Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Bergen Stadt Seelen-Striptease im Kampf um den Top-Job
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Seelen-Striptease im Kampf um den Top-Job
14:22 13.06.2010
Schauspiel Die Grönholm-Methode Quelle: nicht zugewiesen
Anzeige
Bergen Stadt

Zwar gab es vereinzelt Lacher und einmal sogar Szenenbeifall, als ein vermeintlicher Bischof die Kirche als „pervers“ titulierte, aber lustig war das alles nicht. Dennoch waren alle drei Elemente, so unterschiedlich sie auch gewichtet erschienen, sehr am Gelingen des Abends beteiligt. Im Mittelpunkt standen jedoch die vier Darsteller, die sich als tragend für das Schauspiel erwiesen. Claudia Buser, Carsten Klemm, Klaus Nierhoff und Luc Feit brillierten geradezu in ihren Rollen. Es schmälert die überaus bemerkenswerte Leistung seiner Kollegen in keiner Weise, wenn sich dabei Luc Feit einen schauspielerischen Vorteil verschaffte, der teilweise auf seiner Rolle beruhte.

Der Inhalt ist schnell erzählt: vier Personen – eine Frau und drei Männer – bewerben sich um einen gut dotierten Manager-Posten. Sie müssen sich allerlei Prüfungen unterziehen, die immer aberwitziger werden. Man möge doch bitte nicht die Pointe verraten, wurden die Zuschauer im Programmheft gebeten. Sie ist originell, aber kaum so überraschend, wie suggeriert wurde. Letztlich geht es darum, was ein Mensch alles mit sich machen lässt, auf welchen seelischen Striptease er eingeht und wie viel er von seiner Würde zu opfern bereit ist, um an Geld und Macht zu gelangen. Während Shakespeare seinen Macbeth noch erkennen lässt: „Macht ist ein blutiges Geschäft“, sind in unserer Zeit die Mittel subtiler, aber nicht weniger brutal. Das will der Autor zeigen und stößt damit weit zum Kern der heutigen Arbeitswelt vor.

Anzeige

Das Stück hat zwei Akte, die Dekoration ist sachlich-nüchtern und wechselt nicht. So können die Schauspieler ganz ihr mimisches Können entfalten, die Charaktere der von ihnen darzustellenden Personen nachgerade auffächern. Die vier Akteure störten sich keineswegs am dünn besetzten Saal. Der Kulturkreis Bergen als Veranstalter teilte mit, dass viel zu wenig für diesen hochkarätige Theaterabend, nämlich lediglich gut 100 Zuschauer, den Weg in das Stadthaus gefunden hätten. Die bedankten sich für die großartige Aufführung mit lang anhaltendem Klatschen, in das sich einige Bravo-Rufe mischten – völlig zu Recht.

Von Udo Genth