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Hambühren Hambührener Kapitänin festgenommen
Celler Land Hambühren Hambührener Kapitänin festgenommen
12:33 29.06.2019
Von Simon Ziegler
Carola Rackete Quelle: Till M. Egen
Hambühren

Der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch und der Kapitänin Carola Rackete aus Hambühren droht nach dem unerlaubten Anlegen ihres Rettungsschiffs in Italien ein juristisches Nachspiel. Am frühen Samstagmorgen wurde die Kapitänin der "Sea-Watch 3" auf der sizilianischen Insel Lampedusa festgenommen. Die Beschlagnahme des Schiffs wurde angeordnet. Aus Kreisen des Innenministeriums in Rom hieß es, dass eine Geldstrafe von 20.000 Euro verhängt werden soll. Für 40 Migranten ging eine Hängepartie zu Ende: Mehr als zwei Wochen nach ihrer Rettung im Mittelmeer konnten sie an Land gehen.

Celler Kirche für Aufnahme von Flüchtlingen

Der Celler Kirchenkreis-Specher Uwe Schmidt-Seffers regte ein Zeichen der Solidarität mit Rackete an. "Wir wären im Landkreis Celle sicherlich in der Lage, fünf bis acht Flüchtlinge der 'Sea-Watch 3' aufzunehmen. Das wäre ein gutes Signal gegenüber der Kapitänin", sagte der Nienhagener Pastor. Den Vorstoß von Die Partei im Celler Stadtrat, Flüchtlinge aufzunehmen, hält Schmidt-Seffers für richtig. Er habe "Hochachtung" vor Carola Rackete. "Es ist richtig, Menschen in Seenot zu retten", sagte der Kirchenkreis-Sprecher.

Hochachtung vor der Hambührener Kapitänin: Uwe Schmidt-Seffers.

Landrat geht von fairem Verfahren aus

"Ich hoffe, dass Carola Rackete schnell wieder freikommt", sagte Celles Landrat Klaus Wiswe auf CZ-Anfrage. "Man kann politisch immer unterschiedlicher Meinung sein. Ich hoffe aber, dass sie aufgrund ihres Engagements keine Nachteile erleidet. Italien ist immer noch ein Rechtsstaat. Ich gehe davon aus, dass ein faires Urteil gefällt wird", so Wiswe.

Rackete setzte sich über Anweisungen hinweg

Die jüngste Odyssee der Sea-Watch begann am 12. Juni, als die Organisation vor Libyen insgesamt 53 Bootsflüchtlinge aufnahm. Seitdem wartete die Organisation vergeblich auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Mitte vergangener Woche steuerte die Kapitänin schließlich in die Hoheitsgewässer Italiens. In der Nacht auf Samstag ging sie bis zum Äußersten, setzte sich über Anweisungen der Behörden hinweg und fuhr das Schiff in den Hafen.

In der Nacht zu Samstag fuhr Carola Rackete ihr Schiff in den Hafen von Lampedusa. Quelle: Elio Desiderio

Lösung hatte sich abgezeichnet

Dabei hatte sich im Ringen um die zuletzt 40 Migranten an Bord eine Lösung abgezeichnet. Nach Angaben der Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi vom Freitag hatten sich vier Länder – Deutschland, Portugal, Frankreich und Luxemburg – bereiterklärt, Migranten von dem Schiff aufzunehmen. Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer begründete die Entscheidung der Kapitänin mit den Worten: "Es war der verzweifelte letzte Versuch, die Sicherheit der Menschen sicherzustellen." Die Menschen an Bord zu kontrollieren sei für die Crew immer schwieriger geworden. Die Lage habe sich immer weiter zugespitzt.

Beim Anlegemanöver Boot der Finanzpolizei gestreift

Die Staatsanwaltschaft in Agrigent wirft der Kapitänin nun Widerstand gegen die Staatsgewalt vor, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Dazu kommt, dass beim Anlegemanöver ein Boot der Finanzpolizei gestreift wurde. Rackete könnten Medienberichten zufolge zwischen drei und zehn Jahre Haft drohen. Nach Angaben von Sea-Watch von Freitag werden Rackete auch Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen. Für die 31-Jährige sei Hausarrest angeordnet worden, berichtete Ansa.

Migranten des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“ werden im Hafen von Lampedusa von Polizisten bewacht. Quelle: Annalisa Camilli

Salvini: Gerechtigkeit geschaffen

"Wir haben die Verhaftung einer Gesetzlosen (...), eine Geldstrafe für diese ausländische NGO, die Beschlagnahme des Schiffs (...) und die Verteilung der ganzen Migranten an Bord auf andere europäische Länder gefordert", sagte Italiens Innenminister Matteo Salvini am Morgen dem Radiosender Rai. "Es scheint mir, dass Gerechtigkeit geschaffen wurde." Auf den Chef der rechten Regierungspartei Lega geht ein neues Sicherheitsdekret zurück, das Geldstrafen vorsieht, wenn private Schiffe mit Geretteten an Bord unerlaubt in die italienischen Gewässer einfahren. Salvini will die NGOs komplett von der Rettung von Migranten abhalten.

Bundestagsvize lobt Hambührenerin

Die Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth erklärte, Seenotrettung sei kein Verbrechen, sondern humanitäre Pflicht und rechtlich geboten. "Carola Rackete hat das einzig Richtige getan", sagte die Grünen-Politikerin. "Sie hat Menschen gerettet, die zu ertrinken drohten. Hat sie nach Lampedusa gebracht, statt sie den Schergen der libyschen Küstenwache zu überlassen." Dagegen ließen die europäischen Regierungen humanitäre Verantwortung schmerzlich vermissen.

"Eine Schande für Europa"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nannte Racketes Festnahme "eine Schande für Europa". "Eine junge Frau wird in einem europäischen Land verhaftet, weil sie Menschenleben gerettet hat und die geretteten Menschen sicher an Land bringen will", erklärte der Landesbischof am Samstag. Dies mache ihn traurig und zornig. Ermutigend sei allerdings die Aussicht, dass sich die Bemühungen so vieler Menschen in der europäischen Zivilgesellschaft um Humanität lohnten.

Sea-Watch stolz auf Kapitänin

Sea-Watch hatte am Samstagmorgen getwittert, man habe vor fast 60 Stunden den Notstand ausgerufen. "Niemand hörte uns zu. Niemand übernahm Verantwortung." Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer lobte Rackete: "Wir sind stolz auf unsere Kapitänin, sie hat genau richtig gehandelt. Sie hat auf dem Seerecht beharrt und die Menschen in Sicherheit gebracht", schrieb er auf Twitter.

Streit über Verteilung der Bootsflüchtlinge

Seit Jahren streiten die EU-Länder über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge. Eine Lösung ist trotz des erheblichen Drucks, den die populistische Regierung in Rom seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr in der Frage ausübt, nicht zu erkennen.

Carola Rackete aus Ovelgönne ist die Kapitänin des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3". Sie will in Lampedusa anlegen, darf aber nicht.

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