Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Eschede Mutmacherabend in Molkerei: Hamlet zum Abschied
Celler Land Eschede Mutmacherabend in Molkerei: Hamlet zum Abschied
18:47 10.03.2019
Hausherr Günter Strauss (rechts) klärt im Gespräch mit Joachim Gries (links) über die Geschichte des Molkereiwesens in Eschede auf. Quelle: Anke Schlicht
Eschede

„Waren Sie nicht mal russischer Spion?“ Oder: „Hat sich Arno Schmidt eigentlich mit Milchprodukten beschäftigt?“ – Der Moderator und frühere CZ-Redakteur Joachim Gries hatte am Freitagabend bei der dritten Auflage des Mutmacherabends der Bürger für Eschede (BüfE) Fragen in petto, die so eigenartig waren wie die Location, um die mancher Veranstalter aus der Großstadt die Escheder beneiden dürfte: die ehemalige Molkerei Strauss.

Eine steile Treppe führt die rund 200 Besucher hinauf in einen fast vollständig gekachelten Raum ohne Fenster und mit nacktem Zementboden – eine Atmosphäre, die förmlich nach Kultur schreit und sie auch bekommt. Der Musiker und ehemalige Escheder Phil Barnes singt Balladen. Der Hausherr und Fachmann für das Molkereiwesen, Günter Strauss, berichtet über Historisches. Und Neubürger Felix Meyer bringt innerhalb seines Monologs „Flasche leer“ Hamlet auf die Molkereibühne.

Neubürger Meyer ist kein Spion

Bei dem wortgewaltigen Meyer handelt es sich keineswegs um einen russischen Spion, sondern um ein ehemaliges Mitglied des Schlosstheater-Ensembles – und zwar eines der besten. „Von 1982 bis 1992 habe ich in Russland gelebt, das stimmt. Aber nur weil mein Vater dort Korrespondent war“, klärt Meyer die Spiongeschichte auf.

Der Schauspieler ist nicht der einzige Neuankömmling mit kulturellem Hintergrund. Auch die übrigen Zugezogenen haben spannende Geschichten über die Motive parat, die sie nach Eschede verschlugen. Von der Suche nach Häusern mit Charakter, der Herausgabe von Büchern und mit dem Rad zurückgelegte Fahrten über die Dörfer zum Arbeitsplatz ist die Rede.

Die Arno-Schmidt-Stiftung hat neue wissenschaftliche Mitarbeiter, die mit viel Kultur im Gepäck in Scharnhorst wohnen und in Bargfeld arbeiten. Die originelle Frage des Moderators zum Schriftsteller Schmidt fördert ein „Nein“ zutage. Die Produkte sind womöglich zu alltäglich, aber der Ort, wo sie einst hergestellt wurden, bietet in der Form, wie er sich am Freitag präsentierte, jede Menge Anregung.

"Eschede News" auf der Leinwand

Sogar eine eigene Wochenschau mit „Eschede News“ gibt es mittlerweile. Klaus Drögemüller und Joachim Gries haben als verantwortliche Redakteure die dorfpolitischen Themen mit kleinen Videoeinspielern aufbereitet. Die Zwischenmoderationen kommen nicht etwa aus dem Off. Nina Schurig und Frank Schwarzlos sind in die Rollen von Nachrichtensprechern geschlüpft und liefern ihren Mitbürgern von der Leinwand herunter interessante Inhalte von der Gestaltung des Ortskerns bis zur Baulandinitiative.

„Eschede goes Kultur“, hätte als Slogan den Mutmacherabend begleiten können. Wie sagte doch Felix Meyer in der Rolle des Knut aus „Flasche leer“ auf der kleinen Molkereibühne: „Provinz findet doch sowieso nur im Kopf statt.“

Von Anke Schlicht

Habighorst soll grüner werden: Dafür sorgen insgesamt 50 neu gepflanzte Obstbäume. Das Projekt wird gefördert.

Carsten Richter 01.03.2019

Viele Vorhaben in Eschede: Während es beim Feuerwehrgerätehaus sichtbar vorangeht, steht die Gemeinde bei der Glockenkolk-Umgestaltung erst am Anfang.

Carsten Richter 22.02.2019

Insekten sind Bestandteil des Ökosystems. Um es zu pflegen, darf es im Garten auch mal ungepflegt aussehen - so der Tenor einer Diskussion in Eschede.

16.02.2019