Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Bergen Stadt Grundstück soll trotzdem schon gekauft werden
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Grundstück soll trotzdem schon gekauft werden
13:35 13.06.2010
Plan Kindertagesstätte Quelle: nicht zugewiesen
Anzeige
Bergen Stadt

Insgesamt fünf Anfragen für halbtags und eine Anfrage für Ganztagsbetreuung gibt es derzeit in Sülze und Eversen. Deshalb „besteht der Bedarf für beide Krippen aus Sicht der Verwaltung derzeit nicht“, heißt es in einer Vorlage, die die Entscheidung für den Bau einer Krippe in Eversen auf Halde schieben will. Da beide Standorte nah beieinander liegen, reiche ab Sommer 2010 zunächst ein Ganztagsangebot in einer Krippe aus. Als Standort ist aus Sicht der Verwaltung Sülze zu bevorzugen. Zum einen wohnten dort mehr Kinder und es lägen auch bereits mehr Anfragen vor. Zum anderen bestehe dort bereits ein Nachmittagsangebot, so dass sich die Krippe in die vorhandene Struktur gut eingliedere.

Trotz der Tatsache, dass die Baupläne verschoben sind, soll das für die Krippe in Eversen vorgesehene Grundstück bereits jetzt von Bergen erworben werden. Für den Haushalt plant die Verwaltung eine Summe von rund 78000 ein. Im Ausschuss für städtische Kindertagesstätten traf diese Idee auf keine Bedenken. Einstimmig und ohne Nachfrage zu dem Kauf empfahl das Gremium die Ideen der Verwaltung.

Anzeige

Die Vorsitzende des Ausschusses zeigte sich am Tag danach überrascht von ihrer Empfehlung. „Das habe ich wohl überhört“, sagte Marianne Kohrs (CDU). Ausschussmitglied Reiner Heins (SPD) fand die Investition gut. Er sieht da für Eversen, wo er im Ortsrat sitzt, nur Vorteile. „Wenn die Krippe nicht gebaut wird, besteht dort die Möglichkeit eine Parkplatz und vielleicht auch eine Wohnmobilstellplatz zu bauen. Überrascht zeigte er sich von der Höhe der angesetzten Summe. Die wollte er noch mal mit in die Fraktion nehmen.

Bergens Bürgermeister Rainer Prokop hält einen Kauf für sinnvoll und verteidigte die Beschlussvorlage. „Das ist keine Steuerverschwendung, den schließlich bedeutet das Grundstück ja einen Wertzuwachs für die Gemeinde“, sagte Prokop. Der Kauf würde aber unter dem Finanzierungsvorbehalt stehen und man könne versuchen, eine Klausel einzuarbeiten, dass das Grundstück nur gekauft werde, wenn die Krippe auch tatsächlich gebaut wird.

Unterstützung bekommt er von der SPD. „Man sollte an der Krippe zunächst festhalten. Allerdings wird es wohl noch einmal Diskussion über eine andere Lösung im Verwaltungsausschuss geben“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Berger Rat, Rüdiger von Borcke.

Bei der CDU-Fraktion hält man die Grundstückssicherung für richtig. „Allerdings wäre eine Kaufoption und nicht der Kauf meine erste Wahl“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Eckart Borges. Mit den Zahlen, wie sie jetzt vorliegen, sei die Krippe nicht zu halten, räumte Borges ein. Daher appellierte er an die Eltern, sich jetzt anzumelden, damit die Krippe auch gebaut werden könne.

Kommentar

Die Stadt Bergen wird wie in den vergangenen Jahren für den Haushalt 2010 mit einem Defizit planen müssen und hat noch einiges an Schulden. Der Kauf eines Grundstückes auf Verdacht ist deshalb falsch. Zumal die derzeitigen Anmeldezahlen selbst in den Augen der Stadt gegen zwei Krippen in Eversen und Sülze sprechen und die demografische Entwicklung keine Besserung aufzeigt.

Die Begründung, ein Grundstückskauf sei ein Wertzuwachs für die Gemeinde und damit keine Steuerverschwendung ist nicht schlüssig. Denn zum einen werden die 78000 Euro über Schulden finanziert, für die Zinsen bezahlt werden müssen. Zum anderen spricht die derzeitige Entwicklung auf dem Immobiliemarkt nicht dafür, dass eine Wertsteigerung zu erwarten ist. Eher wird Boden im ländlichen Raum billiger.

Unklar ist auch, warum der Kaufpreis bei 78000 Euro liegt. Diese Summe erscheint ungewöhnlich hoch. Die Nachfrage sei gestattet, warum das so ist.

Eine Kaufoption zu vereinbaren ist angemessen. 78000 Euro an Steuergeldern auszugeben, um hinterher ein Areal zu haben, das man nicht braucht, ist es nicht. Es ist an der Politik, ihre Aufsichtsfunktion wahrzunehmen und diese Idee zu kippen.Tore Harmening

Grundstückserwerb für Krippe in Eversen

Kauf auf Verdacht bei klammem Haushalt geht nicht

Von Tore Harmening