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Lohheide Neue Ausstellung in Belsen eröffnet
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Neue Ausstellung in Belsen eröffnet
14:50 13.06.2010
Bilder vom Tag der Eröffnung der neuen Ausstellung in Bergen-Belsen Überlebenszeichen Quelle: Tore Harmening
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Lohheide

„Bergen-Belsen heißt für mich aus Raum und Zeit heraus gefallen zu sein“. So beschreibt Françoise Robin ihre Gefühle der Erinnerung an das Lager. Sie hat für die neue Ausstellung in der Gedenkstätte eine Druckplatte der ersten Zeitung zur Verfügung gestellt, die eine Gruppe von französischen Überlebenden in den ersten beiden Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg produzierten.

Ein dichtes Gedränge herrschte gestern bei der Eröffnung zwischen den Vitrinen mit 21 Exponaten, die die ganz persönliche Erinnerung der Überlebende an Bergen-Belsen zeigen, nach dem sie das Lager hinter sich gelassen haben. „Es sind Zeichen des Triumphes. Ein Triumph über den Schrecken des Nazi-Regimes“, sagte Habbo Knoch, Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsiche Gedenkstätte bei der Eröffnung, zu der rund 200 Überlebende und insgesamt mehr als 300 Gäste zur Gedenkstätte gekommen waren. Mit dabei war auch eine große Zahl von Medienvertretern.

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Knoch sieht die Ausstellung auch als ein Signal für einen neuen Schwerpunkt der Erinnerungsarbeit. „Wir wollen die gesamte Biographie der Überlebenden einschließen. Die Zeit vor 1945, das Lager und die Zeit danach“.

Die Ausstellung und der neue Schwerpunkt in der Arbeit der Gedenkstätte war nicht das einzige Kapitel, das gestern offiziell neu aufgeschlagen wurde. Es war auch das erste Mal, dass der Bürgermeister von Bergen überhaupt bei einer solchen Veranstaltung sprach und dokumentierte damit eine deutlich verbesserte Zusammenarbeit zwischen der Gedenkstätte und der Stadt, die lange Zeit „füreinander kaum stattfanden. Ich freue mich, dass das jetzt anders ist“, sagt Rainer Prokop. Lange Zeit habe sich Bergen auch vor seinem dunklen Kapitel in der Geschichte weggeduckt, doch über die Jahre und mit Frage der Folgegenerationen sei man jetzt an einem Punkt gelangt, an dem sich Bergen unter anderem durch Projekte wie die Anne-Frank-Friedenstage mit der Aufarbeitung der Geschichte stärker befassen würde. „Die Arbeit in Bergen kommt dabei nicht alleine aus der Politik, die das gar nicht leisten könnte, sondern von den Bürgern, also aus der Mitte der Gesellschaft“, sagte Prokop. Er hoffte, dass die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gedenkstätte in den kommenden Jahren noch enger wird.

„Dieses Tagebuch gehört an diesen Ort“

Arieh Koretz und Jovan Rajs haben ihre Erinnerungsstücke der Gedenkstätte gegeben

LOHHEIDE. Die Erinnerungsstücke und damit ihre persönlichen Erfahrungen gehören nach Bergen-Belsen. So sehen es die Überlebenden des Lagers Bergen-Belsen, Arieh Koretz und Jovan Rajs. Und die Mitarbeiter der Gedenkstätte können es als eine Anerkennung ihrer Tätigkeit betrachten, das Jovan Rajs bei der Frage, ob seine Collage hier gut aufgehoben, leicht ungehalten reagiert. „Natürlich ist sie hier gut aufgehoben, die machen eine gute Arbeit“, sagt Rajs.

Ein neues Werk hat der 76-Jährige, der heute in Schweden lebt aus seinen Zeichnungen und Tagebucheinträgen geschaffen. „Ich habe meine Lagerkunst zerstört und daraus diese Collage gemacht“ erklärt er die Zusammensetzung von Bildern und Schriftstücken aus der Zeit, die sein Leben im Alter von elf Jahren so entscheidend verändert hat.

Arieh Koretz hat auch Tagebuch geschrieben in der Zeit im Lager. Auch das liegt inzwischen in den Archiven der Gedenkstätte. „Dieses Tagebuch gehört an diesen Ort“, sagt Koretz. In der Ausstellung ist von ihm aber nicht das Tagebuch, sondern eine Papierkarte mit der Inschrift einer Gedenkwand auf dem jüdischen Ehrenfriedhof in Tröbitz zu sehen.

Zusammen mit 2500 anderen Häftlingen wurde er kurz vor der Befreiung aus Bergen-Belsen mit eine Zug fortgebracht. Als die Rote Armee die Häftlinge schließlich in der Nähe von Tröbitz im Osten von Leipzig befreit, sterben noch 400 von ihnen an Entkräftung. Arieh Koretz hat sich zusammen mit anderen dafür eingesetzt, das sie auf dem Friedhof eine Inschriftenwand bekommen. Seine Motivation ist auch ein Leitspruch für die Arbeit in der Gedenkstätte Bergen-Belsen: „Wir müssen den Menschen ihre Namen zurückgeben.“

Von Tore Harmening