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Bröckel Großes Fest im kleinen Dorf
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Bröckel Großes Fest im kleinen Dorf
19:30 10.07.2011
Von Simon Ziegler
Schützenfest Bröckel Quelle: Peter Müller
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Bröckel

BRÖCKEL. Vier überwiegend junge Männer sitzen auf der Anklagebank. Der Staatsanwalt liest das vermeintliche Vergehen vor. Die Junggesellenbande wird angeklagt, nicht verheiratet zu sein. Die Staatsmacht fragt schließlich einen der vier, ob es sein könne, dass das Duschen mit Männern - eine Anspielung auf die Feuerwehrmitgliedschaft - dazu führen könne, dass das Interesse am weiblichen Geschlecht erlischt. Das Bröckeler Publikum ist schier aus dem Häuschen. Als die Verteidigerin dann das Balzverhalten der Junggesellen vom Vorabend thematisiert, lacht sich der ganze Saal schlapp.

Das Königliche Kriegsgericht ist fraglos einer der großen Höhepunkte des Schützenfestes von Bröckel. Auf karnevalistisch ansprechendem Niveau macht man sich in der neuen Schule miteinander über sich selbst lustig. So werden „vier Petras“ bezichtigt, ein Wohngewerbe mit kriminellem Hintergrund zu bilden. Oder Selbständigen wird vorgeworfen, mafiaartige Strukturen zu Lasten des Dorfes zu pflegen. Am lautesten sind die Lacher bei den schlüpfrigen Anklagen (was oft vorkommt). Zum Beispiel dann, wenn die hohe Gerichtsbarkeit über Peepshows mit Minderjährigen im Rahmen des lebendigen Adventskalenders schwadroniert. Am Ende heißt es immer: Schuldig im Sinne der Anklage. Die Strafe fast immer: Getränke in großer Stückzahl ausgeben.

In Bröckel ist man stolz auf das Schützenfest, das wohl als eines der spektakulärsten im Celler Land bezeichnet werden darf. Nur alle drei Jahre findet es statt, dann aber mit großem Tamtam. „Oberst“ Bernd Schäfer, Cheforganisator und Moderator der viertägigen Sause, berichtet stolz, dass sich 1110 der 1850 Einwohner eine Festschleife besorgt haben, um an allen vier Tagen dabei zu sein. Alte, Junge, Frauen, Männer, alle machen mit, sagt Schäfer.

Und genau das zeigt sich gestern beim Festumzug, wo sich ein bunt geschmückter Wagen an den nächsten reiht. Kein Schützenverein gibt den Ton an, es sind Freunde, Verwandte, Nachbarn, die etliche Gespanne und Fußwagen kreiert haben. „So könnte der Büroalltag aussehen“, zeigt Heinrich Schepelmann auf den Wagen, den er mit seiner Truppe gefertigt hat: Eine überdimensionierte ältere Dame am Rollator, dazu der Schriftzug: Rente mit 69. Hunderte Menschen stehen auf den Straßen - sehen das Abba-Gespann, die fahrende Strandbar, einen Holland-Wagen ganz in orange oder ein Ärzte-Team ganz in weiß. Eine große Party.