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Eschede Enkel befreien Escheder aus misslicher Lage
Celler Land Eschede Enkel befreien Escheder aus misslicher Lage
17:41 15.01.2019
Von Carsten Richter
Peter Schaper ist ein erfahrener Steinmetzmeister. Vor Arbeitsunfällen ist aber auch er nicht geschützt. Die Hilferufe seiner Enkelkinder Levi (links) und Jonte haben Autofahrer und Fußgänger ignoriert. Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

So ist das im Leben. Manchmal entscheiden wenige Sekunden über Glück und Unglück. Das hat auch Peter Schaper erfahren. Nur einen Moment hat er nicht aufgepasst. Die Folge: Ein Krankenhausaufenthalt, der mittlerweile mehr als zwei Wochen andauert. Und der 72-jährige Escheder hat zwei völlig gegensätzliche Erfahrungen gemacht – nämlich große Hilfsbereitschaft auf der einen Seite und Sturheit und Ignoranz auf der anderen Seite kennen gelernt.

Fuß von 350 Kilogramm schwerem Stein eingeklemmt

Was war passiert? Es war der 29. Dezember. Am Vortag hatte Schaper, der seit Jahrzehnten selbstständiger Steinmetzmeister in Eschede ist, für seinen Betrieb mit dem Pick-up einen etwa 350 Kilogramm schweren Stein aus Lemgo abgeholt. Er soll einmal auf dem Friedhof in Ahnsbeck stehen. Am nächsten Tag wollte er ihn von der Ladefläche holen und mit dem Gabelstapler zur Bearbeitung weitertransportieren – reine Routine für den Geschäftsmann. "Ich habe das schon tausendmal gemacht", erzählt Schaper. Für seine beiden Enkelsöhne Levi und Jonte hingegen ist das ein Erlebnis. Sie waren bei ihm – im Nachhinein sein großes Glück. "Ich saß auf der Ladefläche, sie waren auf dem abgestellten Gabelstapler", beschreibt er die Situation. "Als ich zu den beiden herübergeschaut habe, war ich einen Moment unachtsam." Das Fatale: Der Stein kam ins Rollen und fiel ihm direkt auf den rechten Fuß, der vollkommen eingeklemmt wurde. Schmerzen? Die habe er in diesem Augenblick gar nicht gespürt, erzählt Schaper. Zu groß sei der Schreck gewesen. "Ich habe nur noch die lauten Schreie von Levi und Jonte in Erinnerung."

"Warum gehen die Leute einfach vorbei?"

Gut zwei Wochen später: Schaper liegt in seinem Krankenbett im Allgemeinen Krankenhaus Celle. Sein rechter Fuß ist eingegipst. Die Diagnose: Das Schienbein sowie der Außen- und Innenknöchel sind gebrochen. Um ihn herum die beiden Enkelsöhne, seine Retter. "Als es passiert ist, haben sie geweint wie Schlosshunde", sagt er. In dieser scheinbar ausweglosen Situation war guter Rat teuer: Schaper selbst konnte sich nicht befreien. Was also tun? Jonte und Levi sind zur Straße gelaufen, haben um Hilfe gerufen und gewunken – in der Hoffnung, dass ein Autofahrer anhält oder ein Fußgänger stehen bleibt. Fehlanzeige. "Ich war total sauer. Warum gehen die Leute einfach vorbei?", erzählt der siebenjährige Levi. Auch zwei jüngere Frauen mit Kinderwagen hätten seine Rufe einfach ignoriert.

20 Minuten ohne Hilfe gewesen

"Das Problem war, dass mein Gewebe durch die Schwere des Steins nicht durchblutet wurde", erklärt Schaper. Er schätzt, dass er rund 20 Minuten ohne Hilfe da lag. Nach einigen Fehlversuchen, den schweren Stein zu bewegen, haben seine Enkel schließlich ein Kantholz geholt. Das brachte den ersehnten Erfolg: Schaper half mit der Hand nach, zu dritt haben sie den Stein bewegen können – er war von der schweren Last befreit. Inzwischen waren auch seine Tochter und sein Schwiegersohn vor Ort, der den Krankenwagen geholt hat.

Lediglich ein Nachbar hat Hilfe angeboten

So dankbar er für die Hilfe seiner Familie und insbesondere seiner Großsöhne ist, so sehr beschäftigt ihn das Verhalten der Autofahrer und Fußgänger. Lediglich ein Nachbar hatte auf die Schreie der Kinder reagiert und hat dem Verletzten Hilfe angeboten. Schaper meint: "Unterlassene Hilfeleistung ist ein gesellschaftliches Problem. Die Menschen müssten mehr miteinander kommunizieren." Jetzt braucht der 72-Jährige Geduld. Er wartet darauf, dass er ein zweites Mal operiert wird.

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