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Lohheide Ohne Kaserne kein KZ Bergen-Belsen
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Ohne Kaserne kein KZ Bergen-Belsen
16:19 26.04.2019
Von Christopher Menge
Jens-Christian Wagner eröffnet am Sonntag die neue Ausstellung über die Wehrmacht im Gebäude M.B. 89. Quelle: Christopher Menge
Lohheide

Am Freitag haben Tischler noch ein Pult und einen Holzrahmen im ersten Ausstellungsraum aufgebaut, später sollte die Technik – ein Bildschirm und ein Touch Screen – angeschlossen werden. Am Sonntag, 14.30 Uhr, wird die Ausstellung „Aufrüstung, Krieg und Verbrechen. Die Wehrmacht und der Truppenübungsplatz Bergen“ dann eröffnet. Und das am historischen Ort – im Gebäude M.B. 89 in der heutigen Niedersachsen-Kaserne. "Ohne die Kaserne hätte es das Kriegsgefangenen- und das Konzentrationslager nicht gegeben", sagt Jens-Christian Wagner. Der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten hat die Ausstellung gemeinsam mit Studenten der Leibniz-Universität Hannover und der Historikerin Katja Seybold konzipiert.

KZ-Häftlinge kommen in Kaserne unter

Sie zeigt, dass der Truppenübungsplatz Bergen und die Kaserne Bergen-Hohne Mitte der 1930er Jahre im Rahmen der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung durch das NS-Regime eingerichtet wurden. Hier sollten Panzerarmeen den Angriffskrieg üben. Nach Kriegsbeginn richtete die Wehrmacht am Truppenübungsplatz mehrere Kriegsgefangenenlager ein, in denen Zehntausende Kriegsgefangene, vor allem aus der Sowjetunion, starben. Im April 1945 brachten SS und Wehrmacht in der Kaserne Häftlinge aus dem geräumten KZ Mittelbau-Dora unter. Nach der Befreiung des KZ Bergen-Belsen richteten die Briten in der Kaserne ein Nothospital für die Überlebenden ein. Daraus entwickelte sich das Displaced-Persons-Camp Bergen-Belsen, das bis 1950 in der Kaserne bestand.

Mit Multimedia-Station Kaserne erleben

Mittels einer interaktiven Multimedia-Station können sich die Ausstellungsbesucher mit der Geschichte von Orten innerhalb der Niedersachsen-Kaserne auseinandersetzen, die Bezug zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers sowie des KZ Bergen-Belsen als auch des DP-Camps haben. Zudem zeigt die Ausstellung, in welchem Umfang die Wehrmacht eine tragende Säule des NS-Staates war und welche Rolle sie bei den NS-Verbrechen spielte.

Wehrmacht in Holocaust involviert

"Vielen ist bis heute unbekannt, dass die Hälfte aller Wachmannschaften in den Konzentrationslagern Wehrmachtssoldaten waren", sagt Wagner. Zudem sei die Wehrmacht von Beginn an in den Holocaust involviert gewesen. "Zum Teil in der Organisation, zum Teil aber auch durch Erschießungen", sagt der Historiker.

Wie geht Bundeswehr mit historischem Erbe um

Die Ausstellung wird in fünf ehemaligen Unterkunftsräumen gezeigt. Unter anderem wohnten hier die Wachmannschaften des Kriegsgefangenenlagers. Während sich der erste Raum mit dem historischen Ort beschäftigt, geht es in den Teilen zwei bis vier um die Geschichte der Wehrmacht und vor allem um die Verbrechen. Im fünften Raum wird dann der Umgang mit dem historischen Erbe gezeigt. "Das ist vor allem für die politische Bildung der Bundeswehrsoldaten wichtig", sagt Wagner.

Ausstellung soll bald täglich gezeigt werden

Da das Gebäude M.B. 89 noch im militärischen Sicherheitsbereich liegt, kann die Ausstellung derzeit nur mit Anmeldung besucht werden. Es ist aber geplant, dass ein Zaun die fünf historischen Gebäude bald von der Kaserne abtrennt. "Dann ist die Ausstellung täglich zu sehen", verspricht Wagner.

Bergens neue Stadtschreiberin hat die Gedenkstätte Bergen-Belsen und die NIedersachsen-Kaserne besucht. Sie schreibt darüber in ihrer Kolumne.

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