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Kultur Samtgemeinde Flotwedel Peter Hahne: "Lieber Gutmensch als Giftzwerg"
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13:02 19.04.2019
Peter Hahne hat viele Jahre als Nachrichtenmoderator und Talkmaster für das ZDF gearbeitet. Quelle: Michael Kramers/ZDF
Oppershausen

Die Missions- und Freundestage des Missionswerks Bruderhand finden in diesem Jahr von Freitag, 26., bis Sonntag, 28. April, unter dem Motto „Worauf es ankommt“ in Oppershausen, Wienhausen und Celle statt. Zu den Rednern gehört der Publizist, Theologe und frühere ZDF-Moderator Peter Hahne. Im Gespräch mit CZ-Redakteur Carsten Richter redet der 66-Jährige nicht nur über die bevorstehende Veranstaltung, sondern blickt auch auf seine journalistische Karriere zurück – und er verrät seine Zukunftspläne.

Herr Hahne, was bedeutet Ihnen die Teilnahme an den Missions- und Freundestagen?

Da komme ich gewissermaßen zu meinen Wurzeln zurück. Als ich 1972 bei der Europawelle Saar begann, damals übrigens in Doppelmoderation mit Thomas Gottschalk und Dieter Thomas Heck, habe ich eine christliche Gemeinde gesucht. Plakatiert war in Saarbrücken eine Vortragsreihe mit Wilhelm Pahls vom Missionswerk „Bruderhand“ in der Saarbrücker Stadtmission. Ich ging hin, war tief beeindruckt und hatte meine Gemeinde. Deshalb ist mein Besuch auch so etwas wie ein spätes Dankeschön. Wobei ich mich besonders über alle freue, die mit dem Glauben oder der „Bruderhand“ nichts am Hut haben und aus purem Interesse, vielleicht sogar Neugier kommen – nach dem Motto: Was macht ein Moderator bei einem Missionswerk (lacht)?

Die Missions- und Freundestage stehen unter dem Motto „Worauf es ankommt“. Was ist Ihnen persönlich wichtig im Leben?

Dass es nicht auf Sand gebaut ist oder ich auf dem Sterbebett sagen müsste: Es war alles umsonst. Es gibt erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche, wenn es auf festem Fundament gebaut ist. Das Beste ist, sein Leben auf Ewigkeit zu programmieren und Jesus Christus als Mitte und Hoffnung zu haben. Genau daran werden wir jetzt an Ostern erinnert. Wer sich den Himmel nicht mehr verdienen muss, kann anderen Menschen dienen, auch durch Vorträge und Bücher. Es kommt also darauf an, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und die richtigen Prioritäten zu setzen.

Sie werden zwei Vorträge halten. Ein Thema lautet „Zwischen Toleranz und Widerstand“. Worum wird es dabei gehen?

Kurzgefasst: keine Toleranz den Intoleranten. Weder gegenüber Rechtsradikalen mit Stammtischparolen noch gegenüber Islamisten, die einen beängstigenden Antisemitismus in unser Land tragen, wie zum Wochenanfang der Verfassungsschutz belegte. Leider schreiben viele das Wort Toleranz gemäß Bildungsnotstand mit Doppel-L (lacht). Sie finden alles toll. Doch wenn alles gleich gültig ist, ist bald alles gleichgültig. Die Grundurkunde unserer Kultur ist jedoch die Bibel, die uns Menschenwürde und Menschenrechte lehrt. Wer das bekämpft, darf kein Pardon kennen.

Zuletzt haben Sie sich vehement gegen eine „Genderisierung“ der deutschen Sprache ausgesprochen, Sie haben sogar eine Petition unterschrieben. Was stört Sie an dieser „neuen“ Sprache?

Dass sie uns auf dem Umweg der Sprache eine neue Ideologie unterjubelt. Was die Urheber auch ganz offen zugeben. Sprache ist etwas höchst Lebendiges, sie muss schreib-, les- und sprechbar bleiben. Diese ganzen Sternchen, Quer-, Längs- und Bindestriche sind jedoch Selbstmord am Allgemeingut Sprache. Was zum Beispiel das Rathaus Hannover seinen Mitarbeitern an Sprachakrobatik vorschreibt, grenzt für mich an Loriot.

In den vergangenen Jahren haben Sie vor allem gesellschaftskritische Bücher veröffentlicht. Ihr jüngstes Werk „Passiert notiert“ gibt erstmals persönliche Einblicke. Was erwartet den Leser?

Es sind Episoden aus meinem Leben, meiner Jugend in Ostwestfalen, meiner Karriere in den Medien. Ein Buch „auf Probe“ (schmunzelt), ein Testballon. Dass es sofort auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, hat mich dann doch sehr erstaunt. Der alte Goethe hat also recht: die Leute wollen nichts Staubtrockenes und Akademisches, sie wollen Erlebtes, Geschichten. Es geht aber auch um mein Urteil über die „68er“, über die Politisierung der Kirchen und die Frage: Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?

Sie sind studierter Theologe, haben dann aber eine journalistische Laufbahn begonnen und haben viele Jahre für das ZDF als Nachrichtenmoderator, Hauptstadtkorrespondent und Leiter einer Talkshow gearbeitet. Wie kam es zu diesem Wandel?

Kein Wandel, sondern Konsequenz! Wir beide, Sie als Reporter und ich als examinierter Theologe, haben doch dasselbe Anliegen und Handwerkszeug: Wir wollen eine wichtige Nachricht an die Frau und den Mann bringen. Dazu müssen wir sauber recherchieren, verständlich formulieren und ansprechend präsentieren. Nur so können wir die Leute faszinieren, interessieren, motivieren und im besten Fall sogar engagieren.

Ihr oft etwas pastorales Auftreten hat Ihnen den Titel „Gutmensch des ZDF“ eingebracht. Stört Sie das?

Lieber Gutmensch als Giftzwerg! Untergangspropheten haben wir genug. Ich möchte kein Miesmacher, sondern ein Mutmacher sein, auch bei den Vorträgen in Oppershausen. Wir brauchen Hoffnungsträger, keine Bedenkenträger. Der liberale Berliner „Tagesspiegel“ schrieb unlängst über mich: „Klartext statt Kuscheltalk“. Klingt schon besser (lacht).

Nach dem Ende Ihrer Talkshow haben Sie erklärt, sich aufs Bücherschreiben konzentrieren zu wollen. Wie sehen Ihre weiteren Zukunftspläne aus?

Ich fange gerade ein Buch an unter dem Arbeitstitel: „Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen.“ Das ist quasi die Fortsetzung meines „Mogelpackungsbuches“. Das Milliardengrab Berliner Flughafen, der aufgeblähte Bundestag, Politiker, die ihre eigenen Kinder auf Privatschulen schicken und uns „Willkommensklassen“ aufschwatzen wollen, das alles schreit doch zum Himmel. Statistiken werden geschönt, Bilanzen frisiert oder dicke Kohle gemacht wie jetzt beim DFB oder auch bei VW mit den „Goldenen Handschlägen“. Ohrfeigen für Otto Normalverdiener oder engagierte Ehrenamtliche. Ich will aufklären und aufregen und zu Änderungen anregen – auch bei den Vorträgen in Oppershausen.

Vorträge und Sponsorenlauf

Freitag, 26. April:

19.30 Uhr Eröffnung und Hauptvortrag Werner Gitt (Buchautor, ehemaliger Leiter des Fachbereichs Informationstechnlogie an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig) "Überraschungen in der Schöpfung" im Seminarzentrum Oase, Waldweg, in Oppershausen

Samstag, 27. April:

10.15 Uhr Anmeldung und Eintreffen zum Sponsorenlauf am Seminarzentrum Oase
11 Uhr     Sponsorenlauf für das Projekt "Diakonische Missionsarbeit unter behinderten        Kindern in Nordafrika und Verbreitung von Schriften in Fremdsprachen". Eine Runde beträgt 560 Meter, anschließend Mittagessen im Seminarzentrum
15.30 Uhr Hauptvortrag Peter Hahne "Etwas Festes braucht der Mensch"
19.30 Uhr Hauptvortrag Peter Hahne "Zwischen Toleranz und Widerstand" (jeweils im Seminarzentrum Oase)

Sonntag, 28. April:

10 Uhr Gottesdienst im Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde, Bahnhofstraße 24, in Wienhausen
anschließend Hauptvortrag Werner Gitt "Nur die Klugen kommen in das Himmelreich"
14.30 Uhr Vortrag Werner Gitt "Der Himmel – Ein Platz auch für dich?" in der Garnison-Kirche Celle, Langensalzaplatz 2. 

Der Eintritt ist jeweils frei. 

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