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Bergen Stadt Landbäckerei Celle pleite
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Landbäckerei Celle pleite
14:25 13.06.2010
steht im Regen: das Hermannsburger Haus des Café Engelke wurde nie recht angenommen Quelle: Udo Genth
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Im vergangen Jahr hatte es noch gut ausgesehen. „Wir schreiben schwarze Zahlen“, berichtete stolz der Geschäftsführer Justus Lüder im Juli 2008. Zwei Millionen Euro wurden investiert, um das Unternehmen zu modernisieren. „Man hat sich aber offenbar bei den daraus resultierende Umsätze verschätzt“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Oliver Liersch. Die Billigketten und hohe Treibstoffkosten haben die Erträge gedrosselt. Am Dienstag hat das Unternehmen deshalb den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Celle eingereicht.

Liersch hat jetzt bereits erste Gespräche in den Unternehmen geführt und ist zuversichtlich, dass Unternehmen auch diesmal gerettet werden kann. Bis zum 31. August werden die Löhne und Gehälter von der Bundesagentur übernommen, der Geschäftsbetrieb soll normal weiter weiterlaufen, so dass der Anwalt aus Hannover Luft hat, um nach einem tragfähigen Konzept zu suchen.

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„Es wird alles auf den Prüfstand kommen“, sagte Liersch. Das könne auch Filialschließungen bedeuten. Generell ist der Insolvenzverwalter aber optimistisch, dass er eine Lösung finden wird, bei der wenige oder gar keine Jobs abgebaut werden müssen.

Das hofft auch der Betriebsrat. „In der Belegschaft ist die Stimmung zwar gedrückt, aber alle sind hochmotiviert“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Willi Staszko. Die Mitarbeiter haben nach seinen Worten schon seit dem ersten Insolvenzverfahren auf zehn Prozent ihres Lohnes verzichtet, um zu einer Stabilisierung beizutragen. Jetzt sieht der Betriebsratsvorsitzende auch andere in der Pflicht. „Ich persönlich denke, dass man auch mal über die Verträge für einzelne Filialen nachdenken sollte“, sagte Staszko. Seiner Meinung nach müsse man da nachverhandeln, weil die Mieten zu hoch seien.

Liersch wollte sich noch nicht konkret dazu äußern. Er ließ auch offen, ob es mit dem bisherigen Konsortium aus Hildesheim weiter geht oder ob ein Verkauf ansteht. Er will sich das Unternehmen zunächst näher anschauen und rechnet Mitte August mit ersten Ergebnissen.

Bereits die dritte Insolvenz in sechs Jahren

Die Belegschaft der Bäckerei Celler Land hat schon einiges mitgemacht. Bei der jetzt anstehenden Insolvenz handelt es sich um Neustart Nummer Drei. 2003 war das Unternehmen, damals noch die Bäckerei Obenauf, das erste Mal pleite gegangen. Die niedersächsische Bürgschaftsbank, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und Volksbank Celler Land (heute aufgegangen in der Volksbank Südheide) schnürten ein erstes Rettungskonzept.

Von da an folgte ein Wechselbad der Gefühle. Einige Zeit hieß es, alles laufe wieder prächtig, doch dann häuften sich die Rückschläge und es kam zu Entlassungen. 2006 gab es dann die zweite Insolvenz. Ein Unternehmenskonsortium aus Hildesheim übernahm den wirtschaftlich angeschlagenen Traditionsbetrieb und führte ihn unter dem Namen „Celler Landbäckerei Café Engelke“ weiter.

Bis jetzt. Wie es weiter geht, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Die Celler Landbäckerei verfügt nach Auskunft des Insolvenzverwalters über 26 Filialen im Landkreis Celle, in Soltau-Fallingbostel sowie in der Region Hannover. In der Produktion in Bergen arbeiten etwa 50 Mitarbeiter, weitere 130 Mitarbeiter sind in den Filialen beschäftigt.

Von Tore Harmening