollten. Schüler stellten die Opferzahlen in Frage. Laut Wagner behaupten die Provokateure zum Beispiel, dass in Bergen-Belsen 1945 lediglich deshalb so viele Menschen starben, weil es Versorgungsengpässe wegen der Luftangriffe gegeben habe. Schuld trügen damit die Alliierten, nicht die SS, die das Lager verwaltete. Solchen geschichtsrevisionistischen Positionen werde in einigen Gruppen nicht klar widersprochen, beobachtet der Historiker. "Die Rechten versuchen mittels Provokationen und Einschüchterungen, die Diskurshoheit zu bekommen."

Kritische Nachfragen sind erwünscht

Zugleich stellt Wagner klar, dass kritische Nachfragen ausgesprochen erwünscht seien. "Es ist unser Ziel, dass Schülerinnen und Schüler kritisch nachfragen." Geschichtsbewusstsein brauche kritisches Nachhaken. "Provokationen sind das Gegenteil: Sie sollen den Austausch von Argumenten verhindern."

Mehr als 52.000 Tote im KZ Bergen-Belsen

Im Konzentrationslager Bergen-Belsen waren in den Jahren 1943 bis 1945 mehr als 100.000 Männer, Frauen und Kinder gefangen gehalten worden. Mehr als 52.000 von ihnen starben.

"Man braucht ein dickes Fell"

Wagner sieht die Provokationen weiterhin gelassen. "Wenn man an der Spitze einer Gedenkstätte steht, braucht man ein dickes Fell", sagt er. "Für Beleidigungen und Bedrohungen gibt es ein Instrumentarium, und das ist das Strafgesetz", so der Historiker. Er will den Angriffen von Rechtsaußen "eine wissenschaftlich und ethisch fundierte Arbeit in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus entgegensetzen".

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