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Eschede Bedrohung durch Flüchtling: Nachbarn in Eschede leiden immer mehr
Celler Land Eschede Bedrohung durch Flüchtling: Nachbarn in Eschede leiden immer mehr
18:00 11.05.2018
Von Carsten Richter
Noch hält sich der aggressive Flüchtling häufig auf dem Grundstück nebenan auf. Für Sabrina Wind (rechts) wird die Situation immer unerträglicher. Ihre frühere Nachbarin Marleen Beister steht ihr bei.  Quelle: David Borghoff
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Eschede

Zwischenzeitlich war etwas Ruhe eingekehrt – Wind hatte auf Anraten des Landkreises ein Annäherungsverbot erwirkt. Doch das galt nur ein paar Monate. In den vergangenen zwei Wochen hatte es wieder vermehrt Vorfälle gegeben, die die Polizei auf Anfrage bestätigt. Es werde nun wegen Körperverletzung und Nötigung gegen den Flüchtling ermittelt, sagt Behördensprecherin Birgit Insinger.

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Unterdessen leidet Wind immer mehr unter der Situation. Das Schlimmste: Aufgrund zu vieler Krankheitstage durch die Eskapaden des Nachbarn hat die alleinerziehende Mutter Ende März ihren Job verloren. Auch ihre elfjährige Tochter habe Angst vor dem aggressiven Mann. "Ihre Freunde wollen schon gar nicht mehr zu uns kommen", erzählt Wind.

Muhsins Problem ist der Alkohol. Wenn er nüchtern ist, ist er friedlich. "Eine psychosoziale Beratungsstelle kümmert sich um ihn", sagt Eschedes Integrationsbeauftragte Ute Labudde. "Diese Art der Betreuung wollen wir erhöhen." Labudde selbst sei fast täglich mit Muhsin in Kontakt. Zwar habe sie einen guten Einfluss, sagt sie, und könne deeskalierend auf ihn einwirken. "Ich kann aber nachvollziehen, dass die Leute Angst vor ihm haben, weil sie ihn nicht verstehen." Obwohl er einen Sprachkursus besucht, spricht er kaum Deutsch.

Untergebracht ist der Sudanese inzwischen im ehemaligen Kindergarten in Scharnhorst. Was ihn aber nicht daran hindert, regelmäßig mit dem Fahrrad nach Eschede zu kommen. Das lasse sich nur schwer verhindern, lautet der Tenor von Landkreis und Gemeinde. So verweist Kreis-Sprecher Tore Harmening auf die geltende Rechtslage: "Die Eingriffsmöglichkeiten sind sehr strikt geregelt." Laut Niedersächsischem Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke ist die "Unterbringung einer Person (in einer geschlossenen Klinik) nur dann zulässig, wenn von ihr eine erhebliche Gefahr ausgeht und diese Gefahr auf andere Weise nicht abgewendet werden kann", heißt es darin.

Wie man "auf andere Weise" die Situation entschärfen kann, dazu hat Wind schon einige Tipps bekommen: zum Beispiel sich einfach ins Haus zurückzuziehen. Doch genau das möchte die Mutter nicht. "Ich möchte mich frei bewegen", sagt sie. Auch ein Umzug kommt für sie nicht in Frage. Schon wegen ihrer zwei Hunde und drei Katzen nicht. "Die Haustiere wegzugeben, würde meiner Tochter das Herz brechen."

Der Landkreis hat derweil die Gemeinde darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit besteht, in Eschede ein Hausverbot zu erlassen – für den Spielplatz in Scharnhorst gibt es das bereits. Wilfried Nieberg, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, bestätigt, dass es dies für die Rebberlaher Straße bislang nicht gibt. Er bezweifelt den Nutzen eines solchen Verbots: "Die Probleme bestehen ja nur außerhalb des Gebäudes", sagt Nieberg. "Ein Hausverbot würde daran nichts ändern. Das Nachbargrundstück betreten dürfte der Mann trotzdem." Hinzu kommt, dass ein Hausverbot Muhsin zusätzlich isolieren würde. Denn in dem Haus, das der Gemeinde gehört, wohnen weitere Flüchtlinge – und sie bereiten keine Probleme. Im Gegenteil: Sie könnten beruhigenden Einfluss auf Muhsin haben, so Nieberg.

Der Fall sei extrem, sagt er. Das habe er in seiner Laufbahn – Nieberg hat von 1994 bis 2006 im Escheder Sozialamt gearbeitet – noch nicht erlebt. Ein Hausverbot werde man deshalb, trotz aller Bedenken, weiter prüfen.

Ein wenig Hoffnung schöpft Wind derweil aus einem erneut erwirkten Annäherungsverbot. Per Erlass hat ihr das Amtgericht Celle nun einen Schutzraum von 50 Metern gewährt. Mehr darf sich Muhsin ihr nicht nähern. "Dadurch fühle ich mich schon ein wenig sicherer", sagt Wind. Das Verbot gilt zunächst für ein halbes Jahr.

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