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Eschede 20 Jahre nach ICE-Unglück: Bahnchef bittet in Eschede um Verzeihung
Celler Land Eschede 20 Jahre nach ICE-Unglück: Bahnchef bittet in Eschede um Verzeihung
18:54 03.06.2018
Von Christopher Menge
Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

Lutz fand Worte, auf die Hinterbliebene und Überlebende zuvor lange warten mussten. Erst 15 Jahre nach Katastrophe hatte sich der damalige Bahnchef Rüdiger Grube bei ihnen entschuldigt. "Diese Entschuldigung war hilfreich. Sie hat zur Entspannung und Befriedung beigetragen", sagte Löwen gestern. Er verlor bei dem ICE-Unglück seine Frau und seine Tochter.

Löwen und die anderen Betroffenen seien wie vom Blitz getroffen worden, wie es der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil beschrieb. "Und das in einem Moment, in dem sie sich vollkommen in Sicherheit fühlten", sagte Weil. Aber, Technik biete keine absolute Sicherheit.

Das betonte auch Staatssekretär Ennak Ferlemann, der die Angehörigen auch im Namen des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer um Verzeihung bat. "Die Tragödie von Eschede ist Mahnung", sagte er. "Wir müssen immer wieder hinterfragen und kontrollieren. Wir dürfen hier nicht sparen."

Der ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" war am 3. Juni 1998 um kurz vor 11 Uhr in Eschede entgleist und mit Tempo 200 gegen die Rebberlaher Brücke geprallt. Ursache des Unglücks war ein gebrochener Radreifen, der sich an einer Weiche vor der Brücke verhakt hatte. In Erinnerung geblieben sind die Worte des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten, Christian Wulff, im Jahr 2008: "Der Zug hätte München nie verlassen dürfen."

Eschede steht aber nicht nur für das schwerste Zugunglück in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch für einen unvergessenen Einsatz von insgesamt 1889 Rettungskräften. Der damalige Einsatzleiter, Ehrenkreisbrandmeister Gerd Bakeberg, erinnerte gestern an das Geschehen. "Als ich alarmiert wurde, habe ich mir alles mögliche vorgestellt, aber nicht solch ein Szenario, das sich an der Unglücksstelle geboten hat", sagte der Feuerwehrmann. "Die Lage war nicht zu fassen." Dennoch gelang es in den ersten Stunden nach dem Unglück die 88 Schwerverletzten mit Rettungswagen und -hubschraubern in 17 Krankenhäuser zu bringen. Bis zum Einsatzende drei Tage später wurden zudem 96 Leichen geborgen, 5 Fahrgäste erlagen später ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Bakeberg erinnerte daran, dass man sogar noch Glück im Unglück hatte, denn im Normalfall hätten sich der verunglückte Zug und der aus Hamburg entgegenkommende ICE genau an der Rebberlaher Brücke begegnet, aber der Unglückszug hatte zwei Minuten Verspätung. Der Einsatzleiter lobte auch die Einsatzbereitschaft der Anwohner, die Decken und Leitern zur Unglücksstelle brachten. "Wir hoffen, dass es nicht wieder zu einer solchen Großschadenslage kommt, aber wenn können sie sich auf die Feuerwehren und Rettungskräfte verlassen", so Bakeberg.

Löwen richtete danach noch deutliche Worte an Lutz und Ferlemann. "Sie tragen an führender Stelle Verantwortung für den Schienenverkehr", sagte der Sprecher der Selbsthilfe Eschede. "Es geht nicht um Gewinnmaximierung und Geschwindigkeitsrekorde – ganz oben auf der Liste muss immer die Sicherheit der Fahrgäste stehen."

Die Gerüchte über eine Schließung des Servicecenters im Bahnhof Eschede haben sich bewahrheitet. Das Reisezentrum wird ab 1. Dezember nicht mehr in Betrieb sein, bestätigt Metronom-Geschäftsführer Torsten Frahm.

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Der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Allgemeinen Krankenhaus Celle, Dr. Ewald Hüls, ist seit 1995 durch den Landkreis Celle als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst bestellt und war beim ICE-Unglück von Eschede am 3. Juni 1998 Leitender Notarzt. Für seinen Einsatz wurde er später mit dem Ehren-Bambi ausgezeichnet. CZ-Redakteur Christopher Menge traf den 61-jährigen Chirurgen, der seine Erlebnisse in dem Buch "Die ICE-Katastrophe von Eschede" verarbeitet hat, zum Interview.

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