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Bröckel „Jedes Wort liegt auf der Goldwaage“
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Bröckel „Jedes Wort liegt auf der Goldwaage“
14:34 12.06.2019
Christina Lux Quelle: Sebastian Niehoff
Bröckel

Das Experiment kann man als gelungen bezeichnen – immerhin hat die seit vielen Jahren in Köln lebende Liedermacherin prompt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhalten. Zum Auftakt des FlotArt-Kultursommers kommt die 54-Jährige mit ihrem Produzenten und musikalischen Begleiter Oliver George am Freitag, 21. Juni, nach Bröckel und gastiert neben dem Jule-Malischke-Duo ab 20 Uhr in der Marien-Kirche.

Die leisen Bilder wurden hörbar

Christina Lux, Ihr aktuelles Album heißt „Leise Bilder“. Wofür steht der Titel?

„Leise Bilder“ steht für Dinge, die wir in uns tragen und die uns beeinflussen – oft zunächst, ohne wirklich wichtig zu sein. Mir hat es gut getan, aufzuräumen und klar hinzusehen, was ich noch tragen will und was nicht. So wurden die leisen Bilder hörbar.

Seit Ihrem letzten Studioalbum ‚Playground‘ sind rund sechs Jahre vergangen. Warum hat es so lange gedauert?

Ich wollte an den Texten feilen

Ich habe mir bewusst viel Zeit gelassen. 2015 erschien das Live-Album ‚Embrace‘ zu meinem 50. Geburtstag schon mit einigen deutschsprachigen Liedern. Ich wollte mir aber genug Zeit für Arrangements und Texte lassen und wirklich an den neuen Songs feilen. Im Englischen kann man schnell über Feinheiten hinweghören, im Deutschen geht das nicht. Jedes Wort liegt plötzlich auf der Goldwaage. Mich dahin anzunähern, brauchte eine Zeit der Entwicklung.

Wie hat sich dieser Sprachwechsel herauskristallisiert?

Es ist einfach passiert. Es kamen immer weniger englische Textzeilen angeflogen. Schon seit gut zwölf Jahren mische ich beide Sprachen auch innerhalb der Songs. Dabei habe ich festgestellt, dass es die Leute näher in die Geschichte bringt, wenn sie den Text komplett mitbekommen – und mich übrigens auch. In meiner Zeit mit meinem amerikanischen Mann war meine ganze Welt im Englischen verwurzelt. Als junge Frau habe ich fast nie deutschsprachige Musik gehört. Die Muttersprache hat sich Zeit gelassen, zu mir zu kommen.

Warum?

Auf meinen ersten Alben habe ich viele bittere Erfahrungen verarbeitet, in denen die englische Sprache mir wie ein Schutzraum gewesen ist. Man konnte ganz einsteigen, aber auch einfach nur mit der Musik gehen. Jetzt ist alles direkt und die Themen sind andere. Ich mag das inzwischen sehr.

Gibt es einen roten Faden, der das Album zusammenhält?

Erst wenn sich die Songs sammeln wird mir klar, ob ein roter Faden da ist oder nicht. In diesem Fall ist es einfach eine schöne Reise geworden. Jedes Album ist wie die Momentaufnahme einer Lebensphase mit den jeweiligen Gedanken, die mich umtreiben.

Vieles in der Welt, das mich irritiert

Was treibt Sie denn derzeit um?

Es gibt vieles in dieser Welt, das mich zunehmend irritiert. Das Auftauchen von Populismus und Fremdenhass habe ich in dem Song „Reise“ verarbeitet. Wir müssen uns eine sehr wichtige Frage stellen: Was für ein Mensch möchte ich sein? Jeder Hetzer macht sich mitverantwortlich für Übergriffe, weil er dabei hilft, blind zu machen für das, was wirklich und echt ist. Diese Leute reden zwar oft über andere Menschen, aber wenig mit ihnen. Musik kann verbinden.

Stoppok ist einer meiner Helden

Auf dem Album haben Sie mit einigen Gästen zusammengearbeitet. Wie sind dabei auf Stefan Stoppok gekommen?

Stoppok ist einer meiner Helden, der schon viele Jahre sein Ding macht. Ich habe ihn auf einigen Konzerten begleitet und wir haben dort meinen Song „Meer“ live gespielt. Als wir das Lied dann für mein Album aufnahmen, hatte ich sofort seine zwölfsaitige Gitarre im Ohr.

Ein Song mit Laith Al-Deen

Mit dem Sänger Laith Al-Deen hatten Sie früher schon auf der Bühne gestanden. Nun hat er Sie auf dem letzten Song „Losfliegen“ begleitet – war das Ihr besonderer Wunsch?

Ja, mit Laith Al-Deen war ich vor rund 14 Jahren auf Tournee. Über die Jahre haben wir uns hin und wieder getroffen, und als im Studio der Song „Losfliegen“ an der Reihe war, wusste ich, dass ich nur ihn dafür fragen werde. Unsere Stimmen passen hier einfach wunderbar zusammen.

Ein buntes Programm

Was darf man auf der Bühne erwarten?

Ich spiele die Songs des neuen Albums sowie auch einige meine älteren englischsprachigen Klassiker. Es ist ein buntes, lebendiges Programm mit großer Dynamik und sehr innigen Momenten.

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