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Lohheide An der Rampe begann und endete das Leiden
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide An der Rampe begann und endete das Leiden
15:00 13.06.2010
Elke von Meding erinnerte an die 70000 umgekommene Lagerinsassen Quelle: Udo Genth
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Lohheide

Vor dem Original-Güterwagen der Deutschen Reichsbahn, der den Mittelpunkt der Erinnerungsstätte an der Rampe bildet, trafen Überlebende und ihre Angehörige mit vielen Menschen der hiesigen Region zusammen. Elke von Meding, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen, erinnerte in ihrer kurzen Ansprache zur Einführung an die 70000 Menschen, für die diese Eisenbahn-Verladerampe die Endstation ihres Lebens bedeutete. Zudem wurden hier noch kurz vor der Befreiung des Lagers rund 2000 Lagerinsassen von der SS in drei Züge gepfercht und auf eine Reise ins Ungewisse geschickt. Unterwegs wurden die unfreiwilligen Passagiere der ersten beiden Züge befreit, aber erst am 23. April kam der inzwischen als verschwunden geltende dritte Transport zum Halt. Sowjetische Soldaten befreiten die Überlebenden in dem kleinen Örtchen Tröbitz im südlichen Brandenburg.

Ariel Korets, einer der Insassen, berichtete vom Schicksal des als „Lost Transport“ in die Geschichte eingegangenen dritten Zuges. In bewegenden Worten und hörbar stark von den damaligen Ereignissen berührt, erzählte er schnörkellos in deutscher Sprache, dass unterwegs an die 140 Personen ihr Leben verloren und auch in Tröbitz noch viele Menschen gestorben sind. „Diese Rampe, diese Geleise sind die einzigen wahren Zeugen, die vom Leiden künden“, schloss Ariel Korets seine Schilderung.

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Eine der Zuhörerinnen war Maria Gniatczyk. Sie lebt nun in Warschau. Von August bis Oktober 1944 war sie im Lager Bergen-Belsen. „Wir haben eine Gruppe von 16 Überlebenden in meiner Heimatstadt“, erzählte die 83-Jährige. Aus Perth an der Westküste Australiens war Hetty Verolme angereist. Sie habe keinerlei Vorbehalte, denn „ich weiß, dass sich Deutschland geändert hat“, sagte die 80-Jährige. Sie wurde von ihrem 21-jährigen Enkel Adam Passman begleitet. Er meinte, die Menschen in Deutschland wären heutzutage besser gebildet. Das hätten ihm viele Gespräche mit Studenten bestätigt. Aufgrund dieser Bildung sei ein Rückfall in rechte Barbarei unwahrscheinlich, lautete seine These.

Die Gedenkfeier, an der neben anderen auch Bergens Bürgermeister Rainer Prokop und der Standortälteste Oberst Gerd Ahrens teilnahmenA, wurde umrahmt durch Musik und den Gesang von Olga Bekkermann.

Von Udo Genth