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Hambühren Weltkriegs-Hinterlassenschaften in Hambührener Waldgebiet bis Juni beseitigt
Celler Land Hambühren Weltkriegs-Hinterlassenschaften in Hambührener Waldgebiet bis Juni beseitigt
15:13 13.06.2010
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Hambühren

HAMBÜHREN. Explosive Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs liegen im Hambührener Forst. Dass von ihnen auch heute noch eine nicht zu unterschätzende Gefahr ausgeht, muss vor allem Spaziergängern in diesen Tagen bewusst sein. „So lange, wie hier noch gearbeitet wird, sollte die Bevölkerung das Gebiet meiden“, sagt Ronald Ehmann, Ordnungs- und Sozialamtsleiter Hambühren. „Das ist gefährlich und behindert die Arbeiten.“

Seit knapp drei Wochen ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst wieder im Waldgebiet westlich des Wohngebietes „Grünes Eck“ im Einsatz. In den Wintermonaten hatten vor allem Schneemassen die Arbeiten behindert. Am Ziel, mit der Räumung bis Ende Juni dieses Jahres fertig zu sein, wird trotz Unterbrechung festgehalten. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Ehmann.

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1314 Kampfmittel und Splitterteile wurden laut Kampfmittelbeseitigungsdienst bisher im Hambührener Forst gefunden, darunter 54 Sprenggranaten mit einem Durchmesser von 8,8 Zentimetern. „Wir haben eine sehr hohe Fundgröße pro Quadratmeter“, erklärt Ehmann. Deshalb werde das Gebiet mittlerweile maschinell geräumt.

Bei den explosiven Hinterlassenschaften handelt es sich um Altlasten der Lufthauptmunitionsanstalt (Muna) Hambühren. Dort wurden bis April 1945 Millionen von Flak- und Artilleriegranaten produziert, bevor die Muna kurz vor Kriegsende unkontrolliert in die Luft gesprengt wurde. Seitdem geht von den weit verteilten Überresten – Granaten, Munitionshülsen und TNT-Sprengstoff – eine Gefahr für Mensch und Tier aus.

Finanziell ist für die Räumung des Hambührener Forstes bisher etwas mehr als eine Million Euro eingeplant. Allerdings sind mit dem Einsatz am „Grünen Eck“ längst nicht alle Altlasten beseitigt. Durch die Sprengung der Muna-Bunker wurde das explosive Gut weit verteilt. „Im Südwesten der Bunker haben wir schon vor Jahren Probesondierungen gemacht und dabei Munition gefunden“, sagt Ehmann. Mittlerweile habe man auch den Herd der Sprengung entdeckt – ob auch hier geräumt wird, stehe aber noch nicht fest. Dabei, sagt Ehmann, sei sicher: „Je länger man wartet, desto höher auch ist die Gefahr, die von den Altlasten ausgeht.“

Grundwasser

Im Zusammenhang mit den Hinterlassenschaften der Muna-Produktion führt der Landkreis Celle seit Jahren jeweils im April und Oktober gezielt Grundwasser-Untersuchungen durch. Dabei wird unter anderem das Wasser aus Gartenbrunnen auf sprengstofftypische Verbindungen untersucht. Diese sind in manchen Brunnen in der Nähe bekannter Ablagerungsstätten noch heute nachweisbar – es handelt sich dabei vorwiegend um TNT-Sprengstoff und dessen Abbauprodukte. Einwohner Hambührens, deren Brunnenwasser bisher nicht untersucht worden ist und die von dem Angebot Gebrauch machen wollen, können sich an Jürgen Klatt von der Unteren Bodenschutzbehörde unter s (05141) 916512 wenden. Weil eine krebserregende Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann, soll belastetes Brunnenwasser nicht getrunken, eventuell sogar Hautkontakt vermieden werden. Das Trinkwasser aus der zentralen Wasserversorgung Hambührens ist davon laut Unterer Wasserschutzbehörde aber nicht betroffen. Fragen zu den gesundheitlichen Auswirkungen beantworten Amtsarzt Carsten Bauer unter s (05141) 916448 und Gesundheitsaufseher Bodo Banachowicz unter s (05141) 916429.

Von Birte March