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Faßberg Fast wie Müden – nur mit Landwirtschaft
Celler Land Faßberg Fast wie Müden – nur mit Landwirtschaft
21:30 11.01.2019
Von Christian Link
In Poitzen muss niemand hungern. Die Katzen finden auf den Höfen genug zu futtern und die Menschen können bei Dirk Lange in der Bahnhofsgaststätte gute deutsche Küche essen. Quelle: Christian Link
Poitzen

Morgens um halb zehn in Poitzen können einem schon mal die Tränen kommen. Zumindest wenn man wie Dirk Lange vor einer riesigen Schüsseln voller Zwiebeln steht. Der gelernte Koch und Chef der Bahnhofsgaststätte bereitet gerade das Abendessen für die Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr vor. Die Brandbekämpfer haben sich mit 30 bis 35 Leuten angekündigt. "Wie viele es sind, weiß ich selbst nicht so genau. Deswegen gibt's Gulasch, das kann man noch verlängern", sagt Lange.

Die Bahnhofsgaststätte ist die einzige verbliebene Gastwirtschaft in Poitzen und für ihre rustikale Küche mit ordentlichen Portionen bekannt. Auch die Feuerwehrleute werden sich nicht beschweren können. In seiner kleinen Küche Pfanne brutzelt Lange nach und nach 14 Kilogramm Rindfleisch. "Das ist 'ne ganze Menge, aber das muss ja auch für alle reichen", meint der 56-Jährige und verrät: "Was an Fleisch rein kommt, kommt auch an Zwiebeln dazu. Normalerweise macht man Hälfte Hälfte."

"Das Jahr fängt gut an"

Seit 1911 kocht Familie Lange in der Bahnhofsgaststätte, doch bis 2014 war die Wirtschaft immer nur gepachtet. Erst vor fünf Jahren kaufte Dirk Lange den Laden der OHE ab, die hier ohnehin keine Züge mehr vorbeischickt. Außer Panzern für den Truppenübungsplatz und Holz aus den Wäldern rollt auf den Schienen nicht mehr viel an Poitzen vorbei. "Ich wollte immer Koch werden, aber nicht hier damit anfangen", sagt Lange. Nachdem sein Vater 1991 einen Herzinfarkt erlitten hatte, übernahm Sohn Dieter dann aber doch das Familiengeschäft. "Jetzt will ich nichts mehr anderes machen", sagt er. Es gebe zwar weniger Touristen als früher, aber der Umsatz sei immer noch da. Lange: "Das Jahr fängt gut an, ich kann meine Rechnungen bezahlen."

Etwa jeder zehnte Poitzer wird am Freitagabend bei Lange speisen, schließlich ist die Feuerwehr der einzige Verein im 320-Seelen-Ort. "Sie ist der Mittelpunkt des Dorfes. Jeder, der Kontakt sucht, ist irgendwie dabei", weiß Heinrich Ripke. Der Landwirt vom Sebandshof war selbst 18 Jahre lang Ortsbrandmeister und ist der Feuerwehr immer noch als passives Mitglied treu.

Biogas, Zuchtsauen und Milchvieh

Poitzen ist zwar ein Ortsteil von Faßberg, sieht mit seinen großen, rot verklinkerten Hofanlagen aber eher aus wie das benachbarte Müden. Doch im Gegensatz zur "Perle der Heide" gibt es in Poitzen noch eine Handvoll landwirtschaftlicher Betriebe. "Wir hatten hier ursprünglich 270 Zuchtsauen, aber wir sind dabei abzustocken. Wir wollen auf Mastschweine umstellen", sagt Ripke und erhofft sich für sich und seine Frau Ingrid etwas weniger Arbeit: "Wir sind im Jahr 3000 Stunden im Stall, dazu kommt der Ackerbau und die Biogasanlage betreuen wir auch noch mit. Urlaub kennen wir kaum." Das wird sich aber bald ändern. Auf dem mehr als 400 Jahre alten Sebandshof steht ein Generationenwechsel an. "Ich gehe im Sommer in Rente und dann wird mein Sohn Henning übernehmen", sagt der 65-Jährige.

Auch der Milchviehbetrieb Hemme, der ein paar hundert Meter weiter direkt am Heidschnuckenweg liegt, ist an der Biogasanlage Poitzen beteiligt. Neben der Feuerwehr, dem Kindergarten und dem Lohnbetrieb im Ort versorgt das Öko-Kraftwerk unter anderem auch das Waldschwimmbad Herrenbrücke in Faßberg mit Energie. Angesichts der niedrigen Milchpreise kann Familie Hemme das zweite Standbein gut gebrauchen. "Die Milchviehhaltung reicht noch zum Leben", sagt Lars Hemme, der 80 Milchkühe und nochmal so viele Kälber auf dem Hof hat. Doch bei Trockenheit könne auf dem sandigen Heideboden schnell das Futter knapp werden.

Seine 90 Hektar Anbaufläche musste Hemme, der natürlich auch zur Ortsfeuerwehr gehört, deswegen im Hitzesommer 2018 intensiv bewässern. Kürzlich kam die Dieselrechnung dafür: Sie lag im fünfstelligen Bereich, wie der 47-Jährige berichtet. "Und ich hatte bloß zwei Motoren laufen – aber eben rundum die Uhr."

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