Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Hambühren Sisyphusarbeit für Feuerwehr
Celler Land Hambühren Sisyphusarbeit für Feuerwehr
21:15 12.02.2019
Von Simon Ziegler
Hambühren

„Das war ein Inferno“, sagt Hambührens Ortsbrandmeister Carsten Kranz am Tag danach. Beißender Gestank liegt in der Luft, noch immer qualmt es erheblich. Der Ausbruch des Feuers liegt zwar schon über 20 Stunden zurück. Doch nach wie vor sind die Brandbekämpfer im Einsatz. Löschen Brandnester. Reißen Papier- und Kunststoffballen auseinander, in denen immer wieder Flammen auflodern. Bis zum Abend bekämpfen sie die Folgen des Großfeuers. Der Einsatz geht am Mittwoch weiter.

Eine Halle ist eingestürzt, die andere einsturzgefährdet

Der Recyclinghof Struck ist am Dienstagmorgen kaum wiederzuerkennen. Auf weiten Teilen des Areals liegt eine dicke Schaumschicht, das Löschwasser steht an manchen Stellen 20 Zentimeter hoch. Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebes reißen das Dach einer Halle ein. Eine Halle ist eingestürzt, die andere akut einsturzgefährdet. Gemeindebrandmeister Reiner Dralle spricht vom größten Einsatz in seiner Zeit als Feuerwehrmann. Und das will etwas heißen: Dralle ist seit 40 Jahren bei den Brandbekämpfern.

Schaden von einer Million Euro

Der Schaden gehe in Richtung von einer Million Euro, bestätigt Harrie van der Kruijs, Sicherheitsbeauftragter des Recyclinghofes, erste Schätzungen. Zwei Hallen und eine neue Papierpresse sind niedergebrannt, dazu kommen die vernichteten Wertstoffe. Immerhin: „Gott sei Dank ist alles versichert“, sagt van der Kruijs. Aber der Betriebshof wird tagelang geschlossen bleiben müssen. Jeden Tag, an dem Kunden ihre Wertstoffe nicht anliefern können, verliert die Firma Geld. Der Sicherheitsbeauftragte schätzt, dass jeden Tag ein Verlust im fünfstelligen Bereich entsteht. Er hofft, dass wenigstens Ende der Woche der Betrieb teilweise wieder aufgenommen werden kann.

Wochenlange Aufräumarbeiten

Die Aufräumarbeiten auf dem Recyclinghof werden vermutlich wochenlang andauern. Die Verarbeitung von Papiermüll könnte vorübergehend nach Celle ausgelagert werden, bis auf dem Recyclinghof „etwas Neues gebaut“ sei, so van der Kruijs.

Hambührens Bürgermeister Thomas Herbst macht sich am Morgen ein Bild von der Lage. „Für Familie Struck ist das eine Riesenkatastrophe“, sagt er. „Das ist das Lebenswerk von Kalli Struck, das hier verbrannt ist.“ Herbst sichert der Familie Unterstützung zu. Wenn die Gemeinde beim Wiederaufbau helfen könne, werde sie das machen. Zugleich lobt der Verwaltungschef den Einsatz der Feuerwehrkräfte: „Die Feuerwehrleute haben unter einer hohen Belastung hervorragend gearbeitet.“ Das Wichtigste sei, dass niemand verletzt wurde.

„Wir kommen nur schleppend voran"

Gemeindebrandmeister Dralle spricht von einer „Sisyphusaufgabe“ für die Brandbekämpfer: „Wir kommen nur schleppend voran. Es brennt immer wieder.“ Für die Feuerwehr problematisch ist der zusammengepresste Papier- und Kunststoffmüll. In den Ballen werden immer wieder Glutnester entdeckt. Allein in der Nacht zu Dienstag, als noch 40 Feuerwehrleute auf dem Recyclinghof waren, sei das Feuer sechs Mal wieder aufgeflammt. Meterhohe Flammen schlugen in den Himmel. Am Vortag waren bis zu 100 Einsatzkräfte vor Ort.

Die Frage der Brandursache war auch gestern nicht zu beantworten. „Wir wissen es noch nicht“, sagte Polizeisprecherin Birgit Insinger. Die Polizei war am Dienstag in Hambühren, kam aber noch gar nicht an den Bereich in der Papierhalle heran, in dem das Feuer am Montag gegen 13 Uhr ausgebrochen war.

Einsatz verlangt Helfern viel ab

Der Großbrand lässt in Hambühren niemanden kalt. „Das ist schockierend“, sagt Lothar Pietzel, DRK-Bereitschaftsleiter in Hambühren. Das Rote Kreuz kümmert sich um die Verpflegung der Feuerwehrleute. Auch Kräfte vom Technischen Hilfswerk und den Johannitern sind vor Ort. Es ist ein Einsatz, der auch den Helfern einiges abverlangt.

2012 hatte ein Schrotthaufen gebrannt

Es ist nicht das erste Mal, dass es auf dem Gelände des Abfallverwerters Struck brannte. Im April 2012 war in einem Schrotthaufen ein Feuer ausgebrochen. Der Brand hatte auch damals einen Großeinsatz mehrerer Feuerwehren ausgelöst, allerdings war kein größerer Schaden entstanden. Lesen Sie hier mehr.