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Eschede Schon seit 1990er Jahren brauner Sumpf
Celler Land Eschede Schon seit 1990er Jahren brauner Sumpf
15:54 21.06.2019
Joachim Nahtz kandidierte zuletzt im Jahr 2013 für die NPD bei den Bundestagswahlen. Stolz ließ er sich damals vor seinem Hof fotografieren. Jetzt hat er sein Anwesen an NPD-Kräfte verkauft.
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Eschede

Der Landwirt Joachim Nahtz, der sein Anwesen in Eschede jetzt an die NPD verkauft hat, bietet seit Jahrzehnten zahlreichen Neonazi-Gruppierungen Platz auf seinem Escheder Anwesen für ihre Veranstaltungen.

1992: Wehrsportlager der "Nationalen Liste"

So fanden dort Wehrsportlager statt, wie zum Beispiel 1992 von der später verbotenen "Nationalen Liste" aus Hamburg. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei Nahtz Waffen, SS-Liedgut und eine Reichskriegsflagge sichergestellt.

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2000: "Wintersonnwendfeier" und "Sommerfest mit Sonnenwende"

Weiterhin fand dort im Dezember 2000 eine Wintersonnwendfeier der "Jungen Nationaldemokraten" statt, die von der Polizei aufgelöst wurde. Im Juni 2000 hatte bereits ein "Sommerfest mit Sonnenwende" der niedersächsischen NPD dort stattfinden können.

2005: Wintersonnenwendfeier

Die Wintersonnenwendfeier fand am 17. Dezember 2005 mit geringer Beteiligung statt, es kamen nur etwa 20 bis 25 Personen, es herrschte schlechtes Wetter. Es wurden Fahrzeuge aus Norddeutschland gesehen, darunter auch ein Mercedes aus Bremen, sowie aus Sachsen-Anhalt.

2007: Vier rechtextreme Veranstaltungen auf Hof Nahtz

Bei dem Pfingstlager der neonazistischen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) gab es ungefähr 150 Teilnehmer, vor allem Kinder und Jugendliche. Die „Einheit Niedersachsen“ wurde von einer Familie Börm geführt und geleitet. Vom 25. bis 28. Mai 2007 führte die HDJ ihr Pfingstlager mit ungefähr 200 Jugendlichen in Eschede durch. Bei dem Camp wurden Germanische Sechskämpfe, Sperwurf und Kugelstoßen trainiert. Später gab es Volkstanz und Gesänge. Die Jugendlichen mussten morgens zum Fahnenappell antreten.
Am 23. Juni 2007 kamen zur Sommersonnwendfeier knapp 200 Besucher.
Am 29. Oktober 2007 nahmen rund 76 Neonazis an einer "Erntedankfeier" teil.
Am 22. Dezember 2007 fand eine Wintersonnwendfeier mit rund 160 Teilnehmern statt.

2008: Drei weitere größere Veranstaltungen auf Hof Nahtz

Am 27. Januar 2008 tritt Joachim Nahtz bei der Landtagswahl in Niedersachsen für die NPD im Wahlkreis Uelzen als Direktkandidat an. Er vereint 700 Stimmen auf sich, was 1,6 Prozent entspricht. Landesweit erzielt die NPD 0,8 Prozent der abgegebenen gültigen Erststimmen und 1,5 Prozent der aggegebenen gültigen Zweitstimmen.. Im Wahlkreis 45 (Bergen) erzielt Dennis Bührig (Kameradschaft 73 Celle) 853 Stimmen (= 2,2 Prozent). Im Wahlkreis 46 (Celle) kommt Klaus Hellmund (ebenfalls Kameradschaft 73 Celle) auf 817 Stimmen (= 2,3 Prozent). Bei den Zweitstimmen kommt die NPD im Wahlkreis 46 Celle (Klaus Hellmund) auf 2,5 Prozent, im Wahlkreis 45 Bergen (Dennis Bührig) auf 2,4 Prozent. Im Wahlkreis 44 (Soltau) kommt Matthias Behrens (Snevern Jung) auf 659 Stimmen (2,3 Prozent), hier erzielt die NPD bei den Zweitstimmen 2,3 Prozent.

Am 20. Juni 2008: RechtsRock-Konzert mit 250 Besuchern auf dem Gelände von Joachim Nahtz. Es treten die Bands „Terroritorium“, „Cherusker“, „Das letzte Aufgebot“ sowie „Unfinished Business“ auf. Als Sponsoren wird neben diversen Versandhäusern aus der rechten Szene auch die Kameradschaft 73 aus Celle genannt.
21. Juni 2008: Sommersonnwendfeier mit rund 160 Teilnehmern auf dem Hof Nahtz. Veranstalter ist Dennis Bührig von der Celler Kameradschaft 73. Am Nachmittag treffen sich Kinder und Jugendliche zu Spielen, am Abend wird dann das Sonnwendfeuer entzündet. Nach Einschätzung eines Beamten des Staatsschutzes hat das Treffen der Neonazis die Szene enorm gestärkt. Zu den angereisten Neonazis zählten unter anderem die führenden Köpfe Christian Worch und Thomas Wulff. Am Rande des Treffens wird ein Journalist von dem Neonazis Klaus Hellmund mit einem Ellenbogenstoß am Kopf verletzt.

27. September 2008: Rund 100 Neonazis begehen eine Erntedankfeier, darunter wieder mehrere Kinder.

Im Jahr 2009 wird gegen Nahtz ermittelt

31. Januar 2009: Anhänger der Kameradschaft 73 verteilen in Eschede Flugblätter, in denen sie die Bevölkerung zur Teilnahme bei der nächsten Sonnwendfeier im Juni 2009 einladen. „Wie wäre es also, wenn Sie sich, bei der nächsten Sonnenwende im Sommer, einmal selber auf den Weg machen und sich ein eigenes Bild verschaffen?“, heißt es auf dem Blatt, auf dem Nahtz als presserechtlich Verantwortlicher angegeben ist. Die Celler Kameradschaft 73 berichtet auf ihrer Homepage über die Verteilaktion und gibt die Zahl der verteilten Blätter mit 1500 an. Nach der Aktion machen die Neonazis auf dem Grundstück von Nahtz von sich ein Foto. Erkennbar sind unter anderem Dennis Bührig und Helge Grotjans, bei zwei Personen waren die Gesichter unkenntlich gemacht.

21. Februar 2009: Auf dem Grundstück von Nahtz wird der „Stützpunkt Lüneburger Heide“ der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD gegründet. Nach Polizeiangaben diente ein 50 Quadratmeter großes Partyzelt den 30 mit zwölf Personenwagen angereisten Personen für das Treffen, das von 17 bis etwa 19.30 Uhr dauert. Unter den Teilnehmern waren neben Dennis Bührig von der Kameradschaft 73 Celle Anhänger der Snevern Jungs aus Schneverdingen, junge Neonazis aus dem Raum Hermannsburg sowie Manfred Börm aus Handorf bei Lüneburg. Der 1950 geborene Börm ist seit über 30 Jahren in Neonazikreisen aktiv und war Mitglied der 1994 verbotenen Wiking-Jugend. Er war unter anderem schon als NPD-Unterbezirksvorsitzender in Lüneburg und im NPD-Bundesvorstand für das Referat Ordnungsdienst zuständig.

29. März 2009: Beamte der Celler Polizei und eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei Hannover durchsuchen Haus und Grundstück von Joachim Nahtz. Als sie nach anderthalb Stunden abrücken, nehmen sie einen Karabiner mit aufgepflanztem Bajonett sowie diverse Munition mit. Das Landeskriminalamt müsse feststellen, ob es sich um eine schussunfähige Deko-Waffe handle, sagte ein Polizeisprecher. Der Durchsuchung vorausgegangen war nach Polizeiangaben eine Zeugenaussage, wonach auf dem Grundstück mehrere Waffen zu finden seien. Die Staatsanwaltschaft hatte darauf hin beim Amtsgericht eine Durchsuchung beantragt. Nahtz hat nach Polizeiangaben keine waffenrechtliche Erlaubnis, Schusswaffen zu besitzen. Bei einer Durchsuchung am 3. Februar 1993 auf Anordnung des Amtsgerichts Hamburg waren bei Nahtz zwei Kleinkalibergewehre, ein Luftgewehr und eine Luftpistole beschlagnahmt worden.

20. Juni 2009: Bei der Sonnwendfeier auf dem Hof Nahtz registriert die Polizei gut 250 Teilnehmer, darunter auch rund 30 Kinder und Jugendliche, aus dem ganzen norddeutschen Raum. Alle Teilnehmer werden an einer polizeilichen Kontrollstelle von Beamten überprüft, die Personalien festgestellt und die Fahrzeuge durchsucht. Sichergestellt werden mehrere Pfeffersprays, zwei Teleskopschlagstöcke und 78 CDs mit Liedern strafbaren Inhalts.

8. September 2009: Eine Geldstrafe von 600 Euro muss Joachim Nahtz wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz zahlen. Bei einer Durchsuchung am 19. März 2009 waren auf seinem Grundstück mehrere Gewehr- und Pistolenpatronen gefunden worden, für die er nicht die notwendige Waffenbesitzkarte hatte. Gegen einen Strafbefehl über 1800 Euro hatte Nahtz Widerspruch eingelegt, deshalb war es zu der Verhandlung vor dem Amtsgericht Celle gekommen. Die Amtsrichterin verurteilte ihn zu 40 Tagessätzen á 15 Euro, die Staatsanwaltschaft hatte 60 Tagessätze á 20 Euro gefordert. Beim Strafmaß wurde Nahtz’ Einkommenssituation berücksichtigt. Er muss auch die Verfahrenskosten zahlen.

26. September 2009: Rund 300 Neonazis feiern bei Joachim Nahtz ein Erntefest. Die Polizei ist mit drei Fahrzeugen vor Ort und kontrolliert die an- und abfahrenden Autos der Rechtsextremisten.

19. Dezember 2009: Etwa 200 Rechtsextreme treffen sich am Abend auf dem Hof Nahtz zur Sonnwendfeier. Nach Polizeiangaben waren darunter auch fünf Kinder. „Die Zusammenkunft verlief ohne Zwischenfälle und erzielte keinerlei Außenwirkung“, sagte ein Polizeisprecher.

Übungstreffen für einen Trauermarsch findet 2010 statt

31. Juli 2010: Ein Übungstreffen findet auf Hof Nahtz statt. Zweck war es, für einen "nationale Trauermarsch gegen die alliierten Kriegsverbrecher in Bad Nenndorf" im August zu üben, wie es in einem rechtsradikalen Post im Internet hieß. Die Neonazis bedanken sich dort bei der Familie Nathz bedanken, "die uns diesmal ihr Grundstück zur Verfügung stellte und uns mit einer gut schmeckenden warmen Mahlzeit verwöhnt hat".

2011 Razzia bei Nahtz

18. Januar 2011: Durchsuchung bei Nahtz: Das Celler Veterinäramt weist Asbest im Hühnerstall nach. Nahtz hatte Eternitplatten gelagert und sie neu verbaut.

Juni 2011: Begleitet von den Einsatzkräften der Polizei haben am 110 Menschen gegen die Sonnwendfeier von Neonazis aus ganz Norddeutschland in Eschede protestiert. Auf dem Hof Nahtz waren knapp 50 Rechtsextremisten zu einer Sonnwendfeier zusammengekommen. Zuvor hatte der Mindener Neonazi Marcus Winter eine Veranstaltung mit 150 Personen angekündigt. Der Protestzug führte vom Bahnhof zu einer Zwischenkundgebung am Escheder Rathaus. Die Rechtsextremisten waren bis 16 Uhr zum Finkenberg gelangt. Das Konzert der Hooliganband "Kategorie C" ist am Abend abgesagt worden.

August 2011: Nahtz wird vom Celler Amtsgericht wegen Lagerung und Wiederverwertung asbesthaltiger Dachplatten zu einer "spürbaren" Geldstrafe verurteilt. Laut Gutachten des Landeskriminalamtes ist das beim Angeklagten aufgefundene Material hochgradig krebserzeugend und erbgutschädigend. Außerdem verunreinigt es den Boden. Laut ermittelndem Polizeibeamten habe man auf dem gesamten Gelände unabgedeckte Eternitplatten vorgefunden. Der ganze Hof sei "zugemüllt" gewesen, wobei man den hinteren Teil des Hofes zunächst nicht habe betreten dürfen. Später habe man dort unter anderem auch Glaswolle, Elektrogeräte, Kanister und eine unerlaubte Abfallbeseitigungsanlage vorgefunden. Der Angeklagte habe die Asbestplatten zum Teil als Weganpassung, und sogar im Hühnerstall als Schutzwall gegen Füchse wiederverwendet. Jetzt muss er alles entsorgen und zusätzlich 750 Euro Strafe zahlen.

Dezember 2011: Knapp 500 Menschen haben in Eschede gegen die Nazitreffen auf dem Hof Nahtz demonstriert. Sie folgten damit einem Aufruf, der von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis unterstützt worden war. Am Mittag sprach die Polizei dem Celler Neonazi Dennis Bührig sowie einem Begleiter Platzverweise aus, als sie sich kurz vor dem Beginn der Demonstration dem Bahnhof näherten.

April 2012: An einer spontanen Demonstration gegen ein Treffen von Neonazis auf dem Hof von Nahtz haben sich in Eschede gut 50 Personen beteiligt. Mit Transparenten und Plakaten zeigten sie an der Landesstraße 281 neben der Einfahrt zum Finkenberg friedlich ihren Protest. Die Polizei war mit vier Streifenwagen vor Ort, musste aber nicht eingreifen, außerdem beobachteten Beamte des Staatsschutzes das Geschehen am Hof Nahtz. Die Polizei bezeichnete das Treffen bei Nahtz als Geburtstagsfeier und sprach von rund 50 Teilnehmern. Unter den anreisenden „Gratulanten“ waren nach CZ-Informationen Neonazis aus dem ganzen norddeutschen Raum, die bereits früher an Sonnwendfeiern auf dem Hof teilgenommen hatten.

Juni 2012: Rund 30 Personen haben spontan gegen ein Treffen von Anhänger der Jungen Nationaldemokraten auf dem Hof vom Joachim Nahtz protestiert. An der Zufahrt zum Finkenberg zeigten die Demonstranten mit Plakaten und Bannern zwei Stunden lang Präsenz. Die Zahl der Teilnehmer auf dem Hof Nahtz gab der Einsatzleiter der Polizei mit 20 bis 30 an. Er bezeichnete das Treffen bei Nahtz als "private Veranstaltung". Die Jungen Nationaldemokraten, die Jugendorganisation der rechtsextremen NPD, veranstalteten von 17 bis 22.30 Uhr in Eschede ihre Landeskongress unter dem Motto „Schafft anständige Kerle“.

Juni 2012: Rund 300 Menschen haben sich an einer Demonstration gegen die sogenannte Sonnwendfeier auf Hof Nahtz beteiligt. Sie liefen vom Bahnhof in Richtung der abgesperrten Zufahrtsstrecke. „Die Heide blüht lila und nicht braun“ oder „Nazis raus aus Eschede - Bunt statt braun“ war auf Transparenten zu lesen. Die Polizei erklärte, dass rund 170 Personen aus dem gesamten norddeutschen Raum an der Sonnwendfeier teilnahmen. Am Rande der Kundgebung der Gegendemonstranten wurden Platzverweise an acht alkoholisierte Personen erteilt. Sie seien aus der Gegend und könnten der rechten Szene zugeordnet werden, sie hätten aber nicht an der Feier auf dem Hof Nahtz teilnehmen wollen, so die Polizei.

Oktober 2012: Gut 100 Menschen demonstrierten in Eschede mit einer Mahnwache gegen ein Treffen von Rechtsextremen auf dem Hof Nahtz.

Dezember 2012: Temperaturen um null Grad, Sprühregen und Straßenglätte machten den knapp 80 Demonstranten nichts aus, die sich am Escheder Bahnhof auf den Weg machten, um gegen die Treffen von Neonazis auf dem Hof Nahtz zu protestieren. Polizei begleitete den Protestzug bis zum Kundgebungsort gegenüber der Zufahrt zum Hof Nahtz. Prominenteste Rednerin dort war die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann. Der Celler Superintendent Hans-Georg Sundermann zitierte den Apostel Paulus und sagte, gerade in Blick auf die Neonazis, die in Eschede ihr Unwesen trieben, komme es darauf an, klar und deutlich zu sein. „Und da gibt es für Christenmenschen und andere Menschen, die guten Willens sind nur eine klare Haltung und die heißt „Nein“.“ Neonazis ließen sich übrigens nicht auf dem Hof Nahtz blicken.

2013: Nahtz verkauft sieben Hektar Land und hat keinen Platz mehr für Großveranstaltungen

März 2013: Größere Veranstaltungen mit Neonazis und Rechtsextremisten wird es bei Landwirt Joachim Nahtz in Eschede künftig nicht mehr geben, schreibt die CZ. Der Grund: Nahtz habet schlichtweg keinen Platz mehr für Sonnwendfeiern mit Märschen ums Feuer, für Zeltlager und parkende Autos, hieß es damals. Rund sieben Hektar Grünland, wo diese Aktivitäten bisher stattfanden, sind verkauft. Nahtz bleibt Haus und Hof und rund ein halber Hektar drum herum. Da stehen Container, lagern Gerümpel, Holz, Schrott und Steine, rosten Anhänger und gammeln alte Fahrzeuge vor sich hin.

Juni 2013: An Protesten gegen Nazitreffen haben in Eschede rund 200 Menschen teilgenommen. Am Nachmittag bewegte sich ein vom Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus angemeldeter Demonstrationszug mit rund 100 Teilnehmern vom Escheder Bahnhof über die Landesstraße 281 bis zur Straße „Zum Finkenberg“, der Zufahrt zum Hof Nahtz. Hier fand eine Kundgebung statt, bei der Kirsten Dieckmann für das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus sagte: „Wir freuen uns, dass heute kein Nazitreffen stattfindet.“

September 2013: Bei den Bundestagswahlen holt die NPD mit ihrem Direktkandidaten Joachim Nahtz im Wahlkreis Celle/Uelzen 1,1 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Dezember 2013: Gegen die Treffen von Neonazis haben ain Eschede gut 80 Menschen demonstriert. Bei einer Kundgebung an der L281 gegenüber der Zufahrt zum Hof Nahtz am Nachmittag wertete es Kirsten Dieckmann vom Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus auch als Erfolg der ständigen Proteste, dass die Sonnwendfeiern, die seit 2000 bei Nahtz stattfanden, nun ausfielen. Auf dem Erfolg könne man nicht ausruhen, auch künftig werde demonstriert, damit sich die Nazis nicht erneut breitmachten.

2014: Hof Nahtz brennt und Treffen leben wieder auf

Juni 2014: Den Grund, warum mit den Demonstrationen in Eschede einst begonnen wurde, gab es zumindest am Wochenende nicht mehr. Auf dem Hof Nahtz fand keine Sonnenwendfeier statt, bei der sich früher Rechtsextreme aus dem ganzen Bundesgebiet getroffen haben. Die Organisatoren erfüllte das auch ein bisschen mit Stolz, denn: „Wir haben großen Anteil daran, dass es diese Sonnenwendfeiern nicht mehr gibt, weil wir hier und anderswo immer wieder demonstriert haben“, sagte Klaus Jordan vom Netzwerk Südheide vor 80 Demonstrations-Teilnehmern.

August 2014:Es brennt auf Hof Nahtz. Die Feuerwehren sind mit 80 Einsatzkräften vor Ort und löschen die Flammen. Auf dem Hof von Nahtzhatten zuvor Aufräumarbeiten stattgefunden. Seit Nahtz vor sieben Hektar Wiese verkauft hatte, waren ihm nur noch rund 5000 Quadratmeter Grundstück geblieben. Die waren allerdings mit Schrott und Gerümpel vollgestellt. Als etwa ein Dutzend Freunde zum Aufräumen anrückte, wurden Abfälle in Brand gesteckt. Die Flammen sollen dann auf die Scheune übergegriffen haben. Am Samstagnachmittag war zudem die Stromzufuhr zum Hof Nahtz zerstört worden. Bei Böen waren unweit der Marinesiedlung Äste auf die Freileitung gefallen.

Dezember 2014: Nach zwei Jahren Pause gab es erstmals wieder ein Treffen Rechtsextremer auf dem Hof Nahtz. Wie die Polizei mitteilte, versammelten sich zwischen 40 und 50 Personen auf dem Areal. Den Beamten gegenüber wurde laut eines Polizeisprechers die Aussage getätigt, dass es sich um eine Dankeschön-Feier für die Aufräumarbeiten auf dem Gelände nach dem Brand handeln würde.

2015: Gegendemos gegen Sonnwendfeiern und Erntefest

Juni 2015: Ein Bündnis der Zivilgesellschaft hat in Eschede ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. Unter dem Motto „Menschenrechte – universell und unteilbar“ beteiligten sich etwa 100 Menschen an dem friedlichen Protest gegen Neonazi-Treffen auf dem Hof Nahtz. Zu dem Protest hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund gemeinsam mit den im „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ organisierten Gruppen aufgerufen. Ein Polizeisprecher sagte, dass etwa 70 Personen aus dem gesamten norddeutschen Raum zum Nahtz-Hof gefahren seien, um an der privaten Veranstaltung teilzunehmen.

September 2015: Rund 100 Menschen haben in Eschede gegen ein Treffen von Neonazis demonstriert. Ein Protestzug bewegte sich vom Escheder Ortskern bis zur Hermannsburger Straße, wo an der Zufahrt zum Hof Nahtz eine Kundgebung stattfand. Veranstalter der Demonstration waren der DGB Nordost-Niedersachsen und das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus. Auf dem Hof Nahtz fand ein Erntefest statt, zu dem NPD, Düütsche Deerns, Junge Nationaldemokraten und Freie Kräfte eingeladen hatten. Anreisende Teilnehmer, die den Autokennzeichen nach aus der ganzen Region kamen, wurden von Transparenten empfangen und von den Demonstranten mit Pfiffen bedacht. Die Polizei zählte rund 80 Personen. Die Polizei war mit einer Hundertschaft in Eschede vertreten.

Dezember 2015: Rund 100 Menschen haben in Eschede gegen die Wintersonnenwendfeier von Rechtsextremen demonstriert. Die Demonstranten forderten dabei ein härteres Vorgehen der Behörden gegen diese Treffen auf dem Nahtz-Hof.

2016: Neonazi-Treffen finden weiterhin bei Nahtz statt

Juni 2016: Von Weitem ertönen in Eschede laut die Trillerpfeifen und Rufe wie „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here“, die Solidarität mit Flüchtlingen ausdrücken und ein Zeichen gegen Rassismus setzen sollen. Vom Bahnhof Eschede über die Hermannsburger Straße ziehen etwa 100 Teilnehmer zur Kreuzung Zum Finkenberg/Im Dornbusch, wo eine große Kundgebung gegen ein vermutetes Neonazi-Treffen auf Hof Nahtz stattfindet. Dieses findet aber tatsächlich eine Woche später dort statt: Ungefähr 30 Personen demonstrierten mit einer Mahnwache erneut gegen Nazitreffen auf dem Hof Nahtz. Nach Polizeiangaben hatten sich auf dem Hof Nahtz rund 50 Personen versammelt, die mit 20 Fahrzeugen angereist waren.

September 2016: Rund 30 Bürger sind in Eschede gegen Nazi-Treffen auf die Straße gegangen. Anlass war ein sogenanntes Erntedankfest auf dem Hof Nahtz. Nach Polizeiangaben hatten sich dort etwa 70 Personen, zum Teil auch Familien, aus dem rechten Spektrum eingefunden.

2017: Wieder drei Gegendemos und diesmal auch ein musikalisches Zeichen

Juni 2017: Etwa 200 Nazi-Gegner sind nach Veranstalterangaben nach Eschede gekommen, darunter die Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann, SPD-Landtagsabgeordneter Maximilian Schmidt sowie Kommunalpolitikerin Behiye Uca (Die Linke). Die Polizei sprach von 80 Teilnehmern. Dass die Gegen-Demo die Besucher des Sonnwendfestes – die Polizei sprach von 100 Teilnehmern – nicht kalt lässt, ist offensichtlich: In einiger Entfernung zur Hofeinfahrt hat sich ein silberner Van postiert, der das Geschehen offenbar sehr genau beobachtet.

August 2017: Nicht mit Trillerpfeifen und Plakaten, sondern mit brasilianischen und afrikanischen Trommelklängen sowie mit internationaler Musik haben die Escheder ein Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. "Es ist eine andere Form der Demonstration", sagte der Vorsitzende des Vereins "Initiative Zusammen" Helfried Brinken. "Wir haben die Veranstaltung organisiert, damit sich die Besucher informieren und ihre Ansichten überprüfen können." Gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Demokratie und Menschenrechte Eschede und der Gemeinde wurde "Eschede muckt wieder auf" auf die Beine gestellt.

September 2017: Unter den mehr als 70 Demonstranten gegen ein Erntefest auf Hof Nahtz in Eschede befindet sich auch der Enkel von Joachim Nahtz, Jan Stöckmann. Der 25-Jährige war ebenfalls als Kind auf den Brauchtumsfeiern und sang „alt-deutsche, germanische“ Lieder am Lagerfeuer, ehe er sich später von den Ideologien seiner Familie distanzierte und einen anderen Nachnamen anlegte. „Seitdem geht es mir um hundert Prozent besser und ich habe wieder Arbeit gefunden“, sagt Stöckmann.

Dezember 2017: „Die Veranstaltung findet nicht statt“, hieß es von Seiten der Polizei, als sich die ersten von knapp 60 Teilnehmern der Demonstration gegen die ursprünglich auf Hof Nahtz geplante Wintersonnwendfeier vor der Zufahrt zum Grundstück eingefunden hatten.

2018: Erntefest findet nicht statt, Sonnwendfeiern indes schon

Juni 2018: Der „Feind“ bleibt unsichtbar. Nur ganz selten biegt während der dreistündigen Demonstration gegen Rechts ein Auto ab in Richtung des Hofes Nahtz in Eschede. Jedes Fahrzeug löst unter den rund 100 Demonstranten ein Pfeifkonzert aus. Sie sind der Einladung des Netzwerkes Südheide und des Deutschen Gewerkschaftsbundes gefolgt, der Sonnenwendfeier auf dem Spätaussiedlerhof etwas entgegenzusetzen. Die Veranstalter haben ihr Programm erweitert um Mitmach-Aktionen. Straßenmalerei, ein Trommelworkshop und Singen im Chor stehen zur Auswahl. Die Polizei spricht von 60 Teilnehmern an der Veranstaltung auf Hof Nahtz.

September 2018: „Wir wollen Flagge zeigen, zeigen, dass wir da sind“, sagt Wilfried Manneke. Zusammen mit seinen Mitstreitern des Netzwerks Südheide gegen Rechtsextremismus hat er zu einer Mahnwache Position bezogen an der Hermannsburger Straße. Gegenüber geht es zum Hof Nahtz. An diesem Samstag allerdings ist es ruhig und wie die ebenfalls anwesende Polizei den Demonstranten berichtet, sind auf der Hofstelle keine Aktivitäten zu vernehmen.

Dezember 2018: Das Motto lautete: "Nach den Rechten schauen". Zirka 50 Veranstaltungsteilnehmer trafen sich an der Kreuzung Hermannsburger Straße/Im Dornbusch, um ihrem Protest über die regelmäßig in Eschede stattfindenden Nazitreffen Ausdruck zu verleihen. An der privaten Veranstaltung zur Wintersonnenwende auf dem Hof Nahtz fanden sich etwa 50 Personen des rechten Spektrums ein. Aus polizeilicher Sicht verlief die Kundgebung absolut friedlich, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

2019: Hof Nahtz bleibt in rechtsextremer Hand

Juni 2019: Ein Zeichen setzen gegen die seit mehr als 20 Jahren stattfindenden Treffen von Neonazis will das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus am Samstag, 22. Juni, in Eschede – nachdem bekannt wurde, dass Hof Nahtz an andere rechtsextreme Kräfte verkauft worden ist, rechnet niemand mit einem Abflauen der dortigen Zusammenkünfte. Die Demonstration gegen die zeitgleiche Sonnwendfeier auf dem Hof Nahtz beginnt um 13 Uhr nördlich des Bahnhofs an der Hermannsburger Straße. Die Kundgebung beginnt um 13.45 Uhr an der Landesstraße 281, Kreuzung Am Dornbusch/Zum Finkenberg.

Von Andreas Babel zusammengestellt

Carsten Richter 19.06.2019
Carsten Richter 03.06.2019
28.05.2019
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