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Bergen Stadt "Musterbeispiel für Leugnung"
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt "Musterbeispiel für Leugnung"
17:55 05.02.2019
Von Christopher Menge
Das Gelände des Konzentrationslagers Bergen-Belsen kurz nach der Befreiung: Fünf Jahre später schrieb Amtsrichter Ernst von Briesen, der selbst mehrmals im Lager war, dass man von den Geschehnissen nichts mitbekommen habe. Quelle: United States Holocaust Memorial Museum
Bergen

Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, spricht von einem "Musterbeispiel für das breite Ausmaß an Verdrängung, Leugnung und Schuldabwehr, das nach dem Krieg nicht nur Bergen, sondern die gesamte deutsche Gesellschaft prägte".

Von Briesen wurde als Zeuge schlechthin dargestellt

Von Briesen habe seinen Bericht unter anderem in der rechtsextremistischen Zeitschrift "Nation Europa" veröffentlicht. "In Bergen zirkulierte der Bericht breit gestreut", sagt Wagner. Noch zu Beginn der 2000er Jahre seien die Mitarbeiter der Gedenkstätte, die zur Frage des Wechselverhältnisses zwischen Lager und Umfeld forschten, in Bergen immer wieder auf von Briesen hingewiesen worden, der der Zeitzeuge schlechthin gewesen sei. Der Spiegel hatte den Bericht bereits 1995 aufgegriffen.

Todesangst nicht ernst genommen

Ernst von Briesen war von 1919 bis 1945 Amtsgerichtsrat in Bergen. 1950 schrieb er seinen Bericht, in dem er seine Besuche im Konzentrationslager Bergen-Belsen schilderte. "Die Leute machten einen durchaus normalen, weder gequälten noch verängstigten Eindruck, die Kinder spielten, aus der mir von früher bekannten ,Entlausungsanstalt' (Brausebäder) hörte man Lachen und Juchen von Frauenstimmen", so von Briesen über seinen Besuch im Jahr 1944. Seine letzte Amtshandlung am 16. Dezember 1944 sei die Vernehmung einer jüdischen Frau gewesen. "Auch sie äußerte keine bestimmten Klagen, sagte nur, sie habe ,solche Angst' ob sie hier wieder lebend herauskäme", schrieb von Briesen.

Jens-Christian Wagner: "KZs keine isolierten Kosmen"

Die ziemlich detaillierten Kenntnisse, die von Briesen vom Lager hatte, seien sehr interessant, so Wagner: "Dass ein Amtsrichter in zivilrechtlichen Fragen Zugang zum Lager erhielt, ist mir aus anderen KZs bislang nicht bekannt und ist eine wichtige Ergänzung zur Geschichte der Konzentrationslager." Sie stütze die Befunde der Forschung der letzten 20 Jahre, die deutlich herausgearbeitet habe, dass die KZs eben keine isolierten Kosmen waren, sondern enge Wechselwirkungen mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld hatten."

Für die "schweren Vorwürfe", die die Engländer nach der Befreiung am 15. April 1945 erhoben, hatte von Briesen kein Verständnis: "Man nannte uns ,Mörder' und es soll sogar die Absicht bestanden haben, ganz Bergen zur Vergeltung für ,Belsen' niederzubrennen. Unsere Erwiderung, dass uns von alledem nichts bekannt gewesen sei, stieß auf völligen Unglauben; erst allmählich haben die Engländer wohl eingesehen, dass wir die Wahrheit gesagt hatten."

Typisch für Leugner der NS-Verbrechen

Wagner hält den Bericht wegen seiner Apologie für hochinteressant – zeigt er doch, "mit welchen Mustern die Relativierer und Leugner der NS-Verbrechen nach 1945 argumentierten: Man habe nichts gewusst, die Häftlinge seien gefährliche Verbrecher gewesen, eigentlich sei es im Lager auch gar nicht schlimm gewesen, wer es nicht selbst gesehen habe, könne und dürfe nicht urteilen, die deutsche Bevölkerung sei selbst über alle Maßen leidgeprüft gewesen und die Alliierten hätten doch auch Verbrechen begangen."

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