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Lohheide „Man kann es nicht fassen“
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide „Man kann es nicht fassen“
06:00 11.04.2019
Von Jürgen Poestges
Kultusminister Grant Hendrik Tonne besuchte als Schirmherr das Jugendworkcamp. Quelle: David Borghoff
Lohheide

Für Ori ist es eine Reise in die Vergangenheit seiner Familie. „Es ist erschütternd, hier an diesem Ort zu sein, an dem so viel Schlimmes passiert ist“, sagt der 17-jährige Schüler aus Israel. „In meiner Familie hat es auch Opfer des Holocaust gegeben.“ Sein Lehrer Nadav geht noch einen Schritt weiter: „Es ist für mich wie ein Besuch in der Hölle. Ich glaube, wenn hier in Bergen-Belsen noch alle Gebäude stehen würden, könnte ich keinen Fuß hineinsetzen.“ Es sei für ihn nicht leicht, über das Gelände zu gehen. „Aber ich behalte meine Gedanken für mich und versuche, die Schüler zu untertstützen.“

Schüler aus zehn Nationen

Ori ist einer von 45 Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 22, die derzeit am 25. Internationalen Jugendworkcamp in Bergen-Belsen teilnehmen. Schüler aus zehn Nationen von Israel über Südafrika bis Weißrußland sind noch bis zum 18. April im Landkreis Celle.

Die zweite Woche bestimmen Workshops

„In der ersten Woche liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit hier vor Ort in der Gedenkstätte“, sagt Gesa Lonnemann, Jugendbildungsreferentin an der Jugendbildungsstätte „Anne-Frank-Haus“ in Oldau. „In der zweiten Woche wird in Workshops gearbeitet, zu den verschiedensten Themen“, ergänzt ihr Kollege Jonas Nachtigall. „Durch die lange Zeit, die wir zusammen sind, können wir auch sehr intensiv arbeiten.“ Dabei komme dem Leitungsteam zugute, dass die Jugendlichen sich freiwillig zu dem Camp angemeldet haben. „Sie wissen ja schon, um was es geht.“

Der 16-jährige Bart aus den Niederlanden ist vor allen Dingen begeistert von der Vielfalt der Teilnehmer. „Ich finde, das ist ein tolle Sache. Jugendliche aus so vielen Nationen treffen sich hier, um sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass so etwas nicht wieder passieren kann.“ Er selber sei nach dem ersten Tag in der Gedenkstätte erschüttert. „Man hört die Geschichten, steht vor den Gräbern. Aber man kann es nicht wirklich fassen, was hier Schreckliches passiert ist.“

Südafrikanerin Alia: Finde es spannend

Für die 22-jährige Südafrikanerin Alia ist es das erste Mal, dass sie sich mit dem Nationalsozialismus näher beschäftigt. „Bei uns zu Hause wird das Thema nicht so intensiv behandelt. Ich finde es sehr spannend, dass wir uns hier mit Jugendlichen aus der ganzen Welt austauschen können.“

Am Grab von Anne Frank

Gemein war ihnen allen aber die Betroffenheit als sie vor dem Grab von Margot und Anne Frank standen und sich die Geschichte der beiden Mädchen anhörten. Im übrigen auf englisch. „Wir versuchen, das Camp zweisprachig zu halten“, sagt Lonnemann. „Meistens reden wir deutsch, weil viele Schüler aus den verschiedenen Ländern Deutsch auch als erste Fremdsprache haben. Und bei Bedarf wird ins englische übersetzt.“

Kultusminister Tonne zu Gast

Für gestern Mittag hatte sich ein besonderer Gast angekündigt. Kultusminister Grant Hendrik Tonne begrüßte als Schirmherr des Jugendworkcamps die Teilnehmer und die Delegationen aus den verschiedenen Ländern. „Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus durch Sie alle ist verbunden mit einem Blick auf die Gegenwart und die Zukunft“, sagte er. „Wir müssen lernen, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Sie ist zerbrechlich. Und wir alle müssen uns jeden Tag für sie einsetzen. Wohin die Ideologien der Ungleichheit führen, können wir derzeit in einigen Ländern sehen.“ Das Internationale Jugendworkcamp sei deshalb auch ein Signal.

Im Rahmen des Camps werden die Jugendlichen mit Keith Stuart sprechen. Er ist ehemaliger britischer Soldat, der 1945 in Celle war. Er war zwar bei der Befreiung des Lagers direkt nicht dabei, kann aber trotzdem vieles aus der Zeit erzählen. In der nächsten Woche ist Yvonne Koch zu Gast, eine Überlebende des KZ Bergen-Belsen.

"Lebendige Bibliothek" beliebt

Ganz besonders beliebt ist bei den Jugendlichen nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre die „Lebendige Bibliothek“. Dazu werden Menschen eingeladen, die sich in den verschiedensten Organisationen ehrenamtlich engagieren. „Und die Jugendlichen können sie sich „ausleihen“und sie befragen“, erklärt Nachtigall.

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