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Eschede Aschauteiche leiden unter Bauarbeiten auf B 191
Celler Land Eschede Aschauteiche leiden unter Bauarbeiten auf B 191
18:59 04.06.2018
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Eschede

Am schlimmsten leidet darunter die Teichwirtschaft und Räucherei Aschauteiche. „Wir erleben gerade Umsatzeinbußen zwischen 40 und 60 Prozent“, sagt Geschäftsführer Torben Heese und fügt hinzu: „Ohne den Verkaufswagen hätten wir 80 bis 90 Prozent verloren.“

Überall in Eschede warnen Umleitungsschilder vor der Weiterfahrt in Richtung Norden. Dass man derzeit problemlos bis zu den Aschauteichen gelangt, ist darauf nicht zu erkennen. An den ersten Tagen der Vollsperrung hingen hier noch selbst gemachte Hinweise, dass der Laden geöffnet hat – laminierte DIN-A4-Zettel, die mit Kabelbinder an den Straßenschilder festgezurrt wurden. „Die waren rechtlich aber nicht zulässig, deswegen haben wir sie nach drei Tagen wieder abgenommen“, sagt Heese. Die Straßenbaubehörde habe ihm angeboten, Schilder neben den Straßenrand zu stellen. Doch darauf ging der 37-Jährige nicht mehr ein.

„Unsere Hauptkundschaft ist der zufällig Vorbeifahrende“, benennt Heese das Problem. Eine drei Kilometer lange Sackgasse sei da extrem hinderlich: „In dem Moment, in dem der Verkehr umgeleitet wird, ist das den Kunden zu viel.“ Deshalb mietete er kurzerhand einen Verkaufswagen und lässt Aal, Lachsforelle, Forelle oder Karpfen jetzt auf dem Penny-Parkplatz in Eschede verkaufen.

Es ist das erste Mal, dass die Aschauteiche auf einen mobilen Verkauf setzen. Bislang ist die Räucherei auf keinem Wochenmarkt vertreten. „Wirtschaftlich ist das mit dem Verkaufswagen nicht so richtig, da ist mehr Übung und Kundenservice“, sagt Heese. Abgesehen von den Mietkosten sei der Aufwand beim mobilen Verkauf deutlich größer als im Laden.

Trotzdem ist das Modell Verkaufswagen für die Zukunft nicht ganz vom Tisch. „Ich bin da hin- und hergerissen, ob das für uns Sinn macht“, sagt Heese. Durch den mobilen Verkauf könne man zwar neue Käufer erschließen, doch der eigentliche Charme der Aschauteiche gehe dabei verloren. „Zu uns gehört auch das Ambiente und der Fischfang hier vor Ort“, sagt Heese, der den Familienbetrieb seit zwölf Jahren bereits in der vierten Generation leitet.

Heese hat schon mehrere Straßensperrungen der B 191 miterlebt, die aktuelle ist jedoch die schwerwiegendste. Bisher sei nämlich immer noch ein Einbahnstraßenbetrieb möglich gewesen. Die Straßenbaubehörde habe erklärt, dass dies aufgrund hoher Fahrzeugbreiten und Sicherheitsabstände nicht anders möglich sei. Heese vermutet aber viel eher Kostengründe hinter der Vollsperrung, die viel günstiger einzurichten sei als ein Einbahnstraßenverkehr. „Ein Stück weit kann ich das auch verstehen, ich sage nur: Da wird nicht an die Betriebe gedacht“, sagt Heese. Und schließlich ist er nicht allein. Auch andere Betriebe wie etwa die Shell-Tankstelle, das Blumen-Atelier oder die Bäckereien sind von der Baustelle betroffen. Schließlich werden die Urlauber weiträumig umgeleitet.

Ärgerlich findet Heese auch, dass die Vollsperrung erst im Februar mitgeteilt wurde. Da war der Jahresurlaub der insgesamt 15 Angestellten und Teilzeitkräfte nämlich schon längst geplant. „Hätten wir das vor der Ferienplanung im Dezember gewusst, hätten wir anders auf die Baustelle reagieren können“, so Heese.

Immerhin gab es auch Entgegenkommen von der Straßenbaubehörde: „Ich habe darum gebeten, dass sie die Bauzeiten tauschen“, sagt Heese. Schließlich sollte die B 191 zunächst hinter Eschede saniert werden, doch die Behörde zog. Dadurch wären die Aschauteiche aber zu wichtigen Ferientagen wie Christi Himmelfahrt und Pfingsten kaum erreichbar gewesen. Nun habe er nur Fronleichnam verpasst. Und durch den Verkauf in Eschede hofft er, noch möglichst viele Urlauber in der Ferienzeit zu erreichen.

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