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Bergen Stadt "Marsch des Lebens" erinnert an Holocaust-Opfer
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt "Marsch des Lebens" erinnert an Holocaust-Opfer
16:41 02.05.2019
Von Marie Nehrenberg-Leppin
Antonina Pereguda tanzt zur israelischen Nationalhymne. Quelle: David Borghoff
Bergen

Gute sechs Kilometer sind es von der Rampe bis zum ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die Gefangenen gingen diesen Weg zu Fuß, oftmals mit dem Wissen, dass es ihr letzter Gang sein wird. Gestern wandelten rund 150 Teilnehmer des „Marsches des Lebens“ auf ihren Spuren – um zu erinnern, zu versöhnen und um ein Zeichen zu setzen.

Holocaust geht jeden an

„All unsere Familien sind in irgendeiner Form an den Geschehnissen rund um den Holocaust beteiligt“, fängt Organisator Michael Dierks an zu erzählen. Sein Opa sei damals Soldat gewesen, seine Mutter habe als Lehrerin den Führereid leisten müssen. „Deswegen ist es wichtig, dass wir heute den Weg entlang der Schienen gehen, um besser verstehen zu können, was damals eigentlich überhaupt passiert ist.“ Es gehe jeden etwas an.

Vom Friedensplatz zur Rampe

Der Anlass des Erinnerungsmarschs ist der gestrige „Jom Ha Schoah“, der Holocaust-Gedenktag in Israel. An diesem Tag finden weltweit Gedenkveranstaltungen statt. Die Teilnehmer in Bergen kommen aus ganz Norddeutschland, sind Zeitzeugen, Angehörige oder Interessierte. „Das ist gut so, denn das Lager, das wir heute besuchen, war für die ganze Region das Todeslager“, sagt Dierks. Bürgermeister Rainer Prokop ist sich der historischen Bedeutung Bergens ebenso bewusst. „Wir versuchen mit allen Mitteln, der Verantwortung gerecht zu werden“, stellt er ausdrücklich klar. Deswegen begrüße er den „Marsch des Lebens“ vor Ort sehr.

Geschichte tänzerisch erleben

Bevor sich die Gruppe in Bewegung setzt, werden die schlimmen Ereignisse künstlerisch dargestellt. Antonina Pereguda tanzt zu den Klängen der israelischen Nationalhymne das Stück „Vom Holocaust zur Hoffnung“. Im Anschluss geht es los: Vom Friedensplatz geht es zur Rampe, die erste Station der Wanderung. Dort gibt es eine weitere Kundgebung und ein gemeinsames Gebet. Viele Flaggen europäischer Staaten wehen währenddessen im Wind. Auch sie sollen zeigen, dass Bergen-Belsen ein internationaler Treffpunkt des Grauens war und ganz Europa in unterschiedlichen Rollen involviert war.

Statement gegen Antisemitismus

Nur zurückschauen möchte mal allerdings nicht. „Auch wenn die Erinnerung einen großen Teil des Gedenkens einnimmt, sollte auch ein Blick in die Zukunft nicht vergessen werden“, betont Hinrich Kaasmann, Mitglied des Freundeskreis Yad Vashem. „So etwas wie damals darf nie wieder passieren, da müssen wir alle unseren Teil zu beitragen.“ Die Aktualität sieht auch Dierks. „Es geht nicht nur um damals.“ Der Marsch solle auch als Statement gegen Rassismus und Antisemitismus in der heutigen Welt stehen. „So schaffen wir eine Möglichkeit, das Schweigen zu durchbrechen.“

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