Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Faßberg So läuft Blockade von Rheinmetall in Unterlüß ab
Celler Land Faßberg So läuft Blockade von Rheinmetall in Unterlüß ab
12:20 06.09.2019
Von Dagny Siebke
An vier Stellen haben insgesamt 200 Aktivisten die Zufahrtswege von Rheinmetall blockiert. An der Hauptzufahrt waren bis zu 100 Menschen vor Ort. Quelle: Houmer Hedayat
Unterlüss

Aktivisten des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“ haben am Freitagmorgen die Zufahrtswege zum Produktionsstandort „Rheinmetall Waffe Munition“ in Unterlüß blockiert. Nach Polizeiangaben nahmen insgesamt 200 Menschen an vier verschiedenen Orten daran teil.

"Bislang verlief die Blockade friedlich", sagt der Celler Polizeibeamte Christian Riebandt. "Viele Mitarbeiter von Rheinmetall konnten zu Fuß und mit Polizeibegleitung ihren Arbeitsplatz erreichen." Die Hauptblockade mit 100 Aktivisten ist vor Ort an der Neulüßer Straße zu finden. "Den Tripod haben die Demonstranten inzwischen aufgeben", so Riebandt. Beim Tripod handelt es sich um eine Konstruktion aus drei langen Baumstämmen. Zudem protestierte eine Aktivistin früh am Morgen von einem Strommast aus.

Bilder zur aktuellen Blockade von Rheinmetall in Unterlüß. Quelle: Kerstin Schneider

Drei weitere Blockaden waren bislang mit 40, 30 und 20 Aktivisten besetzt. "Rund um das Werk haben sie verschiedene Möglichkeiten gefunden, Zufahrtswege zu blockieren. Doch da das Werk abseits von allem liegt, gibt es keine Verkehrsbehinderungen", so Riebandt. An den Gleisen seien in der Spitze 60 Menschen vor Ort gewesen. Auch an zwei Waldwegen zu den Toren Rheinmetalls zeigten die Aktivisten Präsenz.

300 Menschen nehmen vor Demo an Protestcamp teil

Christian Riebandt betont, dass ausreichend Polizei vor Ort sei. Noch bis 14 Uhr soll die Blockade dauern. Am Samstag, 7. September, ist ab 13 Uhr dann noch eine Demo geplant. "Das Camp ist mit 300 Personen gut besucht. Die Polizei geht davon aus, dass alle Teilnehmer auch zur Demo gehen werden."

Die Blockade läuft im Rahmen des Antikriegs-Camps „Rheinmetall Entwaffnen“, das vom 1. bis 9. September Unterlüß stattfindet. Dazu meldete sich ein Anwohner aus Unterlüß bei der CZ: "Rund um die Müdener Straße ist der reinste Belagerungszustand ausgebrochen. Ein paar hundert Leute rennen hier seit einer Woche auch nachts mit ihren schwarzen Klamotten herum. Das ist für die Bevölkerung absolut inakzeptabel."

Aktivisten fordern: "Keine Profite mit Kriegen"

Ulli Becker, eine Sprecherin der Initiative "Rheinmetall entwaffnen", sagte: „Wir haben die Rheinmetall-Rüstungsproduktion für einen weiteren Tag lahmgelegt. Der Rüstungskonzern leistet materielle Hilfe für die von Saudi-Arabien begangenen Kriegsverbrechen im Jemen und die völkerrechtswidrige Besatzung der türkischen Armee im nordsyrischen und ehemals kurdisch verwalteten Kanton Afrin. Rheinmetall ist mitverantwortlich für diese und viele weiteren Kriegsverbrechen.“ Rheinmetall umgehe mit der Gründung von Tochterunternehmen und Joint Ventures bewusst Waffenexport-Regularien der deutschen Bundesregierung wie den aktuelle bis Ende September geltende Waffenexport-Stopp nach Saudi-Arabien.

Becker weiter: „Wir weigern uns, in einer Welt zu leben, die zunehmend von Kriegen, Aufrüstung und Abschottung bestimmt wird. Rheinmetall als größter deutscher Rüstungsproduzent und deutscher Waffenexportmeister ist wesentlich daran beteiligt und mach gigantische Profite mit dem Töten. Deshalb sehen wir uns gezwungen mit Aktionen des massenhaften Ungehorsams die Produktion von Rüstungsgütern lahm zu legen. Wir fordern, dass keine Profite mit Kriegen und die Abwicklung der Rüstungssparte des Konzerns zu fordern“ fuhr Ulli Becker fort.

Rheinmetall: "Respektieren Recht auf freie Meinungsäußerung"

Die CZ hat zu den Vorwürfen der Aktivisten ein Statement von Rheinmetall angefordert. Pressesprecher Oliver Hoffmann will sich dazu noch im Laufe des Freitags äußern. Vor einer Woche lautete das Statement von Rheinmetall wie folgt: „Die Meinungs- und die Versammlungsfreiheit sind wichtige Grundrechte in unserer Demokratie. Mit Produkten für die Sicherheitsvorsorge leistet Rheinmetall auch in Deutschland einen relevanten Beitrag dazu, unsere freiheitliche Grundordnung zu schützen, die unsere Werte und Grundrechte garantiert."

Hoffmann sagte, dass Rheinmetall das Recht auf freie Meinungsäußerung respektiere und auch kritische Positionen Andersdenkender gelten lasse. "Wir bitten aber um Fairness und verwehren uns entschieden gegen falsche Behauptungen und unsachliche Stimmungsmache. Alle Tochtergesellschaften von Rheinmetall halten den strengen gesetzlichen Rahmen ein, der ihnen in den jeweiligen Ländern zum Beispiel auch hinsichtlich von Exporten gegeben ist. Im Übrigen erzielt Rheinmetall den weitaus überwiegenden Anteil des Umsatzes seiner Defence-Sparte im Geschäft mit der Bundeswehr sowie mit Streitkräften aus NATO-Partnerländern und weiteren befreundeten Nationen, zum Beispiel der Schweiz und Australien."

Rheinmetall: "Bestmögliche Ausrüstung für Bundeswehr"

Weiter heißt es in der Stellungnahme: "Mit unseren Produkten zum Beispiel für die Bundeswehr schützen wir diejenigen, die sich in gefährlichen Regionen der Welt für Frieden und Sicherheit engagieren. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, diesen Soldatinnen und Soldaten die bestmögliche Ausrüstung mit auf den Weg zu geben, damit sie wohlbehalten wieder aus dem Einsatz zurückkehren können. In diesem Sinne geben Rheinmetall-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter täglich ihr Bestes.“

Flüchtlingsrat ruft zur Teilnahme an Demo auf

Anlässlich der Demonstration „Rheinmetall Entwaffnen. Krieg beginnt hier – unser Widerstand auch“ am Samstag, 7. September, in Unterlüß erklärt Sebastian Rose vom Flüchtlingsrat Niedersachsen: „Die weltweiten Kriege werden auch mit Waffen geführt, die in Niedersachsen produziert und entwickelt werden. Und diese Waffen zwingen Menschen auf die Flucht. Aber niemand spricht drüber.“

Um auf die Folgen der niedersächsischen Waffenproduktion aufmerksam zu machen, ruft der Flüchtlingsrat Niedersachsen gemeinsam mit über 100 Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen zur Teilnahme an der Demonstration in Unterlüß auf. Gemeinsam tritt die Demonstration auch für die Rechte der Geflüchteten ein, die durch die sich verschärfende Rechtslage immer weiter unter Druck geraten. Dabei macht ein Blick auf die Hauptherkunftsländer wie Syrien, Irak, Türkei und Afghanistan deutlich, wie berechtigt die Schutzbegehren sind: All diese Staaten sind von zumeist langjährigen, mit äußerster Härte geführten Kriegen betroffen.

Aktion reiht sich in weltweiten Protest ein

Sebastian Rose weiter: „Zeigen wir in Unterlüß laut unsere Solidarität mit den Menschen, die vor Kriegen fliehen mussten. Wir fordern Wirtschaftsminister Althusmann auf, endlich den vom Niedersächsischen Landtag vor über einem Jahr fraktionsübergreifend geforderten Dialog zwischen Politik, Gesellschaft und Unternehmen in Sachen Rüstungsexporte aufzunehmen und das Ende der Kriegswaffenproduktion in Niedersachsen einzuleiten.“

Die Aktion des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“ reiht sich in einen weltweiten Protest gegen die finanzielle und militärische Unterstützung des Erdogan-Regimes ein, das gegen die kurdische Selbstverwaltung in der Türkei und in Rojava (Nordsyrien) Krieg führt. Unter dem Motto „Rise up for Rojava – Block, Occupy, Disturb“ finden zeitgleich Aktionen gegen Rüstungskonzerne und Waffenmessen statt, darunter in europäischen Ländern, Australien und Südamerika.

Der Wildpark Müden möchte vier Entdeckerstationen errichten und sucht jetzt Unterstützer.

Christopher Menge 05.09.2019

Die Nachricht kam überraschend. Pfarrer Jacek Kubacki verlässt die St.-Michael-Gemeinde Munster-Faßberg.

Christopher Menge 28.08.2019

Zu einer Geldstrafe und einem Fahrverbot hat das Amtsgericht Celle einen Autofahrer verurteilt. Das Unfallopfer leidet an den Folgen.

Christopher Menge 23.08.2019