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Eschede Abschied vom Sieben-Tage-Job
Celler Land Eschede Abschied vom Sieben-Tage-Job
18:01 30.01.2019
Von Carsten Richter
Harmonisches Verhältnis: Dieter Misselhorn kennt seine Tiere - und sie kennen ihn. Nach mehr als 30 Jahren will der 80-Jährige seine Schäferei aufgeben. Quelle: Oliver Knoblich
Scharnhorst

Seine Tiere kennen ihn. Als Dieter Misselhorn das Tor zu seiner Schafweide bei Scharnhorst öffnet, kommen die 17 Mutterschafe und 23 Lämmer auf ihn zugelaufen. Die meisten reagieren skeptisch, als sie die beiden fremden Besucher von der Celleschen Zeitung sehen. Lediglich ein Jungtier folgt dem Fotografen und dem Reporter neugierig auf Schritt und Tritt. Misselhorn und seine Herde harmonieren miteinander, das ist vom ersten Moment an zu spüren. "Durch die Schafe bleibe ich immer in Bewegung", freut sich der 80-Jährige. Nun aber ist die Zeit des Abschiednehmens gekommen. Nach mehr als 30 Jahren will der Scharnhorster seine Schäferei aus Altersgründen aufgeben.

"Irgendwann muss Schluss sein"

Die Tiere sind ihm ans Herz gewachsen – kein Wunder nach so langer Zeit. Trotzdem sieht er das Ganze realistisch. "Ich habe mich damit abgefunden", sagt Misselhorn. "Irgendwann muss Schluss sein."

Misselhorn ist gebürtiger Scharnhorster. Beruflich schlug er zunächst eine andere Richtung ein. Er wurde Zimmermann. Bis zu diesem einen Wintertag im Jahr 1983. "So hoch lag der Schnee", erinnert er sich und zeigt mit den Händen die Höhe an. Auf einem freien Feld bei Endeholz hat er einen Wanderschäfer mit seiner Herde gesehen. Sie kamen miteinander ins Gespräch, Misselhorn half ihm auf die Tiere aufzupassen. Schließlich hat er die ersten vier Schafe von ihm bekommen – so fing alles an.

Nur reinrassige Tiere gekauft

Eine Heidschnucke gehört zu seiner Herde, ansonsten hält er Leineschafe. "Sie sind sehr fruchtbar", sagt der Schäfer, der immer reinrassige Tiere bei Auktionen gekauft hat. Geld verdienen kann er, wenn überhaupt, nur mit Lämmern. Trotzdem war die Schafhaltung seit dem besagten Wintertag immer nur sein Hobby.

Durch Schafe wieder gesund geworden

Gesundheitliche Probleme haben Misselhorn dazu gezwungen, seinen alten Beruf als Zimmermann aufzugeben. 1986 musste er sich zwei Bypass-Operationen unterziehen, daraufhin wurde er Frührentner. "Durch die Tiere bin ich wieder gesund geworden", erzählt er.

800 Tiere waren Rekord

So kam es, dass er sich nach und nach immer mehr Schafe zulegte. Im Dezember 2000, so berichtete die Cellesche Zeitung damals, hatte er 400 Leineschafe. "An Heiligabend gibt's Drillinge" lautete die Schlagzeile. "444 Muttertiere, das war mal mein Rekord", sagt Misselhorn und lacht. Mit den Lämmern hatte er zusammen 800 Tiere. Das Wissen um den Umgang mit ihnen hat er sich selbst angeeignet. "Einen Tierarzt brauche ich nicht", so der Hobby-Schäfer.

Wölfe erschweren die Arbeit

Das Halten der Schafe, das weiß er nur zu gut, ist ein Sieben-Tage-Job. In der Lammzeit ist er sogar Tag und Nacht gefordert. Deshalb sei es schwierig, Unterstützung zu bekommen. Die Ausbreitung der Wölfe kommt noch hinzu. "Es ist fürchterlich. Schon zwei, drei Mal habe ich den Wolf hier gesehen", sagt Misselhorn – zum Glück sei er von Rissen verschont geblieben. Seit zwei Jahren holt er die Herde deshalb nachts in den Stall, morgens lässt er sie wieder ins Freie.

Dieser gewohnte Alltag soll nun enden. Misselhorn hofft, einen Käufer für seine geliebten Tiere zu finden.

Weidetiere vor dem Wolf schützen

Die großen Plakate wie hier an einer Scheune in Heese bei Eldingen fallen ins Auge: Das Foto eines Wolfes, dazu ein rotes Herz. "I love Weidetiere" steht dort. Die Intention ist klar: Schafe und andere Tiere sollen vor Übergriffen durch Meister Isegrim geschützt werden. Ins Leben gerufen hat die Plakatinitiative das Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement. Gegründet wurde es vor rund zwei Jahren von den im Landvolk Niedersachsen zusammengeschlossenen Tierhaltern. "Viele Schäfer geben ihren Betrieb auf, weil der Schutz vor dem Wolf mit großem Aufwand verbunden ist", sagt Celles Kreislandwirt Jürgen Mente. Seit der Gründung des Aktionsbündnisses würden betroffene Landwirte schneller Hilfe bekommen, bilanziert Mente. 

Um die Grundversorgung der ländlichen Bevölkerung sicherzustellen, gibt es Fördermöglichkeiten. Aus diesem Grund findet ein Info-Abend statt.

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