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Hambühren Nach 98 Jahren im Einsatz nun Museumsstück
Celler Land Hambühren Nach 98 Jahren im Einsatz nun Museumsstück
19:32 17.07.2011
Die Wappen von Celle fährt in die Schleuse Oldau ein. Quelle: Joachim Gries
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Hambühren

Eigentlich ist bei der Schleuse in Oldau Selbstbedienung angesagt. Wer mit seinem Boot allerabwärts das Wehr umfahren will, muss ein paar Knöpfe drücken, dann springt die Fußgängerampel auf Rot und das Schleusentor öffnet sich zur Einfahrt. Gestern übernahm aus Sicherheitsgründen Wasserwerker Harald Schnabel von der Außenstelle Oldau des Wasser- und Schifffahrtsamtes Verden das Knöpfchendrücken, denn der Andrang war groß. Kein Wunder, wurde doch mit dem Schleusenfest das einhundertjährige Bestehen des Oldauer Wasserkraftwerks und der Schleuse gefeiert und ein neuer Ausstellungspavillon der Öffentlichkeit vorgestellt.

98 Jahre Allerwasser hinterlassen auch bei hartem Metallguss ihre Spuren. Davon können sich jetzt die Besucher überzeugen, die den Pavillon zwischen Schleuse und Kraftwerk besuchen. Hier steht draußen das Laufrad der mittleren der drei Francisturbinen, die 2009 ausgebaut wurde. Unter dem Dach steht das Gehäuse mit den Leitschaufeln, die einst die Wassermenge für die richtige Drehzahl regulierten, während im Obergeschoss des Klinkerbaus das Kammrad zu sehen ist, das die Drehbewegung der Turbine auf die Generatorwelle übertrug.

Informationstafeln im Gebäude zeigen, wie die Turbine mit vier Metern Durchmesser arbeitete. Denn wer in das Kraftwerksgebäude schaut, kann davon nichts sehen, weil sich alles in der Ebene unterhalb des Generators abspielt. Der Heimatverein Hambühren zeigte gestern einen Film, der noch viel von der Handarbeit erkennen ließ, die einst beim Schmieren oder Einstellen der Anlage nötig war. Und Vorsitzender Manfred Wiggenhagen beantwortete viele Fragen zu den Exponaten.

„Unten in fünf Metern Tiefe war früher alles voller Krebse“, erinnert sich Heinz Wacker. 26 Jahre war er Maschinist im Kraftwerk, 2008 hörte er auf, inzwischen ist er 78 Jahre alt. Viel schwieriger als heute sei es früher gewesen, die Anlage anzufahren und den richtigen Zeitpunkt zu treffen, ab dem Strom ins Netz eingespeist werden konnte. 400 Kilowatt liefern die Generatoren heute.

Nach dem Ausbau der dritten Turbine wurde auch die Rechenanlage geändert, die das Treibgut der Aller aufhält. Früher musste es teuer entsorgt werden, heute wird es durch die leere Turbinenkammer flussabwärts geschickt.

Beim Schleusenfest war gestern auch für Unterhaltung gesorgt, Vereine und Verbände stellten sich vor und das Wasser- und Schifffahrtsamt informierte über seine Arbeit und lud zur Fahrt mit dem Schubschiff auf der Aller ein.

Die Zukunft der Bundeswasserstraße Aller habe bei den Gesprächen mit den Besuchern kaum eine Rolle gespielt, sagte Oliver Waetke aus Ovelgönne, der seit 21 Jahren für die Außenstelle der Behörde in Oldau tätig ist. Er will nicht spekulieren, sondern wartet die Entscheidung der Bundesregierung am 26. Oktober ab. „Die Streckenunterhaltungsarbeiten an und in der Aller müssen auch in Zukunft erledigt werden“, sagt er.

Von Joachim Gries