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Bergen Stadt Unterschriftenaktion für Kinderärztin in Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Unterschriftenaktion für Kinderärztin in Bergen
13:58 13.06.2010
Nadine Friedrichs und Freundin sammeln Unterschriften für Kinder Quelle: Peter Müller
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Bergen Stadt

Zunächst weiter ohne eine eigene Kinderarztpraxis muss Bergen auskommen. Eigentlich hatte die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen der Medizinerin Nicole Rüdiger eine Sonderbedarfszulassung ausgestellt und damit den Weg für eine Praxis frei gemacht. Mehrere Ärzte haben gegen die Sonderzulassung Widerspruch eingelegt. Der lässt nun die Praxiseinrichtung ins Stocken geraten.

Das Problem: Sobald eine Sonderbedarfszulassung ausgestellt werden soll, werden umliegende Ärzte um ihr Votum gebeten. Schon damals hatten sich verschiedene Mediziner gegen die Praxis von Dr. Rüdiger in Bergen ausgesprochen, wurden aber von der Kassenärztlichen Vereinigung überstimmt.

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„Dieses Votum der Vereinigung ermöglicht nun den Ärzten ihren Widerspruch, der am 3. Februar in Hannover vor dem Widerspruchsausschuss verhandelt wird“, erklärt Rüdiger. Wenn dort wieder eine Entscheidung zugunsten der Praxis gefällt wird, bliebe den Gegnern noch der Gang vor das Sozialgericht, was die Eröffnung abermals langfristig verzögern würde. Die Ärztin will sich allerdings nicht von ihren Plänen abbringen lassen. Rüdiger: „Ich bin weiterhin fest entschlossen, die Praxis zu eröffnen.“

Rainer Prokop kann über den Widerspruch nur den Kopf schütteln. „Es ist wirklich ein Drama“, so Bergens Bürgermeister. „Ich bin seit 30 Jahren bei der Stadt und so lange bemühen wir uns nun auch schon, eine Kinderarztpraxis hierher zu bekommen.“ Er finde es bedauerlich, dass andere Kinderärzte, deren Existenz nach seinem Dafürhalten nicht durch die neue Praxis bedroht wäre „massive wirtschaftliche Interessen über das Wohl der Kinder stellen. Das ist ein Thema, das bei den jungen Familien langsam hochkocht, weil da jegliches Verständnis fehlt.“ Die Stadt Bergen könne allenfalls moderieren, hat aber keinen weiteren Einfluss auf das Verfahren der Kassenärztlichen Vereinigung.

Einen ganz pragmatischen Weg haben unterdessen Nadine Friedrichs und Janine Sonnenberg beschritten. Die beiden Bergenerinnen haben eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. „In ganz Bergen liegen die Listen aus“, sagt Friedrichs. „Jeder meckert und wir haben uns überlegt, was wir tun können. Wir sind nun sogar schon dabei, die Listen auch in umliegenden Ortschaften zu verteilen.“ Bis Ende Januar haben Unterstützer der Kinderarztpraxis Zeit, sich in die Listen einzutragen. Friedrichs: „Dann holen wir die ab und schicken sie rechtzeitig für den Widerspruchsausschuss nach Hannover.“

Die CDU-Ratsfraktion hat sich ebenfalls in einer Mitteilung für die Arztpraxis ausgesprochen und bittet Bergens Bürger, die Unterschriftenaktion zu unterstützen. „Die Stadt Bergen weist eine hervorragende Kinder- und Jugendarbeit vor. Zum Wohle der kleinsten Mitbürger würde eine Facharztpraxis dieser Art die Arbeit und das Angebot in Bergen stärken“, heißt es in dem Papier.

Von Björn Schlüter