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Hambühren Blinde Russin erhält überraschend Aufenthaltserlaubnis
Celler Land Hambühren Blinde Russin erhält überraschend Aufenthaltserlaubnis
13:20 13.06.2010
Von Simon Ziegler
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Hambühren

OVELGÖNNE. Das Innenministerium des Landes Niedersachsen teilte mit, dass das Bundesministerium von einer selten angewandten Klausel im Ausländerrecht Gebrauch gemacht habe, wonach „zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland die Aufnahme erteilt“ werden kann. Um welche Interessen es sich dabei handelt, wurde nicht erläutert. Offensichtlich reagiert das Ministerium mit der ungewöhnlichen Ausnahmeregelung auf den öffentlichen Druck. Der Fall Alla Michel hatte in den vergangenen Wochen auch überregional für Schlagzeilen gesorgt.

Michels Anwalt Ulrich Wallmann nahm die Entscheidung gestern mit großer Erleichterung zur Kenntnis. „Wir freuen uns sehr, dass eine Einzelfalllösung gefunden ist und der Frau unbürokratisch geholfen wird“, sagte er. Ihn freue besonders, dass es in der Verwaltung offensichtlich Leute gibt, die den Einzelfall erkennen und richtig einordnen könnten, so Wallmann.

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Die 48-jährige Russin hatte von der deutschen Botschaft in Moskau kein Einreisevisum erhalten, weil sie kaum Deutsch spricht. Sie war ihrer Familie, die als Spätaussiedler nach Niedersachsen kamen, Ende des Jahres 2008 mit einem nur für zwei Tage gültigen Touristenvisum über Polen nachgereist. Alla Michel ist mit ihrem Mann Ivan seit 28 Jahren verheiratet. Sie haben einen 27 Jahre alten Sohn und eine 22-jährige Tochter. Seit zwei Jahren lebt Ivan Michel mit seinen Kindern in Deutschland.

Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Lüneburg hätte die Frau, die seit fünf Jahren fast vollständig blind ist, gestern ausgewiesen werden müssen. Gegen den Beschluss hatte Michels Anwalt Beschwerde eingelegt.

Auch der Landkreis Celle hatte mit der gestrigen Entwicklung nicht gerechnet, wie Kreis-Sprecher Ralf Schmidt der CZ sagte. Wenn Michel sich bei der Verwaltung meldet, erhalte sie zunächst eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Diese könne später in eine unbefristete umgewandelt werden, sagte Schmidt weiter.

●Celler Engagement: Vor der gestrigen Entscheidung, wonach Michel in Deutschland bleiben darf, hatte ein Celler Bürger eine Petition beim Landtag in Hannover eingereicht. Der Mann, der namentlich nicht erwähnt werden wollte, hatte sich für den Verbleib der Russin stark gemacht.

Alla

Michel