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Eschede So wurde Mareen Harder "Eisenbahner mit Herz"
Celler Land Eschede So wurde Mareen Harder "Eisenbahner mit Herz"
13:02 05.04.2019
Von Carsten Richter
Zugchefin mit großem Herz: Mareen Harder hat einer jungen Frau geholfen, die beim ICE-Unglück 1998 in Eschede ihre Mutter verloren hat. 
Eschede

Beinahe täglich kommt Mareen Harder durch Eschede. Damit ist sie bei Weitem nicht allein. Aber anders als Autofahrer bekommt Mareen Harder nicht viel von Eschede mit. Sie sieht nicht viel mehr als den Bahnhof, denn die 35-Jährige ist Zugchefin bei der Deutschen Bahn – sie bekommt den Ort nur von den Schienen zu sehen. Das ICE-Unglück am 3. Juni 1998 mit 101 Toten, das die Gemeinde von einem Tag auf den anderen bundesweit bekannt gemacht hat, kennt sie nur aus Medienberichten und durch Erzählungen von Kollegen. "Es ist mir damals schon sehr nahegegangen", sagt sie. Doch im vergangenen Jahr hat sich etwas ereignet, das sie nun ein Stück weit mehr mit dem verheerenden Unfall und seinen Folgen in Verbindung bringt – und das sie wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Und das ihr die bundesweite Auszeichnung "Eisenbahner mit Herz" gebracht hat. Am Mittwochabend hat ihr das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene den ersten Preis verliehen.

Nach zwei Minuten kam das Okay

Doch zunächst ein Blick zurück. Es ist der 2. Juni 2018, der Tag des Gedenkgottesdienstes für die Opfer des Bahnunglücks. Mareen Harder war als Zugchefin unterwegs von Frankfurt nach Hamburg. Wie so häufig. Etwa zehn Minuten vor dem Halt in Hannover kam ein junger Mann auf sie zu. Er war mit seiner Freundin auf dem Weg zum Gottesdienst nach Eschede – die Mutter der 22-jährigen Charlotte war bei dem Unglück vor 20 Jahren ums Leben gekommen. Das Problem aber: Der ICE hatte an diesem Tag Verspätung. Und die Verspätung wuchs. Rechtzeitig zu der Gedenkveranstaltung würden sie es nicht schaffen. "Als ich von dem Verlust der Mutter hörte, war mir klar: Ich muss helfen", erinnert sich Mareen Harder an den Tag im Juni vergangenen Jahres. Alles, was jetzt noch etwas brachte, war ein Sonderhalt in Eschede. Die Zugchefin hat daraufhin mit der Verkehrsleitung in Hannover telefoniert. "Die Kollegen dort müssen alles regeln. Das Okay für den Halt in Eschede kam innerhalb von zwei Minuten", berichtet sie. Charlotte und ihr Freund haben die Gedenkfeier noch rechtzeitig erreicht – in letzter Minute.

An der Gedenkfeier am 2. Juni 2018 nahm auch Ministerpräsident Stephan Weil teil.  Quelle: Oliver Knoblich

"Enorme Menschlichkeit" gezeigt

„Diese große Geste zeugt von enormer Menschlichkeit und hat in mir eine ewig anhaltende, tiefe Dankbarkeit ausgelöst“, hat die 22-jährige Charlotte in einem Dankesbrief über die Hamburger DB-Zugchefin geschrieben. Für Mareen Harder war ihr schnelles Eingreifen hingegen selbstverständlich. "Ich habe nicht lange überlegt. Ein Anruf kostet ja nichts", erzählt sie im Gespräch mit der CZ. Als sie erfahren hat, dass sie Bundessiegerin beim Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" geworden ist, fehlten ihr im ersten Moment die Worte. "Ich war erstmal sprachlos. Ich stehe schließlich nicht gerne im Mittelpunkt", sagt die 35-Jährige bescheiden. Wichtig sei ihr nur gewesen, dass die beiden jungen Leute noch an ihr Ziel kamen – schließlich war der Anlass ein besonders berührender. "Charlotte hat viel verloren. Ihr zu helfen, war mir ein Bedürfnis", so Mareen Harder.

Emotionaler Abend

Bei der Auszeichnung am Mittwochabend in Hamburg haben sich die Zugchefin und die 22-Jährige das erste Mal richtig kennen gelernt. "Das war ein sehr emotionaler Abend", schildert Mareen Harder ihre Eindrücke. Auch wenn der ICE nur einmal in Eschede gehalten hat, so wird sie nun bestimmt für sich persönlich innehalten, wenn sie das nächste Mal an dem Ort vorbeifährt. Die Gelegenheit dazu hat sie beinahe täglich.

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