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Lohheide Gedenkstätte Bergen-Belsen plant Ausstellung
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Gedenkstätte Bergen-Belsen plant Ausstellung
17:36 14.01.2019
Von Christopher Menge
Die Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Bergen-Belsen findet am 28. April statt. Quelle: David Borghoff
Lohheide

Am Dienstag blickt Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, nach Bückeburg. Dort entscheidet der Staatsgerichtshof über die Klage der AfD-Fraktion gegen den Niedersächsischen Landtag. Dieser hatte im Februar eine Gesetzesänderung verabschiedet und damit erreicht, dass die AfD-Fraktion nicht im Stiftungsrat vertreten ist. Danach wird sich Wagner wieder den vielen Projekten in diesem Jahr widmen, allen voran in der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Neue Ausstellung im Gebäude MB 89

Pünktlich zum Jahrestag der Befreiung, der in diesem Jahr wegen der christlichen und jüdischen Osterfeiertage erst am Sonntag, 28. April, begangen wird, soll im Erdgeschoss des Gebäudes MB 89 eine neue Ausstellung eröffnet werden. "Wir zeigen die Verquickung der Wehrmachts- und SS-Geschichte am historischen Ort, von der Militarisierung in den 1930er Jahren, über die Verbrechen in den 1940er Jahren bis zu den Folgen mit dem Displaced-Persons-Camp nach 1945", sagt Wagner. "Hier haben wir ein Alleinstellungsmerkmal."

Ende Oktober hatte die Bundeswehr der Stiftung fünf Gebäude sowie die umliegenden Flächen auf dem Gelände der Niedersachsen-Kaserne überlassen. Während an vier Gebäuden zunächst lediglich Hinweisschilder installiert werden sollen, wird das Gebäude MB 89 ab 2022/23 grundlegend umgebaut. "Im Erdgeschoss soll eine Dauerausstellung gezeigt, im ersten Obergeschoss sollen Seminarräume eingerichtet und im Dachgeschoss, das bisher noch nicht ausgebaut ist, sollen Tagungsräume geschaffen werden", sagt Wagner, der mit Kosten von vier bis fünf Millionen Euro rechnet. Da der Stiftung pro Jahr "nur" eine Million Euro für Investitionen zur Verfügung stehen würden, dauere es noch ein paar Jahre, bis die Pläne umgesetzt werden können.

Die Planung für die Ausstellung ist dagegen schon im vollen Gange. "Wir stellen auch den lokalen Bezug zur Kaserne dar und zeigen, wie die Örtlichkeiten wie Round House, Friedhöfe oder Truppenkino genutzt wurden", sagt Wagner, der in das Projekt auch seine Studenten aus Hannover einbezieht. "Parallel arbeiten wir noch an einer zweiten Ausstellung über Shaul Ladany."

Shaul Ladany hat doppelt überlebt

Die Biografie des emeritierten Professors für Ingenieurwissenschaften ist bemerkenswert. Als Kind überlebte er im Austauschlager von Bergen-Belsen den Holocaust. Mit dem Kasztner-Transport kam er in die Schweiz, während andere Familienmitglieder im Konzentrationslager Auschwitz vergast wurden. Und auch seinen zweiten Aufenthalt in Deutschland als Olympiateilnehmer der israelischen Mannschaft überlebte er. Am 5. September 1972 entging der heute 82-Jährige der Geiselnahme durch palästinensische Terroristen, der elf Teamkameraden zum Opfer fielen.

"Shaul Ladany ist ein großer Sammler, hat viele Exponate zur Geschichte des KZ Bergen-Belsen und des Kasztner-Transports", sagt Wagner. Die Ausstellung soll zum Jahrestag des Attentats von München am 5. September eröffnet werden.

"Kinder im KZ Bergen-Belsen" wird in St. Gallen gezeigt

Auf den Weg von Ravensbrück nach St. Gallen macht sich unterdessen die Wanderausstellung "Kinder im KZ Bergen-Belsen". "Bei der Eröffnung am 9. April werden mehrere Überlebende anwesend sein, die über den Kasztner-Transport in die Schweiz gekommen sind", sagt Wagner. Die Ausstellung war im April in Bergen-Belsen erstmals gezeigt worden. Mehrere zehntausend Besucher besuchten sie. Damit kamen so viele wie nie zuvor zu einer Sonderausstellung. Insgesamt besuchten die Gedenkstätte Bergen-Belsen im vergangenen Jahr nach Aussage von Wagner etwa 250.000 Menschen.

Stiftung niedersächsische Gedenkstätten bekommt mehr Geld

Froh ist Wagner, dass das Land kurz vor Weihnachten über die politische Liste eine Erhöhung der Zuschüsse für die Stiftung über 750.000 Euro, wovon 480.000 Euro in die Gedenkstätte Bergen-Belsen fließen, beschlossen hat. "Das ermöglicht uns Projekte umzusetzen und den Besucherdienst in der jetzigen Form aufrecht zu erhalten", sagt Wagner. Insgesamt stellen Bund und Land gut drei Millionen Euro für die Gedenkstätte in Bergen-Belsen zur Verfügung.

"Die vier demokratischen Fraktionen im Landtag stehen hinter unserer Arbeit", sagt Wagner. "Aber der Wind gegenüber den Gedenkstätten und der Gesellschaft im Allgemeinen von nationalkonservativer und rechtsextremer Seite ist stärker und kälter geworden." Aufgabe der Gedenkstätten sei es, Position zu beziehen. Erfreulich sei, dass es in der schweigenden Mehrheit eine Repolitisierung gebe – nämlich Pro Europa und Pro liberaler Grundverfassung. "Was war die Motivation der Menschen, im Nationalsozialismus mitzumachen?", fragt Wagner und schlägt die Brücke zu heute. "Aus den Lehren der NS-Verbrechen sind unsere demokratische Verfassung und das geeinte Europa entstanden."

"AfD gehört nicht in Stiftungsrat"

Im vergangenen Jahr habe sich – beispielsweise bei den Vorfällen in Chemnitz – nochmal gezeigt, dass die AfD nicht in den Stiftungsrat gehöre. "Wenn der Staatsgerichtshof der Klage statt gibt, muss der Landtag das Gesetz nochmal ändern", fordert Wagner.

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