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Bergen Stadt Bedrückend, beklemmend und beeindruckend
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Bedrückend, beklemmend und beeindruckend
14:51 20.05.2019
Von Andreas Babel
Die Zuschauer hatten einiges auszuhalten in dem Theaterstück "Spurensuche", das  im Berger Stadthaus aufgeführt wurde. Quelle: Oliver Knoblich
Bergen

Auf dem kleinen Zettel, den die jungen Schauspieler den Zuschauern in die Hände drückten, stand „Was für ein Mensch willst du sein?“. Mit dieser Frage, die jeder für sich beantworten musste, endete eine ganz besondere Aufführung im Berger Stadthaus. Solch ein Theaterprojekt hat es im Landkreis Celle wohl noch nicht gegeben. Eindrucksvoll führt das Stück "Spurensuche" vor Augen, wie im Nationalsozialismus behinderte Menschen ausgegrenzt und schließlich getötet worden sind.

Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums geben Anweisungen

Die rund 60 Besucher werden in einen dunklen rechteckigen Raum geführt. Sie müssen inmitten einer sie umlaufenden Laufsteg-Bühne Aufstellung nehmen. Um sie herum agieren die Schauspieler. 12 bis 17 Jahre alt sind sie. Die Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums Haar (bei München) geben dem Publikum immer wieder Anweisungen, starren ihnen bisweilen mehrere Sekunden lang in die Augen, schreien sie gemeinsam an.

Zuschauer müssen Aufstellung nehmen

Die Zuschauer, viele von ihnen sind schon älter, müssen immer wieder anders Aufstellung nehmen, diejenigen, die größer als 1,70 Meter sind, in der einen Ecke, die Kleineren in der anderen Ecke. Manches Mal müssen sich die Besucher auf Papphocker auf dem Laufsteg oder im Innern des Karrees setzen.

Fast schutzlos der Szenerie ausgesetzt

Eine 17-jährige Schauspielerin überwindet ihre Höhenangst und hält als Haarer NS-Bürgermeister eine flammende Rede an seine Untergebenen. Die sind die Schauspieler, die inmitten der Besucher ihrem Vorbild an den Lippen hängen und zujubeln. Bei all dem schleicht sich ein beklemmendes Gefühl unter die Kleidung, setzt einen fast schutzlos der Szenerie und der dahinterstehenden Historie aus.

Schüler schreiben Schlussszene für Bergen selbst

Die Schüler haben all das, was an Krankenmord während der NS-Zeit in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar geschehen ist, recherchiert und sich intensiv mit den Fakten, mit Opfern und Tätern auseinandergesetzt. Das spürt man im anschließenden Gespräch zwischen Publikum und Ensemble. 75-mal haben sie das Stück in ganz Deutschland schon aufgeführt. In Bergen gleich dreimal. Besonders die beiden Auftritte mit Schulklassen hatten wohl einen positiven Effekt. So berichtet die 17-jährige Schauspielerin, dass manche jugendliche Besucher sie anfangs provoziert hätten. „Am Ende haben sie uns aber akzeptiert“, sagte die Haarerin, die nahezu alle Auftritte mitgemacht hat. Nach dem Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen hatten die Schauspieler kurzentschlossen eine Schlussszene geschrieben, bei der sie darauf Bezug nahmen. Dabei ließ ihnen ihr Lehrer, Thomas Ritter, freie Hand. So viel Zutrauen zahlt sich aus: Diese Gymnasiasten leisten einen wertvollen Beitrag in Sachen Gedenken und Mahnung.

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