Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Faßberg Zeitzeuge fliegt über Bergen-Belsen
Celler Land Faßberg Zeitzeuge fliegt über Bergen-Belsen
18:49 27.06.2010
Anzeige
Faßberg

Langsam schweift Yehuda Blums Blick über Bergen-Belsen, während der Hubschrauber seine Kreise um die Gedenkstätte zieht. „Vor 66 Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich das mal aus dieser Perspektive sehen würde“, sagt Blum. Und fügt nachdenklich hinzu: „Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl.“

Denn untrennbar verbunden mit dem Ort, über den Pilot Daan Friedrich und Flugsicherheitsoffizier Bernd Müller-Keil den Helikopter steuern, sind für Blum die erschütternden Erlebnisse im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen. Als slowakischer Jude während des Nationalsozialismus mit seiner Familie von der SS von Budapest aus in die Heide deportiert, war er von Juni 1944 bis Anfang Dezember 1944 im „Ungarnlager“ gefangen, ehe er in die Schweiz gelangte.

Anzeige

Vor den Offiziersanwärtern der Fachschule am Fliegerhorst Faßberg berichtete Blum nach dem Rundflug über Bergen-Belsen von seinen Erlebnissen als KZ-Häftling. Dabei kreisten seine Erzählungen vor allem um eine Frage: Wie konnte man im Nachkriegsdeutschland behaupten, vom Holocaust nichts gewusst zu haben. „Ich empfinde das als unwahr. Jeder konnte es wissen“, erklärte Blum. Bücherverbrennungen und Arisierung seien ebenso öffentlich gewesen wie die Demütigungen, die er und seine Familie am eigenen Leib erfahren hätten.

Organisiert hatte Vortrag und Rundflug Hauptmann Mathias Pauls. „Ich halte es für wichtig, diese Form von Erinnerungskultur zu unterstützen“, so Pauls. „Unsere Soldaten kämpfen im Kosovo dafür, das so etwas nicht wieder passiert.“

Trotz seiner schlimmen Erfahrungen im Lager sagt Blum rückblickend: „Ich hatte viel Glück. Meine engste Familie kam mit heiler Haut davon.“ Nach der Emigration in das damalige Palästina studierte Blum in London und lehrt als Professor für Internationales Recht an der Universität von Jerusalem. Sechs Jahre lang vertrat er zudem Israel als Botschafter in der UNO.

Von Birte March