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Eschede Was Escheder mit dem Mauerfall verbinden
Celler Land Eschede Was Escheder mit dem Mauerfall verbinden
13:47 10.11.2019
Von Carsten Richter
Die Moderatoren Joachim Gries (links) und Nina Schurig im Gespräch mit Zeitzeuge Andreas Schallenberg.  Quelle: David Borghoff
Eschede

Emotionen pur zum 30. Jahrestag des Mauerfalls. Nicht nur in Berlin und an anderen von der deutschen Teilung betroffenen Orten wurde an diesem Wochenende an die bedeutenden politischen Ereignisse am 9. November 1989 erinnert. Auch in Eschede sorgte der Berliner Mauerfall am Freitagabend für reichlich Gesprächsstoff. Beim "Dorfgespräch" im Christophorushaus, veranstaltet von der Ratsfraktion der Bürger für Eschede (BüfE), tauschten sich rund 40 Interessierte aus – dabei wurden spannende, nachdenkliche und kuriose Erlebnisse noch einmal lebendig.

Klaus Drögemüller beschreibt zu Beginn der Veranstaltung die Situation in Eschede nach dem Mauerfall.  Quelle: David Borghoff

Nach dem Mauerfall gab es Wohnungsnot in Eschede

Beinahe jeder hätte bei der Veranstaltung etwas zu dem geschichtsträchtigen 9. November vor 30 Jahren erzählen können. Denn die Bilder aus dem Fernsehen oder den Zeitungen, die damals um die Welt gingen, haben alle noch im Kopf. Zumal auch durch Eschede die Kolonnen aus Trabis und Wartburgs rollten. Und selbst an den Wochenenden nach dem Mauerfall im Rathaus Begrüßungsgeld an die DDR-Bürger verteilt wurde. "Vor der Wende hatten wir viele Einwohner verloren. Das haben wir durch den Zuzug aus dem Osten wieder aufgeholt. Plötzlich hatten wir Wohnungsnot in Eschede", erinnert sich Klaus Drögemüller, heutiger BüfE-Fraktionschef, zu Beginn der Veranstaltung.

Heinrich Lange fuhr nach dem Mauerfall nach Berlin und berichtet von seinen Erlebnissen.  Quelle: David Borghoff

Zeitzeugen haben viel zu erzählen

Während auf eine Leinwand Bilder vom 9. November 1989 und den Tagen danach projiziert wurden, hatte jeder im Raum die Ereignisse wieder vor Augen – auch durch die abwechslungsreichen Erzählungen der Zeitzeugen. Zum Beispiel von der ersten Reise nach Dresden oder Berlin. "Wir haben uns gegenseitig geholfen, auf der Mauer zu sitzen, und haben Mauerstücke herausgebrochen", berichtet der Escheder Heinrich Lange.

Matthias Karres aus Höfer hatte für eine Reise in die DDR ein Visum beantragt. Die Reise fand am 9. November 1989 statt. Quelle: Carsten Richter

Eindrucksvolle Bilder an der Grenze

Auch der Höferaner Matthias Karres hat unvergessene Erinnerungen. "Mit meiner damaligen Freundin wollte ich eine Brieffreundin in der DDR besuchen. Ein halbes Jahr vorher haben wir schon ein Visum beantragt – das Reisedatum war der 9. November 1989." An der innerdeutschen Grenze seien die Erwartungen dann noch einmal übertroffen worden. "Es war viel eindrucksvoller, als man sich das hätte ausmalen können." Die freudigen Gesichter der ausreisenden DDR-Bürger, die von Westdeutschen in Empfang genommen wurden. Und die vielen Trabis. Bilder, die Karres bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte. "Das eins zu eins mitzuerleben, war noch einmal eine Nummer größer."

Michaela Nowotnick (39) ist im Spreewald aufgewachsen und wohnt erst seit einem Jahr in Scharnhorst.  Quelle: Carsten Richter

Zum ersten Mal den Berliner "Ku'damm" gesehen

Aus ostdeutscher Sicht kann zum Beispiel Michaela Nowotnick berichten. Die 39-Jährige stammt aus dem Spreewald und ist erst vor einem Jahr nach Scharnhorst gezogen. Zwei Tage nach dem Mauerfall ist die damals Neunjährige mit ihren Eltern nach West-Berlin gefahren. Zum ersten Mal den "Ku'damm" und das KDW sehen, das wird sie nie vergessen. "Obwohl wir Westklamotten trugen, wurden wir trotzdem als Besucher aus dem Osten identifiziert, wohl wegen der großen staunenden Augen", sagt sie. Ohne den Mauerfall hätte ihr Leben einen anderen Verlauf genommen. "Ich hätte nicht Literaturwissenschaft studieren können, da bin ich mir ziemlich sicher."

Der Thüringer Andreas Schallenberg musste sich nach dem Mauerfall in Niedersachsen einen neuen Job suchen.  Quelle: Carsten Richter

Trabant-Schlosser hatten keine Zukunft mehr

"Ich habe alles richtig gemacht", sagt Andreas Schallenberg. Als Kfz-Schlosser für Trabanten wusste der heute 52-Jährige, dass er nach dem Mauerfall in Thüringen keine berufliche Zukunft haben werde. Schon wenige Monate nach der Grenzöffnung ist er deshalb von Friedrichroda bei Eisenach nach Westdeutschland übergesiedelt und wohnt seitdem in Eschede. In der DDR hat er seine erhoffte Laufbahn als Armeesportler abgebrochen, nachdem er bei Wettkämpfen in Leningrad (heute Sankt Petersburg) verpfiffen wurde. Der Grund: "Ich hatte mit einem westdeutschen Mädchen gesprochen." Als Beamter bei der Bahn hat er schließlich in Niedersachsen Fuß gefasst.

Schokolade statt Strafzettel für DDR-Bürger

Schokolade statt Strafzettel für DDR-Bürger in Hamburg, automatische Toilettenspülungen auf dem Berliner Ku'damm, eine abenteuerliche Busfahrt nach Salzwedel oder die Einsicht in die eigene Stasi-Akte. Der Abend im Christophorushaus hat ein buntes Sammelsurium an persönlichen Geschichten zutage gefördert. Doch egal, ob früher "Ossi" oder "Wessi", Escheder sind sie heute alle.

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