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Hambühren Alles eine Frage der Einstellung
Celler Land Hambühren Alles eine Frage der Einstellung
06:26 30.04.2019
Von Marie Nehrenberg
Lutz Lohmann, Tochter Thea Lohmann und Schwiegervater Horst Schuchardt kennen sich aus in der Arbeitswelt. Ihre Ansichten unterscheiden sich allerdings. Quelle: Marie Nehrenberg
Ovelgönne

"Ich bewundere ja die Generation meiner Eltern und Großeltern." Die 24-jährige Thea Lohmann sitzt Papa Lutz Lohmann und Opa Horst Schuchardt gegenüber und verteilt selbstgebackenen Zitronenkuchen auf ihre Teller. "Die haben in meinem Alter gearbeitet und nach Feierabend noch ein Haus gebaut", erzählt sie. "Ich hab' ja nach einem Arbeitstag nicht mal mehr Lust einkaufen zu gehen und zu kochen."

Work-Life-Balance muss stimmen

Thea ist gelernte Bürokauffrau. Seit drei Jahren arbeitet sie bei der Bundespolizei in der Verwaltung. Sie fährt jeden Tag nach Hannover, ist oftmals über zehn Stunden unterwegs. Zu lange für ihren Geschmack. "Es bleibt kaum noch Zeit für andere Dinge", beklagt sie sich. "Die Work-Life-Balance ist heutzutage einfach nicht gut." Das sieht Papa Lutz ganz anders. "Früher hatten wir auch nicht mehr Zeit, es ist alles eine Frage der Einstellung." Er selbst sehe die Arbeit an Haus und Garten nach Feierabend nur selten als Belastung, sondern viel eher als Ausgleich. "Das tut gut, wenn man noch ein, zwei Stunden etwas anderes machen kann." Er arbeitet seit über 25 Jahren in Hannover am Flughafen, die meiste Zeit davon im Schichtdienst. "Das ist auch anstrengend und macht nicht immer Spaß, aber jammern bringt ja niemanden weiter", sagt er.

Belastbarkeit nicht mehr so hoch

Opa Horst kann die Ansicht seiner Enkelin auch nicht verstehen. "Ich habe manchmal 70 Stunden in der Woche gearbeitet und hatte trotzdem noch Zeit für Haus und Familie." Gemeinsam mit seiner Frau hat er vier Kinder. "Ich hatte damals gar keine andere Wahl, als so viel wie möglich zu arbeiten." In der Nachkriegszeit konnte er auf keine finanzielle Unterstützung von den Eltern hoffen. "Die heutige Generation ist da vielleicht ein bisschen verwöhnter", pflichtet ihm Schwiegersohn Lutz bei. Worte, die Thea durchaus verstehen kann. "Ich glaube einfach, dass viele in meinem Alter nicht mehr so belastbar sind", gibt sie zu.

Handwerk bleibt auf der Strecke

Dass früher alles besser und die Arbeitsmoral eine ganz andere war, will Papa Lutz hingegen nicht bestätigen. Seiner Meinung nach haben die jungen Leute mit erschwerten Bedingungen zu tun. "Es gibt überall nur noch Zeitverträge, kaum einer kann langfristige Perspektiven anbieten. Das schmälert natürlich die Motivation, gerade wenn man vorher jahrelang studiert hat." Das Studium habe generell heute einen viel höheren Stellenwert. "Viele Eltern legen Wert darauf, dass ihre Kinder zur Uni gehen", sagt der gelernte Tischler. "Das ist zwar alles schön und gut, aber die Handwerksberufe bleiben dabei auf der Strecke." Auch Thea beobachtet in ihrem Freundeskreis, dass Studieren total im Trend liegt und damit das Eintrittsalter in die Arbeitswelt immer höher wird. "Hätte ich studiert, wäre ich wahrscheinlich gerade erst fertig, so habe ich schon über 7 Jahre Berufserfahrung."

Geldverdienen keine Männersache

Von schlechten Arbeitsbedingungen will Opa Horst indes nichts hören. "Hört mir auf mit sowas. Ich bin damals zeitweise von Misburg bis nach Herrenhausen mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Dass sich junge Leute über zu lange Arbeitswege beschweren, geht mir da nicht in den Kopf." Er selbst ist inzwischen 78 Jahre alt und hat sich noch immer nicht so ganz aus dem Arbeitsleben verabschiedet. Offiziell ist er seit 2010 in Rente, "aber wenn wir uns was leisten wollen, dann muss ein bisschen Geld dazu verdient werden". Anders als bei vielen anderen Familien aus der Nachkriegsgeneration war Geldverdienen im Hause Schuchardt nie reine Männersache. "Meine Frau hat die meiste Zeit ebenfalls gearbeitet, als die Kinder klein waren zum Beispiel in Form von Heimarbeit." Bei Schwiegersohn Lutz läuft es ähnlich. "Bei uns gab es auch nie die klassische Rollenverteilung, dass die Frau zuhause bleibt und nur für Kinder und Haushalt sorgt", erzählt er. Seine Frau Karin habe abgesehen vom Erziehungsurlaub immer gearbeitet.

Tag der Arbeit hat kaum noch Bedeutung

Der Tag der Arbeit hat für die Familie heute keine große Bedeutung mehr. "Es ist halt ein freier Tag", meint Thea und erntet zustimmendes Nicken. Opa Horst hingegen, der in der ehemaligen DDR aufwuchs, hat noch ganz andere Zeiten miterlebt. "Bei uns war es damals Pflicht, am ersten Mai zu marschieren", erinnert sich der gebürtige Eisenacher. "Da war der Marktplatz voll."

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