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Faßberg Bewegte Ruhe in der Müdener St.-Laurentius-Kirche
Celler Land Faßberg Bewegte Ruhe in der Müdener St.-Laurentius-Kirche
09:53 13.08.2018
Jahrhundertealte Musik begeistert auch heute noch: Das stellten „Raggio di Sol“ in der Müdener St.-Laurentius-Kirche unter Beweis.Das Ensemble ließ die Zuhörer in die Klangwelt der Renaissance und des Frühbarocks eintauchen. Quelle: Christina Matthies
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Müden (Örtze)

MÜDEN.

„Momente der sinnlichen Besinnung, der bewegten Ruhe und des Eintauchens in eine Kultur des hörenden Herzens“ hatten „Raggio di Sol“ bereits im Begleitheft versprochen, das noch vor Konzertbeginn an alle Besucher verteilt worden war – ein geschickter Schachzug übrigens, erwiesen sich die darin enthaltenen Erläuterungen sowie die deutsche Übersetzung der zumeist in spanischer Sprache gesungenen Texte doch als ausgesprochen hilfreich für das Verständnis einer für heutige Ohren eher ungewöhnlichen Musik.

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Und ein hingebungsvolles Eintauchen in die Klangwelt der Renaissance und des Frühbarocks war es dann auch, was „Raggio di Sol“ an diesem Abend bot – in harmonischer Vielstimmigkeit und mit gesanglicher Präzision. Im ersten Teil ihres musikalischen Streifzuges widmeten sich fünf Sängerinnen und vier Sänger Kompositionen aus dem Reich der Habsburger. Geistliche Lieder („Gracias al cielo doy“ von Juan Vázquez, „Laudate Dominum“ von Philippe de Monte) wechselten mit rhythmisch lebhaften Werken – beispielsweise das erdverbundene „Oy comamos y bebamos“ von Juán del Encina. „Essen wir, trinken wir so viel, bis wir platzen“ heißt es dort im Text – eine Aufforderung, die das Ensemble zum großen Vergnügen des Publikums mit Weinflaschen und Torkeleien auch pantomimisch darstellte.

Ein weiterer Höhepunkt: Die „Pavane“ von Thoinot Arbeau – Chorleiter Alfredo Ihl und Sopranistin Beatrix Kappelmann ließen es sich hier nicht nehmen, die „Königin der Schreittänze“ mit ihren anmutigen Bewegungen persönlich vorzuführen, und so das höfische Treiben im Europa des 16. Jahrhunderts gelungen in Szene zu setzen.

Mit Werken von Henry Purcell („If music be the food of love“), Melchior Franck („O, dass ich dich mein Bruder“) und drei großartigen Sätzen der „Messa concertata für Soli, Chor und Basso Continuo“ von Giovanni Battista Casali („Kyrie“, „Gloria“, „Agnus Dei“) widmeten sich „Raggio di Sol“ nach der Pause dem Barock – die fünfstimmig vorgetragenen Madrigalen von Heinrich Schütz („O primavera, gioventù de l‘anno“) und Claudio Monteverdi („Si, ch‘io vorrei morire“) bildeten dabei das Glanzstück des Konzerts, bei dem das Ensemble die ganze Bandbreite seines stimmlichen Könnens entfaltete. So viel Hingabe an die barocke Musik wurde mit reichlich Schlussapplaus bedacht, ebenso wie die zwei Zugaben, mit denen sich die Hannoveraner schließlich verabschiedeten.

Von Christina Matthies