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Bergen Stadt Angeklagter schwer belastet
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Angeklagter schwer belastet
19:43 01.02.2019
Der wegen Vollrauschs in Tateinheit mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz Angeklagte Michael G. sitzt neben seinen Anwälten Louisa Krämer und Hans Holtermann. Quelle: Philipp Schulze
Lüneburg

"Es ging ihr nicht gut", sagte die medizinische Fachangestellte am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Lüneburg unter Tränen. Demnach musste sie ihm immer Fotos mit allen anderen anwesenden Personen schicken, wenn sie mit Freunden feierte oder für Klausuren lernte, "um sich die Liebe zu verdienen". Die beiden Frauen wuchsen gemeinsam auf und besuchten viele Jahre die gleiche Schule.

Freund rastet nach Party komplett aus

Nach einer Party in Celle sei der extrem eifersüchtige Angeklagte komplett ausgerastet, sagte die Frau. Er habe seiner Freundin unterstellt, Anfang 2018 einem anderen Mann nähergekommen zu sein, erklärte sie mit Blick auf die heftige Auseinandersetzung. In der größten Not und Verzweiflung habe die Gymnasiastin jeden einzelnen Partygast abtelefoniert, um zu fragen, ob und wenn ja mit wem es zu einem Austausch von Zärtlichkeiten gekommen sein könnte. Am Ende habe sie selbst geglaubt, dass da etwas gewesen sein könnte. „Ich habe ihm nicht vertraut“, sagte die Frau und blickt zum Angeklagten. G. fixierte sie mit Blicken, seine rechte Hand zuckte, anschließend wandte er sich hilfesuchend an die neben ihm sitzende Verteidigerin.

Paar betrügt Männer im Internet

Um nichts zu vergessen, lagen mehrere beschriebene Seiten vor der Zeugin auf dem Tisch. Laut ihrer Aussage gaben sich G. und seine Freundin im Internet als Studenten aus und chatteten auf einer Datingseite mit anderen Männern. Kunden hätten für die erhofften Dienstleistungen 400 Euro über einen Bezahldienst überwiesen und nie wieder etwas von den beiden gehört. „Ich muss sagen, dass er immer viel Geld besaß. Keine Ahnung, wo das alles herkam. Seiner Mutter spendierte er einmal eine Reise nach Paris“, sagte die beste Freundin des Opfers.

In diesem Einfamilienhaus am Stadtrand von Bergen ereignete sich die blutige Tat.  Quelle: Christian Link

Angeklagter Michael G. äußert sich nicht

Thomas Wolter, der Vorsitzende Richter, nahm anschließend Kontakt mit dem Beschuldigten auf, der sich wegen vorsätzlichen Vollrausches in Tateinheit mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten muss, um Hintergründe zu den Internetgeschäften zu bekommen. „Dazu sage ich nichts“, sprach G. leise ins Mikrofon.

Ex-Freundin berichtet von Streit und Gewalt

Eine frühere Freundin sprach von einer "sehr streitlastigen“ Beziehung mit dem Angeklagten. Streitereien drehten sich um Kleinigkeiten, sagte die 24 Jahre alte Frau aus Braunschweig mit Blick auf die dreijährige Beziehung. G. sei großspurig gewesen und zeigte mit der Zeit unerklärliche Verhaltensänderungen. „Michael packte mich einmal am Hals. Ich konnte mich befreien und im Badezimmer einschließen“, sagte sie. Danach gingen beide getrennte Wege.

Therapeutin des Opfers vermutet Abhängigkeit

Der Vater der Getöteten bat nach der Mittagspause ums Wort. Er habe kürzlich einen Brief seiner Tochter gefunden, den sie an Weihnachten 2017 an den Angeklagten verfasste. Richter Wolter nahm das Schriftstück an sich und las daraus vor. „Ich möchte mich nicht schlampig verhalten und schäme mich dafür. Fühle mich bei dir geborgen und vor der Welt sicher. Ich suche mir einen Psychologen, um zu erfahren, was mit mir los ist“, stand in dem Brief. Wenig später, zwischen dem 21. Februar und 9. März 2018, ließ sie sich insgesamt dreimal in Celle behandeln, wie die Therapeutin bestätigte. „Ich vermutete eine Art Abhängigkeit bei ihr. Sie stellte keine kritischen Fragen. Das ist alles sehr ungewöhnlich, dass ein Mann so mit seiner Partnerin umgeht", sagte die 60 Jahre alte Medizinerin. "In der Form habe ich das noch nie erlebt.“ Eine konkrete Diagnose konnte sie nicht stellen. Am Abend des 20. März 2018 wurde die junge Frau getötet.

Mit einem Großaufgebot sicherte die Polizei die Spuren am Tatort.  Quelle: Christian Link

Vor der Tat gemeinsam LSD konsumiert

Weil er im Vollrausch seine Freundin getötet haben soll, muss sich seit Donnerstag ein 22-Jähriger vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Der Angeklagte berief sich zu Prozessbeginn auf eine Erinnerungslücke, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Er habe mit der 18-Jährigen LSD konsumiert, dann sei er verletzt in einem Sessel zu sich gekommen.

Angeklagtem droht maximal fünfjährige Haftstrafe

Die junge Frau war im März vergangenen Jahres in Bergen im Elternhaus des jungen Mannes getötet worden. Laut Anklage soll der 22-Jährige im LSD-Rausch in einen psychotischen Zustand geraten sein und dann mehrfach zugestochen haben. Angeklagt ist er nur wegen Vollrauschs in Tateinheit mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Damit droht ihm eine maximal fünfjährige Haftstrafe, auch wenn er wegen des Rausches schuldunfähig gewesen sein sollte und für den Tod der Freundin selbst nicht bestraft werden kann.

Der wegen Vollrauschs in Tateinheit mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz Angeklagte Michael G. im Gespräch mit seiner Anwältin Louisa Krämer. Quelle: Philipp Schulze

Prozess musste neu starten

Der aus Usbekistan stammende Angeklagte war zunächst zu seiner nach Russland gereisten Familie geflohen. Nachdem er seine Rückkehr angekündigt hatte, wurde er an der polnisch-russischen Grenze festgenommen. Der Prozess beginnt von vorn, nachdem das Verfahren im November wegen der Erkrankung eines Richters ausgesetzt werden musste. Bis zum 27. Februar sind insgesamt neun Termine angesetzt.

Von Benjamin Reimers

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