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Bergen Stadt Zweiter Prozess um Berger Bluttat begonnen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Zweiter Prozess um Berger Bluttat begonnen
17:35 24.01.2019
Von Christoph Zimmer
Lüneburg

Für die Angehörigen muss es eine Zumutung gewesen sein. Regungslos und teilweise mit zugehaltenen Ohren verfolgten der Vater, der Bruder und die Schwester der im März 2018 in Bergen brutal getöteten 18 Jahre alten Hermannsburgerin als Nebenkläger die erneute Verlesung der Anklageschrift des Staatsanwaltes mit den erschütternden Details aus der Tatnacht. „Für die Familie ist diese Situation natürlich eine besondere Belastung“, sagte Rechtsanwältin Ute Rettel aus Celle, die den Vater des Opfers vertritt, am Rande des Verfahrens. Vor dem Landgericht in Lüneburg begann gestern zum zweiten Mal der Prozess um den Gewalttod der jungen Frau. Angeklagt ist der heute 22 Jahre alte Michael G. aus Bergen. Ihm wird vorgeworfen, am Abend des 20. März 2018 zunächst gemeinsam mit seiner Partnerin LSD konsumiert zu haben. Dabei soll er laut Anklage in einen akut psychotischen Zustand geraten sein, mehrfach mit mindestens einem Messer auf seine Freundin eingestochen und sie getötet haben. Weil er bereits in der Vergangenheit regelmäßig Drogen genommen hatte, hätte er die Folgen absehen müssen, sagte der Staatsanwalt.

„Ich kann mich an nichts erinnern"

In der zu Prozessbeginn erneut verlesenen Erklärung berief er sich weiterhin auf einen Filmriss. „Ich kann mich an nichts erinnern. Ich weiß nur, dass ich die Drogen niemals genommen hätte, wenn ich gewusst hätte, dass es zu so einer Tragödie kommen kann“, sagte er unter Tränen. Die Erinnerungen setzten erst lange nach der Einnahme der Drogen wieder ein. Er entdeckte seine Freundin schließlich im Erdgeschoss in der Badewanne in eine Decke gewickelt.

Vater des Opfers sagt aus

Wie sehr den Vater das Verbrechen quält, merkte man an den Fragen, die er dem Angeklagten stellte und mit denen er sich eine Erklärung für das Unerklärliche erhofft. In seiner Aussage wenig später berichtet er von der Beziehung seiner Tochter mit dem Angeklagten. Er sprach von Eifersucht, Kontrollzwang, Beleidigungen des Angeklagten und einem Streit kurz vor der Tat. „Die Eifersucht von Michael hat eine extreme Form angenommen“, sagte er. „Meine Tochter hat ihn geliebt. Sie war immer um eine harmonische Beziehung bemüht und hat alles versucht.“

Angeklagt ist G. wegen vorsätzlichen Vollrauschs in Tateinheit mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Weil nicht auszuschließen sei, dass er schuldunfähig war, sei er für den Tod der Frau nicht zu bestrafen, sagte der Staatsanwalt. Er wirft ihm vor, sich vorsätzlich in einen Rausch versetzt und in diesem Zustand einen Totschlag begangen zu haben. Ihm drohen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren.

Debatte um Vollrauschparagraf entbrannt

Um den sogenannten Vollrauschparagrafen ist unterdessen eine breite Debatte entbrannt. Jüngst hat sich der sächsische Justizminister Sebastian Gemkow dafür ausgesprochen, Rauschtaten in Zukunft härter zu bestrafen als bisher. Er regte dazu einen entsprechenden Gesetzentwurf an, wonach Menschen, die sich gezielt in einen Rauschzustand versetzen und anderen Menschen einen Schaden zufügen, genauso bestraft werden sollen wie Täter, die nüchtern sind.

Rettel hält den Vorstoß nicht nur mit Blick auf das laufende Verfahren für richtig. „Es ist gut, wenn über diesen Paragrafen diskutiert wird“, sagte die Strafrechtlerin am Rande des Prozessauftakts. „Man muss genau prüfen, ob eine Differenzierung sinnvoll ist, etwa nach der Schwere der Tat oder nach der Substanz, die zu dem Rausch geführt hat, zum Beispiel ob sie legal oder illegal erworben wurde.“ Nicht nur ihrem Mandanten, dem Vater des getöteten Mädchens, sei dieser Paragraf schwer zu vermitteln. „Auch wenn es bestehendes Recht ist, was angeklagt wird, ist es für die Angehörigen eigentlich unbegreiflich.“

Im Juli 2018 hat der Bundesrat in Berlin den ersten Anlauf zur Verschärfung von Rauschtaten blockiert. Weil es sich bei einer Vielzahl der Rauschtaten um Gewaltdelikte mit weitreichenden Folgen handelt, will Gemkow im Interesse der Opfer und deren Angehörigen weiterkämpfen.

Richter krank: Erstes Verfahren geplatzt

Das bereits im Oktober eröffnete Verfahren war wegen der Erkrankung eines Richters geplatzt und musste neu begonnen werden. Wenn ein Verfahren länger als drei Wochen unterbrochen werden muss, ist mit der Hauptverhandlung laut Strafprozessordnung neu zu beginnen. „Für die Familie wäre es wünschenswert, wenn der Prozess schnell beendet wird“, sagte Rettel. Es sind zunächst acht weitere Verhandlungstage angesetzt.

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