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Hambühren Hambühren kämpft gegen drohendes Aus
Celler Land Hambühren Hambühren kämpft gegen drohendes Aus
17:21 06.07.2011
Von Simon Ziegler
Schulgutachten: Besichtigung in Hambühren Quelle: Peter Müller
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Hambühren

OVELGÖNNE. Gegen Ende der Podiumsdiskussion schnappte sich ein Mädchen von vielleicht fünf Jahren das Mikrofon. Sie sprach genau einen Satz. „Ich möchte hier auch mal auf die Schule gehen.“

Doch ob das eines Tages Realität wird, ist mehr als zweifelhaft. Die Hambührener Haupt- und Realschule soll geschlossen werden. So hat es der vom Kreis Celle beauftragte Schulgutachter empfohlen. Und vorgeschlagen, dass die beiden Hambührener Grundschulen in das Schulzentrum in Ovelgönne einziehen.

Das wird aber nicht passieren. Denn der Hambührener Gemeinderat, der bei den Grundschulen das Sagen hat, nicht aber bei den weiterführenden Schulen, hat sich anders entschieden. Die Grundschulen bleiben an ihren Standorten und werden zu Ganztagsmodellen ausgebaut.

Die Vorschläge des Gutachters haben in der Gemeinde regelrecht für Entsetzen gesorgt. Kurzfristig lud Schulleiter Rudolf Alker daher für Dienstag zu einer Podiumsdiskussion ein. Die politisch verantwortlichen Kreistagsmitglieder sollten ihre Sicht der Dinge darlegen. Nur: Bis auf die Hambührenerin Renate van Bargen (SPD) ließ sich niemand blicken. So setzten sich neben Schul- und Elternvertretern kurzerhand einige Gemeinderatsmitglieder aufs Podium. Und Reinhard Toboll, Schulamtsleiter des Landkreises Celle.

Der wartete mit dramatischen Zahlen auf. Schon 2020/21 erfülle Hambühren die vom Land für eine Oberschule geforderten Mindestzahlen von 48 Schülern pro Jahrgang nicht mehr. Denn in Hambühren wurden zwischen Oktober 2009 und September 2010 - der Jahrgang, der 2020 in die Oberschule käme - nur noch 78 Kinder geboren. Fünf Jahre zuvor waren es noch 127. Und blickt man der Wahrheit ins Gesicht, wird deutlich, dass schon im kommenden Schuljahr die Oberschulzahlen deutlich unterschritten werden. Für die Hauptschule liegen nur elf Anmeldungen vor, für die Realschule sind es 25. Macht 36 Schüler.

Nun ist die Schließung von Schulen für alle Kommunen ein Schlag ins Kontor. Was in Hambühren erschwerend hinzu kommt, ist die lange Zeit überfällige Sanierung der Einrichtung. Inzwischen ist die Schule generalüberholt. Erst im Mai wurden die letzten Fachräume übergeben. Insgesamt hat der Kreis die Schule für 2,85 Millionen Euro saniert. In Hambühren hatte am Dienstag niemand Verständnis dafür, diese Schule bald zu schließen.

Leerstand kann sich indes niemand leisten. Toboll deutete an, dass eine Förderschule in das Gebäude einziehen könnte. Denkbar ist, dass die Paul-Klee-Schule, die in Vorwerk aus allen Nähten platzt, nach Hambühren kommt. „Naheliegend“ nennt der Schulamtsleiter diese Variante.

Dass das Ende einen großen Imageverlust bedeutet, darauf verwies Bürgermeister Rüdiger Harries. Er plädierte dafür, dass der Kreistag die Entscheidung nicht schon im August trifft, sondern später. Elternvertreterin Marlis Wabnitz rief dazu auf, sich an einer Unterschriftenaktion zu beteiligen.