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Lohheide Überlebende erzählt, wie sie Völkermord entging
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Überlebende erzählt, wie sie Völkermord entging
18:08 28.04.2019
Von Christopher Menge
Der Opfer wird am 74. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen gedacht. Quelle: Oliver Knoblich
Lohheide

Ihr Ur-Großvater verlor sein Leben im Konzentrationslager Bergen-Belsen, ihre Großmutter überlebte die Zugfahrt nach Theresienstadt nicht und ihr Großvater starb dort noch vor der Befreiung. Zsuzsa Misur erzählte am Sonntag bei der Gedenkfeier zum 74. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen ihre Geschichte. Da ihr Onkel Tagebuch führte, wüsste sie die ganzen Daten genau. "Großen Dank an meine Mutter und die engen Verwandten, dass sie uns Kinder trotz der großen Leiden behütet haben", sagte die Überlebende.

Mit Zug nach Theresienstadt

Sie war als Zsuzsa Ungár im Februar 1943 in Szolnok geboren worden. Ein gutes Jahr später begann der Völkermord an den ungarischen Juden. Innerhalb von nicht einmal zwei Monaten wurden im Frühjahr 1944 etwa 440.000 ungarische Juden nach Auschwitz deportiert worden. Die Familie von Zsuzsa Misur wurde zur Zwangsarbeit herangezogen, darunter ihre 14-jährige Cousine und ihre 76-jährige Ur-Großmutter. Im Dezember 1944 wurde die Familie schließlich nach Bergen-Belsen deportiert. "Im April 1945 starteten dann drei Züge", sagte die stellvertretende Vorsitzende des ungarischen Verbands der Überlebenden von Bergen-Belsen. "Nur unser Zug kam in Theresienstadt an." Dort wurde sie befreit.

Lernort M. B. 89 zeigt Rolle der Wehrmacht

"Gedenken braucht Wissen", hatte Jens-Christian Wagner, der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, zu Beginn der Gedenkveranstaltung gesagt. "In diesem Jahr haben wir sogar zwei Leitthemen." Zum einen wurde an die Deportation der ungarischen Juden vor 75 Jahren erinnert, zum anderen ging es um die Geschichte des Truppenübungsplatzes Bergen und um die Geschichte der Wehrmacht und ihrer Verbrechen im Nationalsozialismus. Am Nachmittag übergab der Parlamentarische Staatssekretär des Verteidigungsministeriums, Peter Tauber, offiziell den Schlüssel für fünf Gebäude in der Niedersachsen-Kaserne. Darunter der neue Lernort M. B. (Mannschaftsblock) 89, wo die Ausstellung "Aufrüstung, Krieg und Verbrechen. Die Wehrmacht und der Truppenübungsplatz Bergen" gezeigt wird. "Die Spuren der Verbrechen rund um die heutige Niedersachsen-Kaserne sind unübersehbar", sagte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

"Für Europa einstehen"

Er und Wagner spannten aber auch den Bogen zu heute. "Gegner der liberalen, offenen Demokratie schaffen es überall auf der Welt mit denselben Mitteln, Wählerstimmen zu sammeln“, sagte Wagner. Dazu zählten Angstmacherei vor vermeintlich Fremden, ein Schüren von Nationalismus und die Diffamierung politischer Gegner als "Volksfeinde“. Gegenüber solchen Parolen seien die Gedenkstätten gefordert, Position zu beziehen, so Wagner. Tonne warnte mit Blick auf die anstehenden Europawahlen vor Wahlerfolgen von Nationalisten. „Es liegt an uns, für Europa, für die Demokratie und für die offene Gesellschaft zu werben“, sagte er. "Und dafür laut einzustehen."

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