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Eschede So gehen Escheder gegen Rechtsextremismus vor
Celler Land Eschede So gehen Escheder gegen Rechtsextremismus vor
16:05 29.09.2019
Von Carsten Richter
Eschede zeigt Flagge: Mit Transparenten und Plakaten zogen rund 120 Teilnehmer vom Bahnhof aus zum NPD-Gelände an der Straße zum Finkenberg. 
Eschede

Wie die "Sonnwendfeiern" hat auch das "Erntedankfest" der Rechtsextremen auf dem Hof Nahtz in Eschede eine lange Tradition. Und solange es die Brauchtumsfeiern gibt, wird auch dagegen demonstriert. Dennoch standen beide Aktionen am vergangenen Samstag unter besonderen Vorzeichen. Es war das erste "Erntedankfest" seit dem Verkauf des Hofes an den NPD-Landesverband – und zum ersten Mal durften sich die rund 120 Demonstranten dem Gelände bis auf 150 Meter nähern.

Gericht gibt Klage der Demonstranten statt

Erst am Donnerstag hatte das Verwaltungsgericht Lüneburg der Klage der Demo-Veranstalter um Kirsten Dieckmann vom Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus stattgegeben. Dieckmann hatte sich in ihrer Klage auf das Versammlungsrecht berufen – und Recht bekommen. Eine "Gefahr für Leib und Leben" sei mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu erwarten, hatte das Gericht sein Urteil begründet – und tatsächlich sprach die Polizei anschließend von einem ruhigen Verlauf.

Unter Polizeischutz zum früheren Nahtz-Hof

"Wir haben uns noch nie aufhalten lassen, unseren Protest zu äußern", sagte Dieckmann bei der Zwischenkundgebung an der Kreuzung Hermannsburger Straße/Im Dornbusch. Bislang endete hier immer der Demonstrationszug, der auch diesmal am Bahnhof gestartet war – der Weg bis zum jetzigen NPD-Gelände an der Straße Zum Finkenberg blieb ihnen bisher immer verwehrt. Diesmal nicht – unter Polizeischutz marschierten die Teilnehmer der Demo den knapp zwei Kilometer langen Feldweg entlang. Am ehemaligen Nahtz-Hof angekommen, machten die Protestierenden ihrem Unmut lautstark Luft. Einige NPD-Anhänger filmten den Zug, nahmen das Geschehen sonst aber ruhig zur Kenntnis.

Rund 120 Demonstranten sind vom Escheder Bahnhof bis zum früheren Hof Nahtz gezogen. 

Für eine solidarische Gesellschaft

"Die Koordinaten in unserer Gesellschaft haben sich zu weit nach rechts verschoben. Unser Ziel ist eine solidarische Gesellschaft, in der Platz für alle Menschen ist", sagte Olaf Meyer von der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen bei der Kundgebung unweit des NPD-Geländes.

Zu viel Aufmerksamkeit für Neonazis?

Neben dem Celler Forum hatten das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus und der Deutsche Gewerkschaftsbund zu der Demo aufgerufen. Gefolgt waren dem Aufruf nicht nur Escheder. "Es stört mich, dass sie so viel Aufmerksamkeit bekommen", sagt Hannelore Kleinschmidt aus Winsen mit Blick auf die Neonazis. "Aber nichts zu tun, ist auch keine Lösung", sagte sie. Schade sei es, dass so viele Polizisten hätten kommen müssen. Kleinschmidt hält es für wichtig, Solidarität mit den Organisatoren der Demo und Präsenz zu zeigen.

"Mehr informieren und die Leute wachrütteln"

Mit den 120 Teilnehmern liege die Resonanz zwar unter der der Sonnwendfeiern im Sommer, für ein Erntedankfest sei das aber "relativ viel", sagte Dieckmann. "Wir müssen mehr darüber informieren, was auf dem Hof passiert. Die Erziehungsmethoden der NPD sind sehr radikal und autoritär", sagte Doris Artelt, Demonstrantin aus Müden. Frank Grappendorf wohnt erst seit einem Jahr in Eschede – der Verkauf des Nahtz-Hofes an die NPD habe ihn schockiert. "Wir müssen mehr Kante zeigen", sagte er. "Die Leute müssen wachgerüttelt werden."

Rund 120 Teilnehmer sind am Samstag in Eschede gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen - erstmals durften sie bis kurz vor den Hof Nahtz.

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