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Lohheide Neue Ausstellung zum Jahrestag der Befreiung
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Neue Ausstellung zum Jahrestag der Befreiung
14:33 13.06.2010
Habbo Knoch und Martina Staats vor verschiedenen Austellungsstücken der neuen Ausstellung in Bergen Belsen Quelle: Tore Harmening
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Lohheide

Überlebenszeichen - Erinnerungen an Bergen-Belsen. So heißt die neue Ausstellung, die heute um 11.30 Uhr in Bergen-Belsen eröffnet wird. 21 Exponate sollen zeigen, wie die Überlebende mit der Erinnerung an die Zeit im Lager in den Jahren danach umgegangen sind.

„Bergen-Belsen stellt im Leben der Menschen, die dort eingesperrt waren, eine einschneidende Wende dar“, erklärt Martina Staats, die die Ausstellung angeregt und zusammen mit der Broschüre organisiert hat. Die Menschen haben es nach ihrer Aussage auf sehr unterschiedliche Weise verarbeitet. Manche habe das Erlebte zunächst beiseite geschoben, andere sind schon früh zurückgekehrt. Viele haben ihren Erinnerungen in Kunst Ausdruck verliehen. Ein Teil der Werke sind in Verbindung mit der Bedeutung und den kurzen Lebensläufen der Überlebenden in der Ausstellung zu sehen.

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Da ist zum Beispiel Sarah Atzmon mit ihrem Bild „Der Davidstern Beschützt Uns Nicht“. Als der Golf-Krieg ausbrach, konnte sie plötzlich nicht mehr aufhören zu malen. Oder Olly Ritterband, die zur Erinnerung an ihre etwa 70 Familienangehörigen ein Mosaik geschaffen hat, dass einen Menschen beim Beten des Kaddisch (einem Trauergebet) zeigt. Außerdem kommen in der Ausstellung, die im alten Gebäude gegenüber des Dokumentationszentrums aufgebaut ist, elf Überlebende als Zeitzeugen zu Wort, die darüber berichten wie es war, als sie das erste Mal nach der Befreiung nach Bergen-Belsen zurückkehrten.

Habbo Knoch, Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten sieht die Ausstellung als eine Fortführung der Darstellung des Lebens im Displaced-Persons-Camp nach der Befreiung und gleichzeitig einen Brückenschlag in die Neuzeit. „Wir wollen damit auch ein starkes Signal an die Überlebenden senden, dass wir bei diesem Thema weiter gehen wollen“, sagt Knoch.

Dass es dafür noch viel Potenzial gibt, beweist die große Anzahl der Exponate, aus denen die Ausstellung zusammengestellt wurde. Etwa 1000 Ausstellungsstücke wären laut Martina Staats möglich gewesen. „Wir haben versucht eine Auswahl über die Länder und verschiedene Jahrzehnte zu geben“, sagt Staats. Angesichts des Angebotes ist die Auswahl schwer gefallen. Bis zum 13. Juni ist die Ausstellung zunächst zu sehen. Wie es danach mit diesem Teil der Erinnerungskultur weiter gehen wird, ist noch unklar, aber wenn möglich, soll ein fester ständiger Rahmen dafür geschaffen werden.

Zahlreiche Veranstaltungen zum 65. Jahrestag der Befreiung

Etwa 200 Überlebende des Lagers Bergen-Belsen werden bei der Veranstaltungsreihe zum 65. Jahrestag der Befreiung als Gäste erwartet. Heute ab 11.30 Uhr steht die Einweihung der Ausstellung und das individuelle Erinnern der Überlebenden auf dem Programm. Insgesamt werden 340 Besucher zu der Eröffnung kommen.

Am Freitag, 16. April, hat die Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen am Waggon an der Rampe in Belsen eine Gedenkveranstaltung organisiert. Sie erinnern an die Opfer, die von hier aus ihren Weg in das Lager antreten mussten. An dieser Veranstaltung nehmen etwa 100 Überlebende mit ihren Familien teil. Außerdem sollen Arie Koetz und Rainer Ernst Ansprachen halten.

Am Sonnabend, 17. April, 19.30 Uhr, trifft sich die AG Bergen-Belsen mit Kerzen am Waggon. Dort werden keine Reden gehalten. Das stille Gedenken soll im Vordergrund stehen. Am Sonnabend um 19 Uhr liest außerdem der Autor Anatol Charie in der Synagoge in Celle. Die Veranstaltung trägt den Titel „Untermensch“.

Am Sonntag, 18. April, gibt es dann auf dem Gelände der Gedenkstätte die große Gedenkfeier, zu der unter anderem Ministerpräsident Christian Wulff erwartet wird. Um 10 Uhr beginnt der Tag mit einer Kranzniederlegung auf dem Sowjetischen Kriegsgefangenenfriedhof, um 11.30 Uhr beginnt dann die große Gedenkfeier auf dem Gelände der Gedenkstätte.

Von Tore Harmening