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Eschede B191 gesperrt: Daller fahren lieber Schotterpiste als Umleitung
Celler Land Eschede B191 gesperrt: Daller fahren lieber Schotterpiste als Umleitung
14:23 14.06.2018
Von Christian Link
Quelle: David Borghoff
Dalle

Um in den Kernort zu kommen, müssen die Anwohner entweder einen riesigen Umweg durch den Landkreis Gifhorn in Kauf nehmen oder eine üble Buckelpiste durch den Wald fahren. Grund dafür ist die 2,2 Millionen Euro teure Erneuerung der Bundesstraße 191 zwischen Eschede und Weyhausen, die noch bis zum 30. Juni dauern wird.

Besonders ärgerlich ist die aktuelle Verkehrslage für Jessica Schnabel aus Dalle. Sie arbeitet in Uelzen, während ihr 4 Jahre alter Sohn in einem Kindergarten in Eschede betreut wird. Eigentlich eine gute Kombination – nur nicht während der aktuellen B191-Sperrung. Wenn sie morgens ihren Sprössling in der Kita absetzt und dann zu ihrem Arbeitsplatz fährt, braucht sie normalerweise etwa 50 Minuten. Würde sie die offizielle Umleitung nehmen, würde es doppelt so lange dauern.

Darum fährt Schnabel wie viele Dorfbewohner einen Schleichweg durch den Wald bei Lohe. „Da sind solche Schlaglöcher drin – da träumen alle Rallye-Fahrer von“, sagt sie. Trotzdem quält sie ihren VW Caddy über den „Schotterweg“, der ihre Stoßdämpfer ruiniert, denn: „Ob ich 20 Minuten oder 50 Minuten nach Eschede fahre, ist schon ein kleiner Unterschied.“ Bei den aktuellen Benzinpreisen macht die 30 Kilometer längere offizielle Umleitung auch in finanzieller Hinsicht keinen Spaß. Schon die Sperrungen der vergangenen Wochen kamen Schnabel teuer zu stehen: „Meine Spritrechnung hat sich im letzten Monat verdoppelt.“

„Warum legt man so eine Baumaßnahme nicht in die Ferien?“, bringt Franziska Neurand das Unverständnis vieler Daller auf den Punkt. Sie pendelt jeden Tag nach Wolfsburg und ist von der Baustelle selbst kaum betroffen, doch ihre beiden Kinder müssen irgendwie in die Grundschule nach Eschede kommen. „Ich muss mich fragen, ob ich sie mit gutem Gewissen in den Bus setzen kann“, sagt Neurand. Denn der Schulbus von Dalle nach Eschede und zurück soll nach Auskunft der Straßenbehöde demnächst über den Fahrradweg neben der B191 fahren. In Sachen Verkehrssicherheit sei das nicht unproblematisch, denn der 1,90 Meter breite Weg ist nicht die beste Fahrtstrecke – selbst für einen Minibus. Schnabel: „Die Schulbusfahrerin ist auch schon völlig fertig mit den Nerven.“

Bei der Werk- und Lebensgemeinschaft Dalle sorgt die Baustelle ebenfalls für Schwierigkeiten. „Wir haben das Problem, dass die Hausärzte unserer Bewohner in Eschede sind“, sagt Einrichtungsleiter Axel Schlösser. Auch seine Fahrer nehmen nicht den offiziellen Umweg, sondern nutzen den Waldweg: „Man kommt auch ohne Allradantrieb durch, aber dort kann man teilweise nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Der Weg nach Eschede dauert jetzt doppelt so lange.“

Einen ärztlichen Notfall gab es in den vergangenen Tagen glücklicherweise nicht in Dalle, denn hierfür ist die DRK-Wache in Eschede zuständig. „Uns wurde zugesichert, dass Polizei oder Feuerwehr durch die Baustelle fahren können“, berichtet Schlösser. Ansonsten wäre die 15-minütige Hilfsfrist vom Notruf bis zum Eintreffen der ersten Rettungskräfte bestenfalls noch über den Waldweg einzuhalten.

Für Unmut sorgt auch die schlechte Informationspolitik der zuständigen Straßenbaubehörde in Verden. Dort gibt es zwar eine Ansprechpartnerin zur Baustelle, zu ihr haben die Daller aber keinen guten Draht. „Information scheint da eine Holpflicht zu sein“, ärgert sich Schlösser. Außer knappen Pressemitteilungen haben die Dorfbewohner nicht viel von der Behörde gehört.

Im Ort ist die Befürchtung groß, dass plötzlich auch der Schleichweg mitten in der Baustelle endet und keiner vorher Bescheid gegeben hat. Schon gestern war die K19 plötzlich durch Holztransporter versperrt, die offenbar mit Genehmigung des Landkreises Celle dort Forstarbeiten durchführten. Schnabel: "Da fühlt man sich nicht ernst genommen."

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