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Bergen Stadt Überlebenskampf von 18-Jähriger dauerte lange
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Überlebenskampf von 18-Jähriger dauerte lange
16:50 08.02.2019
Michael G. soll seine 18-jährige Freundin in Bergen getötet haben. Quelle: Philipp Schulze
Bergen

Die Details, die in Saal 121 des Landgerichts Lüneburg die Öffentlichkeit erreichten, machten selbst routinierte Verfahrensbeteiligte fassungslos. Die Justizwachtmeister vergruben sich tief in die Uniformjacke und vermieden den Blickkontakt zu den Anwesenden. Die Sätze waren kaum zu ertragen. "Es gibt Anzeichen, dass sich das Opfer wehrte", sagte der 64-jährige Rechtsmediziner Dr. Detlef Günther von der Medizinischen Hochschule in Hannover. Der Prozess um die 18-jährige Hermannsburgerin, die in der Nacht zum 20. März in Bergen grausam getötet wurde, hat sich am vierten und fünften Verhandlungstag zu einem quälenden Martyrium entwickelt. Ihrem Freund, Michael G., wird vorgeworfen, sie im Vollrausch getötet zu haben.

Opfer hat sich gewehrt

"Das war kein Routinefall", sagte der Mediziner. Das Mädchen habe diverse Verletzungen am Körper erlitten. Die Todesursache sei durch mehrfache stumpfe und scharfe Gewalteinwirkung entstanden. Dass sich die 18-Jährige gewehrt hatte, begründete der Arzt mit massiven Schnitten an den Händen. Am Hinterkopf der jungen Frau fand sich eine vier Zentimeter lange Verletzung.

59 Schnitt- und Stichverletzungen

Anschließend zertrümmerten massive Schläge das Nasenbein nahezu komplett. „Wir sahen nackte Knochen“, dieser Satz fiel am Donnerstagnachmittag mehrfach. Der Vorsitzende unterbrach die Sitzung für eine kurze Erholung. Die schlimmsten Szenen der Autopsie standen noch bevor. „Die Wirbelsäule war komplett durchgeschnitten, das Halsgewebe nahezu komplett durchgetrennt“, resümierte der Leiter der Rechtsmedizin und holte nach einem tiefen Luftzug zum letzten Satz aus: "Zusammenfassend fanden sich 59 Schnitt- und Stichverletzungen am Körper, da wurde mit großer Dynamik herumgefuhrwerkt."

Überlebenskampf dauerte zehn bis zwanzig Minuten

Den Vorsitzenden Richter Thomas Wolter und seine Beisitzer interessierte besonders eine Frage: Wann starb die Schülerin? Günther vermutete den frühen Abend, so um 20 Uhr, machte aber klar: „Eine gerichtsverwertbare Rückrechnung ist nicht möglich.“ Die zahlreichen Läsionen brachte Michael G. seinem Opfer in rascher Abfolge bei. „Das dauerte wohl nur wenige Sekunden.“ Etwas mehr Klarheit gab es über den Leidensweg der Gymnasiastin. "Anhand einer sogenannter Feingewebeuntersuchung konnten wir feststellen, dass der Überlebenskampf zwischen zehn und zwanzig Minuten dauerte.“

Geld mit Drogenhandel verdient

Neben dem Opfer hatte der 17 Jahre alte Bruder einen intensiven Umgang mit dem Tatverdächtigen. Doch der Kumpel enttäuschte mit der Zeit. „Er kam bei Verabredungen immer zu spät, er manipulierte sein Umfeld.“ Der 22 Jahre alte Beschuldigte leistete sich eine Reihe von Luxusgütern. 2000 Euro für einen neuen Computer, 1000 Euro für Möbel, eine Kette mit Diamanten und einen Armreif für die Freundin. Nichts Ungewöhnliches. „Er verdiente das alles mit Drogenhandel und Internetbetrug“, berichtete der Teenager.

"Michael G. hat eine Kultur der Angst verbreitet"

Der Schulleiter des Hermannsburger Christian-Gymnasiums unterrichte G. zwischen 2014 und 2015. "Er war ein normaler Schüler." Das Bild änderte sich, als Klassenkameraden sich einem Lehrer anvertrauten und berichteten, dass dem Angeklagten während des Biologieunterrichts ein Marihuana-Tütchen aus der Hose gefallen war. Die Klassenkameraden verzichteten darauf, weitere Details mitzuteilen. „Michael hat eine Kultur der Angst verbreitet, sogar die Polizei war machtlos.“ Nach vielen Jahren des Schweigens offenbarte eine 16-Jährige aus Eversen im Landgericht von einer Freundin gehört zu haben, dass der Beschuldigte nicht nur Drogen konsumierte, sondern auch Verkäufe organisierte, unter anderem von Kokain.

"Ich wusste nicht, wo ich war, uns ging es beiden schlecht. Plötzlich habe ich Blut an mir festgestellt“, führte G. aus. "Das sind nur Bruchstücke. Ich hatte Angst vor etwas." Diese Aussage will die Kammer unter die Lupe nehmen. Am Dienstag geht die Hauptverhandlung in die sechste Runde, dann wird ein Toxikologe über die Wirkung von LSD berichten.

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