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Eschede Innenminister soll NPD-Zentrum schließen
Celler Land Eschede

Offener Brief: Innenminister Pistorius soll NPD-Zentrum Eschede schließen

18:55 06.10.2020
Von Christian Link
Die NPD will Hof Nahtz zu einem „Bildungs- und Gemeinschaftszentrum“ ausbauen – dagegen gibt‘s Protest. Quelle: Oliver Knoblich (Archiv)
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Eschede

Beim Kampf gegen die Neonazis auf Hof Nahtz hoffen die NPD-Gegner jetzt auf Schützenhilfe aus Hannover. In einem offenen Brief fordern sie den niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD) dazu auf, das rechtsextreme Veranstaltungszentrum wegen Verfassungsfeindlichkeit schließen zu lassen. Wer sich der Forderung anschließen möchte, kann die Aktion bis Ende des Jahres mit seiner Unterschrift unterstützen. Im Januar 2021 soll die Petition dem Minister persönlich überreicht werden.

Drei Bündnisse fordern Verbot

Hinter der Aktion stecken drei Initiativen, die schon länger gegen einen Neonazi-Stützpunkt auf Hof Nahtz ankämpfen: Das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus, das Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede und Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus Celle. „Wir fordern, das NPD-Zentrum in Eschede zu schließen“, lautet die unmissverständliche Überschrift.

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Hetendorf als Vorbild für Eschede

„Die Situation ist für die Menschen in Eschede und Umgebung unerträglich. Es muss gehandelt werden“, heißt es in dem offenen Brief. Der Innenminister wird aufgefordert, „alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und auszuschöpfen“. Dabei verweisen die Verfasser, zu denen unter anderem Netzwerk-Sprecher Wilfried Manneke gehört, auf das Verbot des Neonazi-Zentrums „Hetendorf 13“ bei Faßberg im Jahr 1998 durch den damaligen Innenminister Gerhard Glogowski (SPD).

Glogowski hatte damals gegen den Betreiber des Schulungzentrums ein Vereinsverbot ausgesprochen, weil dieser die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik bekämpfe. Das Verbot wurde später höchstrichterlich bestätigt.

Eine Online-Petition hatte noch am Starttag innerhalb weniger Stunden mehr als 400 Unterzeichner. Weitere Informationen gibt es hier zu lesen.

Der offene Brief im vollen Wortlaut

Wir fordern, das NPD-Zentrum in Eschede zu schließen
Offener Brief an den niedersächsischen Innenminister

Sehr geehrter Herr Minister Pistorius,

seit über 30 Jahren ist der Hof Nahtz in Eschede Zentrum verschiedenster rechtsextremistischer Kreise und Organisationen. Hier versammeln sich Neonazis aller Schattierungen, neonazistische Jugendorganisationen, junge und alte NPDler usw. Brauchtumsfeiern dienen der Stärkung der Szene nach innen. Kinder und Jugendliche werden früh auf das rechtsextremistische Gedankengut eingeschworen. Die Gewaltbereitschaft der Szene wird immer wieder deutlich, sei es durch erhebliche Waffenfunde bei Hausdurchsuchungen und aggressivem Auftreten gegenüber der Bevölkerung.
 
Schon seit Beginn des rechtsextremistischen Treibens ist der zivilgesellschaftliche Widerstand aktiv. Jede Veranstaltung der Rechtsextremisten ist von Protesten begleitet. Rat und Verwaltung der Gemeinde Eschede haben sich eindeutig positioniert.
 
Im Jahr 2019 hat die NPD-Niedersachsen das Anwesen übernommen. In der Region wächst die Sorge, dass hier erneut ein Schulungszentrum für rechtsradikale Aktivitäten und Gesinnung entsteht. Das Neo-Nazizentrum „Hetendorf 13“ wurde 1998 vom damaligen Innenminister Glogowski wegen Verfassungswidrigkeit geschlossen.
 
Die Situation ist für die Menschen in Eschede und Umgebung unerträglich. Es muss gehandelt werden! Wir bitten Sie, Herr Minister, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und auszuschöpfen. Unser Widerstand wird anhalten und wachsen bis zu einem Verbot der rechtsextremen Aktivitäten auf dem Hof. Das NPD-Zentrum in Eschede muss geschlossen werden!

• Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus
• Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede
• Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus Celle

Oliver Gatz 06.10.2020
Christoph Zimmer 06.10.2020
Marie Nehrenberg-Leppin 04.10.2020