Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Eschede 700 Besucher bei „Eschede muckt auf!“
Celler Land Eschede 700 Besucher bei „Eschede muckt auf!“
14:02 13.06.2010
"Fury in Fairyland" heizte in Eschede mächtig ein. Quelle: Joachim Gries
Anzeige
Eschede

Sie waren bestens vorbereitet auf den Andrang, doch damit gerechnet hatten die Organisatoren eigentlich nicht, dass fast 700 Besucher im Laufe des langen Samstagabends die Escheder Glockenkolkhalle aufsuchten, um der Musik zu lauschen und mit ihrer Präsenz dem Rechtsextremismus und regelmäßigen Treffen von Neonazis am Rande von Eschede eine klare Absage erteilten. Schon kurz nach dem Start um 18.30 Uhr waren am Einlass 250 Personen gezählt worden. Eine Stunde später waren es schon 400, und als „Fire in Fairyland“ auf der Bühne standen, war die Halle rappeldicke voll.

Dass die verschiedenen Musik-Richtungen ein unterschiedliches Zielpublikum hatten, war klar. Aber es machte den Reiz der Veranstaltung aus. „Wir spielen für die Fraktion über 40, hieß es von der Gruppe „Nur zu 2t“, deren Bühnendebüt viel Beifall erhielt. Auch Fresch (Feierabend-Rock Eschede), seit 25 Jahren auf der Bühne, spielte vor einer treuen Anhängerschaft. Als es zum Abschluss nach Mitternacht „3rd Grade Burn“ richtig krachen ließ, war es den Älteren ein bisschen laut, doch noch immer tummelten sich 100 Zuhörer.

Anzeige

Eschedes Samtgemeindebürgermeister Günter Berg nannte den Anlass der Aktivitäten gegen Rechts: Die ständigen Treffen von Neonazis und Rechtsextremisten, die auf dem Hof von Joachim Nahtz in Zelt- und Lagerfeueratmosphäre der Szene ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelten. „Das sollte uns Sorgen machen“, sagte Berg mit Blick auf die große Zahl von Kindern und Jugendlichen, die an den Treffen teilnähmen

Dietrich Klie von der Celler Polizei sprach von einer gelungenen Veranstaltung und reger Nachfrage nach Infomaterial, die er im Foyer anbot. Vor allem Ältere hätten ihn kontaktiert. Reinhard Leder vom Niedersächsischen Verfassungsschutz hatte im Vortrag den Unterschied auf den Punkt gebracht. Für Rechtsextremisten bestehe die Gesellschaft aus der Volksgemeinschaft der Deutschen, während Demokraten die Gesellschaft als multikulturell begriffen.

Berg war nach der störungsfreien Veranstaltung mehr als zufrieden: „Mit so vielen Besuchern habe ich nicht gerechnet.“ Und die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Besucher Escheder waren, zeigt für den stellvertretenden Bürgermeister Klaus-Jürgen Baumeister, dass das Dorf seine Protestform gefunden hat.

Von Joachim Gries