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Bergen Stadt Wer wird Bürgermeister? Schlagabtausch in Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Wer wird Bürgermeister? Schlagabtausch in Bergen
17:56 16.05.2019
Von Oliver Gatz
Diskutierten über Bergens Zukunft: die Bürgermeister-Kandidaten Frank Juchert (Zweiter von rechts) und Claudia Dettmar-Müller mit CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber (links) und Lokalredakteur Christopher Menge. Quelle: David Borghoff
Bergen

Wer wird in Bergen das Erbe von Bürgermeister Rainer Prokop antreten? Ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann oder eine politisch aktive Politologin und Historikerin? Diese Frage wird am 26. Mai entschieden. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl hatte die CZ am Mittwochabend zur Podiumsdiskussion mit den Kandidaten Claudia Dettmar-Müller (parteilos) und Frank Juchert (CDU) in das Stadthaus Bergen eingeladen. Das Interesse war groß: Mehr als 400 Besucher sahen sich den Schlagabtausch an.

Bei manchen Themen gab es Übereinstimmungen, bei anderen stellten Dettmar-Müller und Juchert ihre unterschiedlichen Positionen heraus und zeigten sich mitunter angriffslustig. Beispiel: Juchert attackierte das Verhalten der früheren CDU-Fraktionschefin mit den Worten: „Mein Vertrauen haben Sie nachhaltig zerstört.“ Ein Raunen ging durch den Saal, gepaart mit empörten Reaktionen. Und auf die Frage, ob er als Verwaltungsmann mit einer möglichen Bürgermeisterin Dettmar-Müller gut zusammenarbeiten würde, antwortete der 52-Jährige, dass er selbst das Amt anstrebe. „Alles andere ist keine Option.“

„Zwei Fliegen mit einer Klappe“

Stadtentwicklung: Braucht Bergen einen Discounter in der Innenstadt? Juchert begrüßt solche Überlegungen und will dabei „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“. Sollten sich Aldi und Meica nicht einigen und der Discounter sich nicht auf dem Gelände von Kruse-Wurst ansiedeln, wäre das ehemalige Naafi-Gelände eine Option, meinte der 52-Jährige. Zum einen gäbe es eine sinnvolle Nachnutzung für das Gelände, zum anderen hätte man einen „Einzelhandelsbetrieb mit Magnetfunktion“, der die Innenstadt aufwerte.

Frank Juchert Quelle: David Borghoff

Dettmar-Müller lehnt solche Pläne ab. Die Innenstadt sei in dieser Hinsicht überversorgt. Sie bezog sich auf ein Gutachten, das neben einer gewerblichen Nutzung auch die Schaffung von Wohnraum auf dem Naafi-Gelände empfiehlt. „Wir haben genug Verkehr in der Innenstadt“, sagte die Politikerin. Zudem regte die 51-Jährige an, eine zentrale Stelle für die Ansiedlung von Hofläden aus dem Umland zu schaffen.

Mehr Entscheidungsfreude gefordert

Die parteilose Kandidatin glaubt nicht, dass ein Nahversorger echtes Interesse an dem Naafi-Gelände hat. „Sonst hätten wir schon längst einen.“ Juchert wiederum ist skeptisch, ob es für hochpreisige Wohnungen überhaupt eine Nachfrage gibt. „Wir müssen erst prüfen, ob der Bedarf da ist.“ Ein solches Gutachten liege bereits vor, konterte Dettmar-Müller, die sich im Rathaus mehr Entscheidungsfreude wünscht.

Claudia Dettmar-Müller Quelle: David Borghoff

Soziale Brennpunkte: Ziel sei es, die Bewohner der Berliner Straße auf das ganze Stadtgebiet und nicht nur auf das Musikerviertel zu verteilen, sagte Juchert. Ein Quartiermanager solle den Prozess begleiten. Dettmar-Müller entgegnete: „Eine Konzentration haben wir de facto schon.“

Ortsumgehung in weiter Ferne

Verkehr: Beide Kandidaten halten eine Ortsumgehung für sinnvoll. „Als Bürgermeisterin würde ich mich dafür einsetzen“, sagte Dettmar-Müller. Die Verkehrsbelastung auf der B3 sei „unzumutbar“. Verwaltungsmann Juchert machte jedoch wenig Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung: Die Ortsumgehung befinde sich im Bundesverkehrswegeplan bis 2030 nicht im vordringlichen Bedarf. „Bis 2030 wird es keine Ortsumgehung Bergen geben“, betonte er. Man müsse sich zum richtigen Zeitpunkt für das Vorhaben stark machen. „Das jetzt zu tun, halte ich für völlig verfrüht.“

Stadtbad: Derzeit lässt die Verwaltung die Kosten für eine Sanierung oder einen Neubau des Stadtbades ermitteln. Eine Sanierung verursache „immense Kosten“, gab Juchert zu bedenken. „Das ist ein dicker Fisch.“ Bei einem Neubau gebe es vermutlich höhere Fördermittel. Er plädierte dafür, zunächst einmal die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie abzuwarten. Dettmar-Müller zeigte sich offen für einen Außenschwimmbereich, der im Gespräch ist. Man müsse aber auch die Haushaltslage der Stadt berücksichtigen. Angesichts der vielen Vorschläge regte sie eine Bürgerbefragung an.

Werden Hilfsfristen eingehalten?

Medizinische Versorgung: Dettmar-Müller erhofft sich Nachbesserungen im Gutachten des Landkreises zum Rettungswesen. Denn die freiwillige Außenstelle des Rettungsdienstes Marquardt an der Hermannsburger Straße in Bergen wird im neuen Bedarfsplan nicht berücksichtigt. Dettmar-Müller hält allgemein das Verhältnis zwischen der Stadtverwaltung und dem Landkreis für „verbesserungswürdig“. Juchert wies den Vorwurf zurück, dass die Stadt beim Thema Rettungsdienst geschlafen habe. Ihm zufolge hat der Landkreis 2017 noch zugesagt, dass die Berger Außenstelle im Bedarfsplan berücksichtigt werde. Ein Jahr später habe es geheißen, dass dies nur ein Zwischenstand gewesen sei. Jetzt gehe es darum, dass die Stadt über die Einsatzberichte informiert werde, um festzustellen, ob die vorgeschriebenen Hilfsfristen im Notfall auch eingehalten werden, sagte der 52-Jährige.

CZ-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Bergen: Ralf Leineweber, Claudia Dettmar-Müller, Frank Juchert und Christopher Menge Quelle: David Borghoff

Um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, plädierte Dettmar-Müller dafür, attraktive Rahmenbedingungen für Mediziner wie ein gutes Angebot an Kinderbetreuung zu schaffen. Juchert macht sich dafür stark, die Niederlassungsvorgaben für Ärzte so zu ändern, dass der ländliche Raum besser dasteht, insbesondere bei den Fachärzten. Dettmar-Müller ätzte: „Wenn Sie damit Erfolg haben, könnten Sie sich beim Gesundheitsministerium bewerben.“

Sieben Jahre auf Baugenehmigung gewartet

Bauland: Dettmar-Müller fordert mehr Tempo bei der Ausweisung von Bauland. „Mit der Baulandplanung hinken wir hinterher“, kritisierte sie. Es dauere viel zu lange, bis Grundstücke freigegeben werden. In einem Fall habe eine Familie sieben Jahre auf die Baugenehmigung gewartet. „Das geht so nicht.“ Juchert wies die Kritik zurück, stellte sich vor seine Mitarbeiter und verwies auf gesetzliche Vorgaben.

Auch aus den Zuschauerreihen kam der Vorwurf, Dettmar-Müller rede bei Wahlkampfveranstaltungen die Verwaltung schlecht. Sie wies dies von sich und betonte, die Verwaltung umstrukturieren und neu aufstellen zu wollen.

"Jeden Stein in der Verwaltung umdrehen"

Sparvorschläge: Juchert regte an, die externe Imageberatung zu streichen, die rund 40.000 Euro koste. „Die Köpfe vor Ort wissen am besten, was zu machen ist“, sagte der 52-Jährige. Gleichwohl wolle er „jeden Stein im Verwaltungsapparat umdrehen“, um die Haushaltslage Bergens zu verbessern. Zugleich warnte er davor, die Grundsteuer zu erhöhen. Seine Mitbewerberin äußerte sich nicht dazu, wo sie konkret den Rotstift ansetzen will. Sie plädierte lediglich dafür, die Einnahmesituation zu verbessern.

Mehr als 400 Bürger haben sich bei der CZ-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Bergen informiert. Auch eine Probeabstimmung gab es.

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