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Hambühren Hambührener Arzt in Haiti
Celler Land Hambühren Hambührener Arzt in Haiti
14:46 13.06.2010
Von Simon Ziegler
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Hambühren

HAMBÜHREN. Hunderte von Patienten sammeln sich vor der Klinik im Zentrum von Port-au-Prince. Ein Großteil kann gar nicht behandelt werden. So beschreibt der Hambührener Arzt Dr. Ulrich Seemann über ein Satellitentelefon die katastrophalen Verhältnisse nach dem Erdbeben. „Ins Krankenhaus kommen nur die Schwerverletzten“, sagt Seemann. „Wir wissen nicht, wo wir die Patienten hinbringen sollen, hier gibt es nur 13 Betten.“

Der Hambührener ist am vergangenen Mittwoch in der haitianischen Hauptstadt eingetroffen. Ein achtköpfiges Team der Organisation „humedica“, die weltweit in Katastrophengebieten humanitäre und medizinische Hilfe leistet, ist über die Dominikanische Republik eingereist. „Wir haben ein verlassenes Krankenhaus vorgefunden, in dem wir operieren können“, sagt Seemann. Die Mediziner behandeln vor allem Patienten mit Quetschungen in Verbindung mit schwersten Brüchen. „Wir hatten schon einige Todesfälle zu beklagen. Wir helfen so gut es geht“, sagt Seemann.

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Es sind unvorstellbare Szenen, die der Allgemeinmediziner und Kinderarzt beschreibt. Weil das Team kein anderes Material hat, müssen Amputationen mit einem Taschenmesser, an dem eine kleine Säge ist, durchgeführt werden. „Es ist dramatisch. Aber wir haben keine Alternativen“, so Seemann, der seit Jahren in etlichen Krisenregionen wie in Indien und Pakistan im Einsatz ist. Auch Haiti kennt er bereits. Im Jahr 2008 leistete er dort nach einem schweren Wirbelsturm humanitäre Hilfe.

Was er derzeit in Haiti erlebt, sprengt jedoch alle Maßstäbe. Es ist der größte Einsatz in der Geschichte von „humedica“. Heute soll ein zweites Ärzte-Team eintreffen. Zudem werden 24 Tonnen Hilfsgüter erwartet, darunter Medikamente und medizinisches Material.

Seemann ist mit den anderen Ärzten und Pflegern auf dem Gelände einer amerikanischen Schule untergebracht. Sie übernachten in Zelten auf dem Schulhof. Wasser und Strom gibt es nicht. Nicht mal duschen können die Helfer. Das alles ist aber nichts gegen das unbeschreibliche Leid der Haitianer. „Die Leidensfähigkeit der Bevölkerung ist enorm“, sagt der Hambührener, dessen Enkelkind Jemina in Haiti geboren wurde. Seine Tochter hatte das Mädchen vor 13 Jahren adoptiert. Jemina lebt heute in Meinersen im Kreis Gifhorn.

Spenden: „humedica“ bittet die Bevölkerung in Deutschland dringend um Unterstützung in Form von Spenden auf das folgende Konto: humedica e. V., Stichwort „Erdbeben Haiti“, Konto 4747, BLZ 73450000, Sparkasse Kaufbeuren.

Benefizkonzert in Lachendorf: Am kommenden Dienstag, 26. Januar, findet in der Realschule Lachendorf ein Benefizkonzert für die Erdbebenhilfe statt. Das Konzert mit Beiträgen der Bläserklassen beginnt um 19 Uhr im Forum der Realschule. Das gesammelte Geld soll noch am Dienstag der Kindernothilfe übergeben werden.