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Eschede Region um Endeholz ist steinreich
Celler Land Eschede Region um Endeholz ist steinreich
16:01 15.07.2011
Uwe-M. Troppenz bei der Suche nach Versteinerungen an einem Acker bei Endeholz. Quelle: nicht zugewiesen
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Endeholz

Für Uwe-M. Troppenz sind Steinhaufen „ein gefundenes Fressen“. Denn unter den Überbleibseln der Eiszeitgletscher findet der Privatpaläontologe aus Parchim in Mecklenburg-Vorpommern immer wieder Versteinerungen, die die ältesten Spuren von Lebewesen tragen. Auch im Bereich um Endeholz, wo seine Mutter lebt, wird der Experte immer wieder fündig. Etwa alle zwei Monate unternimmt der 63-Jährige dort Ausflüge, besonders im Frühjahr und Herbst ist die Ausbeute gut.

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Die steinernen Zeugen gehen auf die Zeit vor 500 Millionen Jahren zurück. Damals entstanden die ersten Lebewesen. Und sie hinterließen Spuren in den Steinen, die Troppenz sammelt und auswertet. Was er in Endeholz findet, stammt aus Dänemark und Schweden. Die Eiszeit hat die Geschiebe in die Südheide transportiert, bei Endeholz liegen sie seit etwa 70.000 Jahren.

Die Wissenschaft hat die Versteinerungen mit zungenbrecherischen Namen belegt. Sie lauten „Skolithos linearis“, „Monocraterion tentaculum“ oder „Diplocraterion parallelum“. Es sind Wohn- oder Fressbauten, die von unbekannten Organismen angelegt worden sind, deren Tätigkeit im Meeresboden von einer Zeit berichtet, in der sich das mehrzellige Leben fast explosionsartig verbreitete: dem – wie es in der Paläontologie genannt wird – unteren Kambrium vor rund 550 Millionen Jahren. Die Versteinerungen sind Spuren von Weichtieren, zum Beispiel von Würmern. „Damals waren praktisch alle Tierstämme schon vorhanden“, sagt er.

Ergebnisse seiner Arbeit hat Troppenz jetzt in einer Broschüre mit dem Titel „Dem ersten Leben auf der Spur“ präsentiert. In den 36 Seiten kommt Endeholz mehrfach vor – im Text wie auch in den Abbildungen von Spurenfossilien. Die populär geschriebene Arbeit gibt die wissenschaftliche Diskussion zu den einzelnen Fossilien wieder und wird nach Troppenz Angaben inzwischen von Experten in Deutschland und in der Welt diskutiert. Troppens ist an dem Austausch, aber auch am Tausch von Fossilien interessiert: www.fossilien.oyla.de

Der Privatpaläontologe war lange Lokalredakteur in Schleswig-Holstein, seit 35 Jahren beschäftigt er sich in seiner Freizeit mit Geschiebefossilien. Er ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Geschiebekunde. „Es ist so faszinierend, was ich nicht nur in Endeholz gefunden habe“, sagt er über sein Hobby.

Von Joachim Gries