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Faßberg Hakenkreuz spaltet Faßberg: Emotionale Diskussion um Glocke in Michaelkirche
Celler Land Faßberg Hakenkreuz spaltet Faßberg: Emotionale Diskussion um Glocke in Michaelkirche
15:29 10.06.2018
Von Christopher Menge
Quelle: Oliver Knoblich
Faßberg

„Aus historischer oder denkmalpflegerischer Sicht ist die Faßberger Glocke deshalb so, wie sie ist, unbedingt zu erhalten“, so Rake. Läuten müsse die Glocke, auf der ein zwei mal zwei Zentimeter großes Hakenkreuz und ein Luftwaffenadler abgebildet sind, aber nicht zwangsläufig. Dieser Meinung war allerdings nur ein Teil der 250 Besucher der Veranstaltung am Freitagabend. Viele Faßberger wollen „ihre Glocke“ nach wie vor behalten.

Militärhistoriker Frank Hagemann wies auf die Entstehungsgeschichte Faßbergs hin. Nach der Machtergreifung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 seien geeignete Standorte gesucht wurden, um geheime Flugplätze einzurichten. Unter anderem wegen der dünnen Besiedelung stießen die Nazis auf das heutige Faßberg, wo schließlich der Fliegerhorst entstand. Neben dem Auftrag zum Bau von Wohnungen für das Luftwaffenpersonal wurde in Berlin auch entschieden, dass eine „reichseigene Kirche“ in Faßberg gebaut werden sollte – die heutige Michaelkirche.

Und warum bekam die Glocke den Luftwaffenadler mit dem Hakenkreuz? Das sei aus militärhistorischer Sicht nicht eindeutig zu klären. „Vermutlich wollte das Luftfahrtsministerium durch das Hohheitszeichen seine besondere Rolle beim Bau der Kirche deutlich machen“, so Hagemann. „Die Glocke ist ein historischer Sachzeuge, die die enge Bindung an die Luftwaffe im Dritten Reich dokumentiert.“

Rake betonte darüber hinaus, dass die Faßberger Glocke nicht mit denen in Herxheim und Schweringen vergleichbar sei. „Eine bewusste Äußerung der Kirche zum NS-Staat wird in Faßberg nicht ausgedrückt“, sagte die Kirchenhistorikerin. Schließlich sei die Kirche bei der Planung und dem Bau nicht beteiligt gewesen.

Für Rudolf Hensch handelt es sich aber dennoch um eine Glocke mit einem Symbol, mit dem nicht zum Gottesdienst gerufen werden darf. „Lass uns bedenken, was unter diesem Hakenkreuz passiert ist“, sagte er. „Ein Symbol verliert nicht seine Kraft, nur weil es klein ist.“ Hans Stenmans, der über 1600 Unterschriften für den Erhalt der Glocke gesammelt hat, kritisierte dagegen erneut den Beschluss des Kirchenvorstandes, die Glocke austauschen zu wollen. Zudem forderte er die Einberufung einer Gemeindeversammlung, um über das Thema gemeinsam zu beraten.

Wie emotional beladen das Thema ist, zeigte sich dadurch, dass es immer wieder Zwischenrufe gab. Rake zeigte Verständnis, dass viele ihre Glocke behalten wollten. Schließlich würden alle Gottesdienste in den vergangenen Jahrzehnten in Misskredit gezogen werden, wenn man jetzt sage, dass mit dieser Glocke nicht zum Gottedienst gerufen werden dürfe. „Aber, jetzt macht das Hakenkreuz etwas mit uns, daher dürfen wir sie nicht einfach hängen lassen“, sagte sie.

Doch, sagen allerdings viele Faßberger. Das Geld für eine neue Glocke könnte sinnvoller ausgegeben werden, sagte ein Zuhörer: „Geschichte kann man nicht durch Abhängen einer Glocke verändern.“ Ein anderer Besucher meinte allerdings, dass sich die Situation verändert habe, weil man jetzt um das Hakenkreuz wisse. Man könnte es einfach abschleifen, meinte ein anderer.

Gefordert wurde auch immer wieder eine Abstimmung in der Gemeinde. Dafür müsste der Kirchenvorstand seinen Beschluss zurücknehmen ...

Das Schicksal der Hakenkreuz-Glocke in der Faßberger Michaelkirche ist längst besiegelt. Doch die Querelen um das Relikt aus der Nazi-Zeit dauern an. Auch wenige Tage vor der Bürgerversammlung, bei der die Faßberger über die NS-Vergangenheit ihres Orts sprechen wollen, kommen die Streithähne nicht zur Ruhe. Auslöser dafür ist ein kantiger Artikel des Kirchenvorstands im jüngsten Gemeindebrief.

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