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Bergen Stadt Weiteres Verfahren gegen Michael G. aus Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Weiteres Verfahren gegen Michael G. aus Bergen
16:42 16.08.2019
Von Simon Ziegler
In diesem Haus in Bergen wurde die 18-jährige Cora im März 2018 erstochen. Quelle: Christian Link
Bergen

Nach dem vielbeachteten Interview der Eltern der getöteten Cora aus Hermannsburg hat sich die Celler Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen geäußert. „Den Vorwurf des Nebenklägers, die Staatsanwaltschaft habe sich im Prozess zu passiv verhalten, möchte ich nicht kommentieren, zumal das Verfahren noch schwebt. Ich habe aber großes Verständnis dafür, dass der Vater das Strafverfahren intensiv begleitet und kritisch hinterfragt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Lars Janßen.

Handys der Brüder nicht ausgewertet

Er bestätigte die Behauptung des Vaters, dass Handys von Brüdern des Täters nicht ausgewertet wurden. „In einem Ermittlungsverfahren, das nicht im Zusammenhang mit dem Fall der getöteten Cora steht, wurden am 28. November 2018 zwei Mobilfunktelefone zweier Brüder von Michael G. sichergestellt. Die beiden Mobiltelefone wurden nicht ausgewertet, weil ein Auslesen der Geräte mit den vorhandenen Möglichkeiten der Polizei nicht erfolgen konnte“, so Janßen.

Vater zweifelte LSD-Version an

Mit dem Verweis auf die Telefone hatte der Vater des Opfers die LSD-Version angezweifelt. Er glaubt, dass Michael nicht im Rausch, sondern aus Eifersucht getötet hat. Würden die Ermittler Nachrichten von Michael G. aus der Tatnacht auf den Handys der Brüder finden, könnte diese Version gestützt werden, so seine Hoffnung.

Die geringe Strafe des Täters bewegt die Öffentlichkeit. Quelle: Christian Link

Aus der Auswertung von Coras Mobiltelefon ist lediglich bekannt, dass mutmaßlich einer von Michaels Brüdern in der Tatnacht um 1.43 Uhr eine Nachricht über WhatsApp mit dem Inhalt „Cora“ an sie verschickt hat. Ein anderer Bruder soll um 1.34 Uhr ebenfalls eine WhatsApp-Nachricht an sie versendet haben. Der Inhalt ist nicht bekannt. Die Nachricht wurde vom Absender gelöscht.

Telefone in anderem Verfahren beschlagnahmt

Der Oberstaatsanwalt verweist darauf, dass die Handys der Brüder erst nach der Anklageerhebung beschlagnahmt wurden. Sie konnten somit im Ermittlungsverfahren keine Rolle spielen. „Im Rahmen der Hauptverhandlung ist zudem mit einem Sachverständigen die Frage der Telefone und die Kommunikation in der Tatnacht erörtert worden. Man ist offenbar nicht zu dem Schluss gekommen, dass diese Sache weiterverfolgt werden müsste“, sagte Janßen. Es wäre nach seinen Worten möglich gewesen, dass das Gericht von sich aus oder auf einen Antrag eines Prozessbeteiligten weitere Untersuchungen angefordert hätte. Klar ist: Fachfirmen können oftmals Handys auswerten, auch wenn beispielsweise die PIN nicht bekannt ist.

Was entscheidet der Bundesgerichtshof?

Nach dem Revisionsverfahren in Karlsruhe könnte die Frage der Mobiltelefone allerdings nochmal auf den Tisch kommen. Sollte der Bundesgerichtshof zu der Überzeugung gelangen, das Lüneburger Urteil sei fehlerhaft, könnte es den Prozess zur erneuten Verhandlung zurückschicken. Dann könnte eben eine Möglichkeit sein, dass sich Experten die Mobiltelefone genauer ansehen als das bisher der Fall war.

Die Verteidigerin des Angeklagten. Quelle: Philipp Schulze

Betrugsvorwürfe gegen Michael G.

In dem erwähnten anderen Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt zehn Beschuldigte wegen des Verdachts des Betruges – darunter zwei Brüder des Angeklagten sowie gegen diesen selbst. "Den Beschuldigten wird vorgeworfen, von 2016 bis April 2018 in einer Vielzahl von Fällen auf einem Dating-Onlineportal Scheinprofile erstellt zu haben, mit denen sie Interessenten Treffen und Liebesdienste gegen Bezahlung angeboten haben sollen", gab Janßen bekannt. Dabei sollen sie von Beginn an nicht vorgehabt haben, die angepriesenen Leistungen zu erbringen. Nach eingegangener Bezahlung von den Interessenten sollen sie den Kontakt abgebrochen und das Geld somit ohne Gegenleistung vereinnahmt haben. Es wird derzeit von einem Schaden in fünfstelliger Höhe ausgegangen, so die Staatsanwaltschaft.

Verteidigung will Verkürzung der Strafe

Unterdessen hat Louisa Krämer, die Verteidigerin des Täters, gegenüber der CZ erklärt, warum sie gegen das Urteil Revision eingelegt hat. Der Täter war wegen Vollrausches und nicht wegen Mordes oder Totschlags zu vier Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Das milde Urteil ist in der Öffentlichkeit äußerst umstritten. "Herr G. wurde gerade nicht wegen eines Tötungsdeliktes verurteilt, sondern wegen Vollrausches. Die im Rausch begangene Tat kann dem Angeklagten nicht vorgeworfen werden. Nur dass er sich in einen Rausch versetzt hat, ist unter Strafe gestellt. Das Gesetz sieht hierfür eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor", sagte Krämer. Das Landgericht Lüneburg habe in seinem Urteil im Februar 2019 nahezu die höchstmögliche Strafe verhängt. "Ob dies angemessen ist, wird vom Bundesgerichtshof zu entscheiden sein", so Krämer. Das bedeutet wohl im Klartext: Sie strebt eine Verringerung der Strafe an.

Die Polizei Hannover hat unter anderem auch in Bergen Hausdurchsuchungen durchgeführt. Sie fanden im Rahmen einer Ermittlung wegen Betrugs statt.

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